2:3 gegen Bremen : Hertha für zwei Wochen auf einem Abstiegsplatz

Das werden schwere Wochen für Hertha BSC. Erst in 14 Tagen geht es in der Bundesliga weiter, und so lange stehen die Berliner nach dem 2:3 gegen Werder Bremen auf einem Abstiegsplatz. Dazu Mittelfeldspieler Nicu: "Das ändert sich ganz schnell."

Sven Goldmann
Hertha BSC - Werder Bremen
Nase vorn. Frings vor Wichniarek in Ballnähe.Foto:ddp

Das werden schwere zwei Wochen für Hertha BSC. Erst dann geht es in der Fußball-Bundesliga weiter, und so lange werden die Berliner auf einem Abstiegsplatz verweilen. Das mag im Spätsommer nicht viel aussagen, aber es drückt die Stimmung. 49 176 Zuschauer im Olympiastadion ertrugen still und friedlich ein 2:3 (0:0) gegen Werder Bremen, es war im vierten Saisonspiel schon die dritte Niederlage. „In der Tabelle sieht das schlecht aus“, sagte Mittelfeldspieler Maximilian Nicu, „aber das ändert sich ganz schnell, wenn du ein Spiel gewinnst.“ Die nächste Chance dazu hat Hertha nach der Länderspielpause beim Aufsteiger Mainz 05.

Herthas Kapitän Arne Friedrich klagte, seine Mannschaft habe sich „im eigenen Stadion auskontern lassen“. Ja, so spielen auswärtige Mannschaften nun mal, sie machen eher selten das Spiel, dafür sind die Einheimischen zuständig. Hertha gestaltete das Spiel gegen Bremen so schlecht nicht. Was fehlte, war Gefährlichkeit im Angriff. Da ist kein Stürmer, der ein Spiel allein entscheiden kann oder zumindest Teil einer Entscheidung sein kann. Vier Tore hat Hertha in dieser Saison erzielt, kein einziges kam von einem Stürmer.

An Artur Wichniarek, diesmal als alleinige Sturmspitze aufgeboten, lief das Spiel wieder einmal vorbei. Der Pole wirkt verkrampft, es fehlt ihm ein Erfolgserlebnis, im Kopf rechnet er die Minuten hoch, in denen er ohne Tor ist. Das ist denkbar ungünstig auf einer Position, die man nur dann Erfolg versprechend ausfüllen kann, wenn das Selbstvertrauen stimmt. Auch gegen Werder gingen seine Schüsse ins Irgendwo, beim Dribbling blieb er im entscheidenden Augenblick hängen. Sinnbildlich für Wichniareks Schaffenskrise war eine Szene zu Beginn der zweiten Halbzeit, als er allein auf das Bremer Tor zulief, Torhüter Wiese ausspielen wollte und dabei ins Straucheln kam. Ein guter Stürmer sucht aggressiv den Abschluss und kreiert eine Situation, in der ihn der Torwart entweder umrennt oder das Tor frei zum erfolgreichen Abschluss steht. Wichniarek wählte zaghaft die Zwischenlösung und fand dabei keine Gnade vor den Augen von Schiedsrichter Kinhöfer.

Es wird für Herthas Schicksal in dieser Saison von Bedeutung sein, mit welcher Qualität das Vakuum im Angriff gefüllt werden kann. Am Montag schließt die Transferliste, und noch immer ist ungewiss, ob Manager Michael Preetz nun ein oder zwei neue Spieler nach Berlin lotsen kann. Hertha braucht mehr Durchschlagskraft im Angriff, sonst helfen auch alle Fortschritte in Sachen Spielkultur nichts. Gegen Bremen sah es besser aus als vor einer Woche in Bochum. Beide Flügel waren mit Nicu und Ebert gut besetzt. Der U-21-Europameister machte da weiter, wo er am Donnerstag beim 3:1 gegen Bröndby aufgehört hatte. Er lief viel und schnell, trickste, flankte und schoss, kurz vor der Pause wäre ihm beinahe das Führungstor gelungen, als er Naldo aussteigen ließ, beim Torschuss aber den Ball nicht richtig traf.

„Wir haben ganz gut gespielt, vor allem zu Beginn der ersten Halbzeit“, sagte Trainer Lucien Favre. Da forcierte der für den erneut schwachen Cicero eingewechselte Lukasz Piszczek das Tempo und im Bremer Strafraum spielten sich turbulente Szenen ab. Es war schon ein wenig tragisch, dass mitten in diese Drangperiode hinein das Bremer Führungstor fiel. Özil erzielte es nach schnellem Konter über Marin. So ähnlich, wie Hertha das in der vorigen Saison gern praktiziert hatte.

So glücklich die Führung zu diesem Augenblick fiel – sie war keinesfalls unverdient, denn Werder spielte den technisch besseren Fußball. Schon in der ersten Halbzeit hatten Boenisch und Marin die Führung auf dem Fuß, und nach dem 1:0 hatte die Berliner Abwehr manches Mal ihre liebe Mühe mit den schnellen Bremern. Bezeichnenderweise war auch das zweite Tor das Resultat eines Konters. Der ansonsten unauffällige Tim Borowski schloss ihn eine Viertelstunde vor Schluss allein vor dem Tor stehend ab.

Es spricht für die Moral der Berliner, dass sie noch einmal zurückkamen. Nur vier Minuten später spitzelte Piszczek den Ball nach einer Energieleistung Gojko Kacars vorbei am Bremer Ersatztorwart Christian Vander, der für den an der Wade verletzten Wiese gekommen war. Hertha mühte sich, aber Werder ist eben von anderer Qualität als das am Donnerstag im finalen Wirbel überrannte Bröndby. Die Bremer spielten klug und souverän weiter, Naldo erzielte nach einem weiteren Konter das dritte Tor. In der Nachspielzeit gelang Ebert noch das 2:3, aber für eine Wende war es da schon zu spät.

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