2:3 gegen Ingolstadt : Eisbären verpassen erstmals seit 2007 die Playoffs

Ein Spiel wie eine Saison: Die Eisbären Berlin verlieren im entscheidenden Spiel der "Pre-Playoffs" gegen Ingolstadt und beenden damit eine enttäuschende Spielzeit. "Wir sind selbst schuld", erkannte auch Kapitän André Rankel.

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Bruchlandung: Die Eisbären Berlin verpassen endgültig die Playoffs.
Bruchlandung: Die Eisbären Berlin verpassen endgültig die Playoffs.Foto: dpa

Ziga Jeglic kurvte um das Tor herum und passte zurück auf Benedikt Schopper. Der Verteidiger des ERC Ingolstadt holte aus und jagte den Puck ins Tor. Während bei den Bayern kollektiver Jubel ausbrach, herrschte auf Seiten der Eisbären Entsetzen. Mit dem Treffer zum 2:3 (2:1, 0:0, 0:1 / 0:1) in der achten Minute der Verlängerung endete die Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Jedenfalls für die Eisbären, die im entscheidenden Pre-Play-off-Spiel vor 11 700 Zuschauern in der Arena am Ostbahnhof verloren. Für Ingolstadt geht die Spielzeit hingegen erst richtig los. Am Sonntag treten sie bei den Krefeld Pinguinen zum ersten Viertelfinalspiel an. „Wir sind selbst schuld, weil wir unsere Leistung nicht abgerufen haben“, sagte Kapitän André Rankel. „Das ist sehr bitter für uns“, ergänzte Trainer Jeff Tomlinson, „aber Ingolstadt ist verdient weitergekommen.“

Angesichts der dargebotenen Leistungen in dieser Saison und auch in den Pre-Play-offs haben die Ingolstädter in der „Best-of-seven“-Serie allerdings wohl nur Außenseiterchancen. Aber wenigstens sind sie noch dabei. Anders als der Deutsche Meister, der doch so endspielerprobt ist. In den vergangenen Jahren haben die Eisbären ganze Serien davon gespielt – und gewonnen. Sieben Meisterbanner unter dem Hallendach der Arena künden von den großen Erfolgen im vergangenen Jahrzehnt. In diesem Jahr allerdings war von der einstigen Klasse des Serienchampions wenig zu sehen.

Viel Kampf, jede menge Krampf

Auch nicht am Freitag. Das Spiel war praktisch eine Fortsetzung dessen, was schon in den ersten beiden Spielen zu sehen war: viel Kampf, großer Einsatz, aber auch jede Menge Krampf. Beide Teams versuchten erwartungsgemäß sicher zu stehen – was ihnen diesmal aber von Beginn nicht so recht gelingen wollte. Die Gäste aus Bayern wirkten übermotiviert, sie kassierten schon in den ersten fünf Spielminuten zwei Strafzeiten. Die Eisbären wiederum agierten erstaunlich nervös für eine Mannschaft mit derart viel Endspielerfahrung. Die beiden frühen Überzahlspiele verpufften ohne größere Chancen. Die beste Gelegenheit hatten sogar die Ingolstädter, weil Berlins Torwart Rob Zepp hinter dem eigenen Gehäuse etwas zu lässig agierte und damit Christoph Gawlik zum Führungstor einlud. Doch Zepp machte seinen Fehler wieder gut und warf sich in den Schuss des gegnerischen Stürmers.

Die Gäste wurden nun immer mutiger, doch das 1:0 fiel für die Eisbären. Timo Pielmeier, beim 4:1-Sieg des ERC am Mittwoch noch überragend, ließ einen Schuss von Florian Busch prallen, der Berliner Stürmer staubte anschließend von links aus spitzem Winkel ab. Eigentlich hätte sich jetzt die Nervosität der Eisbären legen müssen, doch nach einem neuerlichen Puckverlust im Spielaufbau traf Gawlik in der 15. Minute zum 1:1. Erneut war es dann Pielmeier, der den Berlinern half – diesmal misslang ihm ein Pass unmittelbar vor dem eigenen Tor. Henry Haase bedankte sich, nahm den Puck an und versenkte ihn dann locker zu seinem ersten DEL-Treffer.

Erneut erschreckend schwaches Überzahlspiel

Ihre Nervosität bekamen die Eisbären auch nach Wiederbeginn zunächst nicht in den Griff. Nach einem Wechselfehler befanden sich zu viele Spieler auf dem Eis. Im folgenden Powerplay ließen die Gäste die Scheibe zwar gut laufen, ein Treffer gelang ihnen jedoch nicht. Wenig später durften sich dann wieder die Gastgeber mit einem Mann mehr versuchen, das Überzahlspiel der Eisbären blieb aber wie schon zwei Tage zuvor in Ingolstadt beinahe erschreckend harmlos. Es passte damit zum Niveau des Spiels, das dem entsprach, was zu erwarten ist, wenn der Tabellenachte auf den Tabellenneunten trifft. Auf einen Fehlpass hier folgte postwendend einer da. Musste ein Gästespieler auf die Strafbank, dauerte es selten lange, bis auch ein Eisbären-Akteur zwei Minuten kassierte.

Auch das dritte Drittel plätscherte lange Zeit praktisch ereignislos vor sich hin. Die Eisbären taten nicht mehr viel, trotz des Rückstandes kam aber von den Ingolstädtern lange ebenfalls so gut wie nichts. Das Publikum murrte, einige Zuschauer quittierten das wilde Gestocher sogar mit Pfiffen. Einzig die hartgesottenen Fans auf der Stehplatztribüne feierten ihren EHC Eisbären und ließen sich die gute Laune nicht verderben. Doch die war in der 54. Minute schließlich auch dahin. Timothy Hambly überwand Rob Zepp, der danach heftig wegen einer vermeintlichen Behinderung protestierte. Die Schiedsrichter bemühten den Videobeweis – und entschieden nach ausgiebigem Studium der Kamerabilder auf Tor. Das 2:2 hatte auch nach 60 Minuten Bestand, es ging in die Verlängerung. In der schließlich Benedikt Schopper zum unerwarteten Helden wurde.

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