2:3 in Freiburg : Nicht mal das Mauern klappt bei den Kölnern

Die sonst so defensivstarken Kölner unterliegen nach schwacher Leistung 2:3 beim SC Freiburg. „Es muss jeder begreifen, worum es geht", sagt Kölns Trainer Soldo mit Blick auf die Tabelle.

Uwe Rogowski

Es ist ungewöhnlich, wenn ein Trainer des SC Freiburg gefragter ist als sein Kölner Kollege, der einen Klub trainiert, dessen Selbstverständnis Welten von dem der Freiburger trennt. Doch momentan sind die Verhältnisse umgekehrt: Freiburg ist Vierter, Köln 16. Zvonimir Soldo hatte nach der 2:3-Niederlage in Freiburg schnell Feierabend. Seine Ausführungen darüber, warum die Lage der Rheinländer zunehmend brenzlig ist, interessierte nur eine Handvoll Menschen, während Freiburgs Robin Dutt von einer großen Schar bedrängt wurde und mit buddhistischer Geduld Auskunft gab. „Die Mannschaft ist mental gefestigt“, sagte Dutt. „Sie wird auch wieder ein Tief bekommen, doch momentan spielen wir auf einem konstant hohen Niveau.“

Gegen enttäuschende Kölner unterstrichen die Freiburger erneut, dass sie in dieser Saison offenbar ein höheres Level erreicht haben. Auch diesmal mischten sie das schlichte, kämpferische Spiel mit flottem Offensivdrang. Der SC kontrollierte in der ersten halben Stunde mit starkem Pressing den Bewegungsdrang des Kölner Mittelfelds, das deutliche Orientierungsschwierigkeiten offenbarte. Dutt sah das eigenen Stärken geschuldet: „Wir waren sehr präsent, haben früh attackiert und hatte eine gute Balleroberung.“

Zwei frühe Tore waren die Folge. Nach vier Minuten bekam Jan Rosenthal den Ball vor die Füße, wand sich um Mohamad und verwandelte kraftvoll zum 1:0. Nur kurz darauf verlängerte Rosenthal dann auch einen Volleyschuss von Felix Bastians ins Tor, und alles schien auf einen gemütlichen Nachmittag für die Freiburger hinauszulaufen – zumal die Kölner zunächst nur wenige Streifzüge in die gegnerische Hälfte unternahmen.

Soldos Team leistete erst nur in kurzen Schüben Gegenwehr. Die Gäste spielten zusammenhanglos, das Mittelfeld, das kaum einen Ball behaupten konnte, offenbarte große Strukturschwächen. Ohne Tatkraft traten die Kölner auf, was erstaunlich war angesichts der Tabellenlage. „Es muss jeder begreifen, worum es geht. Wenn wir so in die Zweikämpfe gehen, kann das nichts werden“, kritisierte Soldo.

Spannend machten es die Freiburger selbst. Zunächst ließ Ömer Toprak den Kölner Mato Jajalo zum Schuss kommen. Torhüter Simon Pouplin konnte den Ball nicht festhalten, und Mohamad staubte zum 1:2 an. Und nach dem Wechsel entwickelte Köln dann auch Druck. Matuschyks Schuss aus rund 20 Metern brachte den Ausgleich, doch schnell erlahmte die Kölner Offensivkraft wieder. Und während Jajalo und Podolski zwei gute Möglichkeiten vergaben, traf der derzeit beste Ligaschütze Cissé zum 3:2-Sieg für die Breisgauer. Es war bereits sein siebtes Saisontor. Köln drängte noch bis zum Schluss, doch letztlich war es auch diesmal in der Offensive zu wenig – und auch die Abwehr hatte schon bessere Tage. „Wenn du auswärts zwei Tore machst, musst du mindestens einen Punkt holen“, sagte Zvonimir Soldo. Ihm dürfte im traditionell aufgeregten Köln ein stürmischer Herbst bevorstehen.

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