Update

2:3-Niederlage : Russen zu clever für starkes deutsches Team

Deutschland verliert bei der Eishockey-WM das erste Zwischenrundenspiel erwartungsgemäß gegen Russland, ärgert den hohen Favoriten bei der 2:3-Niederlage aber nach Kräften.

von
Millionär im Sturzflug. Sven Felski lässt den russischen Superstar Alexander Owetschkin nicht so einfach vorbei.
Millionär im Sturzflug. Sven Felski lässt den russischen Superstar Alexander Owetschkin nicht so einfach vorbei.Foto: dpa

Heimvorteil in Deutschland? Von wegen. Die Kulisse, die sich der deutschen Eishockeynationalmannschaft bei ihrem vierten Weltmeisterschaftsauftritt bot, war abenteuerlich. Zigtausende Russen bevölkerten und beschallten Kölnarena am Samstagabend - und rangen der Fanschar der Gastgeber in der Kategorie Anhängertum mindestens ein Unentschieden ab. Weiß-blau-rot statt schwarz-rot-gold. So sah es auch auf dem Eis aus. Beim 2:3 (0:1, 1:1, 1:1) im ersten Spiel der Zwischenrunde spielten die Deutschen zwar überraschend aufgeweckt mit, blieben dem clevereren Rekordweltmeister aus Russland aber unterlegen. Letztlich setzte es eine Niederlage, die Team Deutschland einkalkuliert hatte – wenn auch eine bittere. "Wir haben aggressiv gespielt, den Russen nicht viel Raum gelassen und selbst Torchancen herausgespielt", sagte Bundestrainer Uwe Krupp. Und war wohl selbst etwas überrascht von der Leistung seiner eigenen Mannschaft.

Denn anders als die aufmüpfigen und so zahlreich unterstützen Russen, von denen das Volk nicht weniger als einen weiteren Titel erwartet, hatte sich der offizielle WM-Gastgeber schon vor dem Spiel ordentlich im Understatement geübt. „Gegen die Russen erwartet niemand etwas von uns“, hatte Krupp gesagt. Seine Deutschen galten im Vorfeld gegen das mit Stars nur so gespickte Team aus Osteuropa in der Tat nicht mehr als bessere Statisten. Zwar haben auch sie durch Verteidiger Christian Ehrhoff erst kürzlich Verstärkung aus der besten Liga der Welt hinzubekommen, doch gegen elf NHL-Profis aufseiten der Russen schienen sie machtlos.

Wie wohl sich die Deutschen allerdings in der Rolle des Underdogs fühlen, zeigten sie ja bereits beim Auftakt. Auch am Samstagabend hielten sie mit und erarbeiteten sich sogar die besseren Chancen. In drei von den Russen gewährten Überzahlspielen verpassten Marcel Müller und zweimal Ehrhoff aber die Chance zur Führung. Nur im Spiel fünf gegen fünf kombinierte sich Russland anfangs oft souveräner über das Eis – und erfolgreicher. Kapitän Ilja Kowaltschuk blieb es mit einem trockenen Schuss schließlich in der 15. Minute überlassen, die russischen Vertreter unter den 18.343 Zuschauern erstmals zum Toben zu bringen - "Rossija, Rossija" schmetterten sie fortan im Fortissimo von den Rängen.

Die Russen nutzen ihre Chancen besser

Ob die Profis aus Deutschland beeindruckt waren? Ganz und gar nicht. Vielmehr erstaunte es, wie frech sie auch weiterhin mitspielten. Allein das Glück fehlte ihnen, als Michael Wolf und Christoph Ullmann im Mittelabschnitt vor dem russischen Torwart Simeon Warlamow aufkreuzten. Wie es besser geht, zeigte der Gegner. Er hatte die weniger guten Möglichkeiten, traf jedoch das Tor: Beim 2:0 passte Maxim Afinogenow auf Nikolai Kulemin und der drückte den Puck einfach über die Linie – der deutsche Goalie Dimitri Kotschnew konnte nur staunend hinterherschauen. So simpel kann Eishockey sein.

Die Deutschen agierten hingegen oft einen Tick zu ungenau bis - ja, bis kurz vor der zweiten Drittelpause der Puck tatsächlich im Tor der Russen landete. Waren Sven, Felski, Felix Schütz und Robert Dietrich zuvor noch gescheitert, so passte Ehrhoffs Schuss, von dessen Berechtigung sich die Schiedsrichter per Videobeweise überzeugten, genau. 39 Minuten und 59 Sekunden waren da gespielt – und die deutschen Fans tanzten sich zur musikalischen Untermalung von Scooter durch die anschließende Pause. Sie spürten, dass da diesmal tatsächlich etwas gehen könnte gegen den großen Favoriten. "Da hatten wir die Chance, das Spiel zu unseren Gunsten ausfallen zu lassen", sagte der deutsche Torschütze.

Und als auch die russischen Anhänger im Schlussdrittel vom Zittern ihres Teams erfasst wurden, war er plötzlich wieder da - der Heimvorteil. Die deutschen Fans sangen, die deutsche Mannschaft spielte wie aufgedreht. Das Problem war nur, dass sich Russlands Superstar Alexander Owetschkin auch nach nur einem einzigen eingeschlichenen Abwehrfehler nicht lange bitten lässt: das 3:1. Deutschland kam durch Alexander Barta danach tatsächlich noch einmal heran, mehr war trotz größter Bemühungen nicht mehr drin. "Es ist enttäuschend, dass man so gut mitspielt und dann doch keinen Punkt holt", sagte Stürmer Marcel Müller nach dem Spiel. Doch schon heute hat die deutsche Nationalmannschaft gegen die Weißrussen die Möglichkeit, es noch besser machen. Deren Fans sind auch nicht ganz so zahlreich in und um Köln vertreten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar