2. Bundesliga : Der Sozialarbeiter an der Seitenlinie

Um den Aufstieg mit dem 1. FC Köln zu schaffen, muss Christoph Daum integrieren und moderieren.

Jörg Strohschein[Köln]
Christoph Daum
Blickrichtung Liga eins. Christoph Daum will ein weiteres Jahr zweite Liga vermeiden.Foto: dpa

Christoph Daum hat keine Zeit zu verlieren. „Wir werden in der Vorbereitung viel fürs Teambuilding tun“, sagte der 53 Jahre alte Fußball-Trainer, und deshalb hat er sogar den Trainingsauftakt des 1. FC Köln vorverlegt. Schon gestern startete der Zweitligist in die neue Saison. Tatsächlich wird dem Aufbau eines Gemeinschaftsgefühls eine erhebliche Bedeutung zukommen, denn als eingespielte Mannschaft lässt sich der FC des Jahres 2007 nun wirklich nicht bezeichnen. Er besteht aus Spielern der Abstiegsmannschaft von 2005, nach dem Gefallen des Schweizer Trainers Hanspeter Latour verpflichteten Landsmännern und Panikeinkäufen seines Nachfolgers Daum im vergangenen Winter. Nun kommen der Kolumbianer Faryd Mondragon (Galatasaray Istanbul), der Türke Ümit Özat (Fenerbahce Istanbul), der Kanadier Kevin McKenna (Energie Cottbus), der Libanese Roda Antar (SC Freiburg) und der Serbe Nemanja Vucicevic (1860 München) dazu, drei weitere Spieler sollen folgen – Integration ist gefragt, und zwar recht schnell.

Denn bei der anstehenden Spielzeit dürfte es sich um eine ganz entscheidende sowohl für den Klub als auch für den Trainer selbst handeln. Christoph Daum zumindest geht dem eigenen Bekunden nach in „die schwierigste Zweitligasaison aller Zeiten“. Ein weiteres Jahr in der Zweiten Liga ohne den ersehnten Aufstieg würde beiden wohl nicht nur eine erhebliche Schmälerung ihrer seit der letzten Saison ohnehin angekratzten Reputation bringen. Es würde auch die Idee einer erfolgreichen sportlichen Zukunft, die durch die Tradition und die Finanzkraft des Klubs sowie der internationalen Erfahrung ihres Fußball-Lehrers genährt werden soll, ad absurdum führen.

Anders als im vergangenen Jahr gibt es für Christoph Daum keine Ausreden mehr, schließlich konnte er dieses Mal in Sachen Personalplanung seine persönlichen Qualitätsvorstellungen umsetzen. „Wir haben darauf geachtet, dass wir charakterlich starke Spieler mit Führungsqualitäten holen“, sagt Christoph Daum. „Die haben uns in der vergangenen Saison gefehlt.“

Nach den Neuverpflichtungen ist es recht wahrscheinlich, dass kaum ein deutscher Spieler in der Startelf der Rheinländer stehen wird. Daum sieht darin allerdings kein Konfliktpotenzial. Schließlich habe der VfB Stuttgart mit einer ähnlichen Mischung unterschiedlichster Nationalitäten auch eine erfolgreiche Saison auf die Wege gebracht. Es gehe vor allem darum, den Spielern zu vermitteln, dass sie „stolz sein sollen, für den Klub und in dieser Region zu spielen“. Um dies umsetzen zu können, begann Daum bereits gestern mit der Vorbereitung auf die neue Saison. Denn wenn er mit seiner Wunschelf nicht möglichst schnell erfolgreich sein wird, könnte das die atmosphärischen Probleme innerhalb des Klubs noch verstärken. Der Verwaltungsrat kritisiert seit längerer Zeit das für die sportliche Entwicklung zuständige Präsidium um Wolfgang Overath. Sogar der Präsident ist beim FC in letzter Zeit angreifbar geworden – ein lange Zeit nicht vorstellbares Szenario in Köln. Manager Michael Meier sprach unlängst von einem „Klima des Misstrauens“. Es sei wichtig, dass wieder mehr miteinander statt übereinander geredet werde, bekundete Daum. Nur so könne sich der Erfolg einstellen.

Patrick Helmes ist sich scheinbar noch nicht ganz sicher, ob sich dieses Vorhaben künftig noch in die Realität umsetzen lässt. „Ich weiß nicht, ob wir miteinander reden. Er hat einen Auftrag und ich habe einen Auftrag“, sagt der Nationalstürmer. Dass Helmes Daum jüngst der Lüge bezichtigt hatte, weil der Trainer mit dem 23-Jährigen ein Gespräch über die persönliche Situation geführt haben wollte („Es ist nicht wahr, was Daum da gesagt hat“), wollte der Kölner Trainer nicht weiter kommentieren. Genauso wenig wie den Transfer des Nationalstürmers zu Bayer Leverkusen, der spätestens 2008 vollzogen wird. Daum war sichtlich darum bemüht, Ruhe in die Angelegenheit zu bringen. „Ein vorzeitiger Wechsel ist bei uns seit Monaten kein Thema“, sagt Daum. „Er spielt in unseren Planungen für die anstehende Saison eine entscheidende Rolle.“ Es ist ja schließlich auch eine entscheidende Saison.

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