2. Bundesliga : Nach Derby-Pleite wackelt Finkes Stuhl

Nach der 0:4-Heimniederlage gegen den Karlsruher SC verliert Trainer Volker Finke beim SC Freiburg nicht nur immer mehr die Rückendeckung der Fans, sondern auch des Präsidiums.

Freiburg - Vereinschef Achim Stocker kündigte nach der Pleite im badischen Derby an, dass der Vorstand über die sportliche Misere und Finkes Zukunft sprechen werde. "Irgendwann geht alles zu Ende", sagte der 71-Jährige in einem Interview mit SWR4-Radio Südbaden. "Aber wenn sich jemand solche Verdienste erworben hat, muss man eigentlich sagen: Man trennt sich am Ende der Saison."

Wenn aber am Ende der Vorrunde akute Abstiegsgefahr bestehe, "dann muss man reagieren", betonte Stocker. "Der Trainer ist nicht mehr tabu. Im Vorstand gibt es aber unterschiedliche Meinungen", meinte Vizepräsident Fritz Keller. "Wir stehen am Tiefpunkt der letzten 20 Jahre." Stocker bezeichnete es als "problematisch, wenn man sich nach so langer Zeit trennt". Er führte als Beispiele die einstige Ablösung von Otto Rehhagel bei Werder Bremen an sowie die Trennung des KSC von Winfried Schäfer.

"Wir werden mit jemandem, der mehr als 15 Jahre hervorragende Arbeit gemacht hat, natürlich reden. Wir wollen Vorschläge von der sportlichen Leitung haben. Wir wollen konkret wissen, was für Maßnahmen ergriffen werden", sagte Keller in Richtung Finke nach der höchsten Heimniederlage seit dem Bundesliga-Abstieg 2005. Nach bisher erst drei Saisonsiegen trennt den SCF nur noch die bessere Tordifferenz von den Abstiegsplätzen.

Sturz auf die Abstiegsplätze droht

Ernüchtert war auch SC-Torhüter Alexander Walke. "Wir können doch nicht jedes Mal erzählen, dass wir besser waren. Der Gegner kommt ein Mal vor unser Tor und macht das Ding rein, und wir brauchen 1000 Torchancen", schimpfte der 23-Jährige. Und ergänzte: "Irgendetwas muss sich ändern, es wird jetzt auf jeden Fall ganz schwer für uns."

Von Finke waren stattdessen nur Durchhalteparolen zu hören. Es brauche Zeit, um so auftreten zu können wie der Gegner, erklärte der seit dem 1. Juli 1991 in Freiburg tätige 58-Jährige. "Das ist eine Arbeit, die dauert. Das geht nicht von heute auf morgen." Die Mannschaft müsse nun "möglichst schnell ins Mittelfeld" kommen. Allerdings droht bei einer weiteren Niederlage am Sonntag bei der TuS Koblenz zur Winterpause der Sturz auf die Abstiegsplätze.

Der KSC präsentierte sich im Derby dagegen wieder als Spitzenteam, nachdem er zuvor beim 0:1 gegen Erzgebirge Aue die erste Saison- Niederlage kassiert hatte. "Wir haben uns eindrucksvoll zurückgemeldet. 38 Punkte sind jetzt unser Ziel für die Winterpause", verkündete forsch Mittelfeldspieler Giovanni Federico, der in der 72. Minute zum 0:3 traf. Die weiteren Tore für die Nordbadener, die ihre Aufstiegs-Ambitionen eindrucksvoll untermauerten, erzielten Edmond Kapllani (31.) und Timo Staffeldt (64.). Freiburgs Wilfried Sanou traf überdies mit einem Eigentor zum Endstand (89.). (Von Uwe Rogowski, dpa)

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