2. Bundesliga : Plant Daum den Rückzug?

Christoph Daum nährt mit seiner Auszeit weiter Spekulationen um einen vorzeitigen Abschied vom Zweitligisten 1.FC Köln. Das Präsidium erwartet eine "zeitnahe Entscheidung".

Köln/Düsseldorf - "Ich werde jetzt zwei, drei Tage frei nehmen", kündigte der 53-Jährige nach der 0:2-Pleite am Sonntag gegen die SpVgg Greuther Fürth frustriert und deprimiert an. Er fühle sich von den negativen Dingen der kläglich am Aufstieg gescheiterten Mannschaft so angesteckt, "dass ich erst einmal die Emotionalität heraus bekommen will".

Nach der dritten Niederlage nacheinander macht Daum Druck. Er will mit dem Präsidium "ganz wichtige Diskussionen führen". Heute hat er bei einer gemeinsamen Dienstreise mit Manager Michael Meier die Gelegenheit dazu. Vereinschef Wolfgang Overath hielt sich bedeckt: "Ich möchte im Moment dazu nichts sagen", sagte der Weltmeister von 1974. Doch am Geißbockheim ist Klarheit gefordert: "Wir wollen als Verein eine zeitnahe Entscheidung", sagte FC-Sprecher Christopher Lymberopoulos. Daum könne in Ruhe über alles nachdenken, aber ein Votum solle es noch diese Woche geben.

"Enttäuschenste Phase meiner Tätigkeit"

Daum zog eine niederschmetternde Bilanz. "Hier hätte man die besten Trainer der Welt holen können, Rafael Benitez, José Mourinho als Assistent, Arsène Wenger oder Ottmar Hitzfeld als Berater - die Ergebnisse wären nicht viel anders", hielt er seinen Profis vor, ohne sich nach nur sechs Siegen in 17 Liga-Partien von der Kritik auszunehmen. Auch die Bewertung der Leistung des Trainers stehe auf dem Prüfstand. Daum: "Wir brauchen nichts zu beschönigen. Es fehlt im entscheidenden Bereich."

Wo genau dieser liegt, ließ der im November als Kölner "Messias" verpflichtete Daum offen. Doch aus seiner emotionalen Verfassung macht er keinen Hehl. "Das ist die schwierigste und enttäuschendste Phase meiner 22-jährigen Cheftrainer-Tätigkeit", teilte er mit. Dabei hatte er von Präsidium und Management nach seinem spektakulären Amtsantritt freie Hand und viel Geld für neue Spieler bekommen - ohne jeglichen Fortschritt. Zur neuen Saison sollen, sofern Daum zu seinem Vertrag steht, ein Dutzend Kontrakte gelöst und etwa sieben neue Spieler geholt werden.

Bleibt Daum in der 2. Liga? Anerkennend gratulierte Daum am Sonntag aus der Ferne seinem Kollegen Edmund Becker zur Rückkehr des Karlsruher SC in die Bundesliga. "Das ist eine homogene Mannschaft", sagte er mit neidvollem Unterton. Ihm obliegt es nun, in Köln ein Team zu formen, das in der neuen Saison aufsteigt. Denn eine dritte Spielzeit als Zweitliga-Coach ist für Daum unvorstellbar - wenn es überhaupt zur zweiten kommt. (tso/dpa)

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