Sport : 20 Minuten Neuanfang

Jürgen Klinsmann stimmt die Nationalspieler auf das Projekt WM 2006 ein

Michael Rosentritt[Wien]

Die Begegnung mit der Vergangenheit des deutschen Fußballs dauerte vier Sekunden, dann hatte Jürgen Klinsmann sich aus der Umarmung Gerhard Mayer-Vorfelders gelöst. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wartete am Eingang eines Wiener Hotels auf den Bundestrainer. „Viel Glück“, sagte Mayer-Vorfelder – und dann nichts mehr. Klinsmann hastete durch die Lobby und verkündete die seine und damit die neue deutsche Fußballphilosophie: „Unser Spiel soll aggressiv und nach vorn gerichtet sein.“

Diesen Satz wiederholte der Bundestrainer vor dem Länderspiel heute in Wien gegen Österreich so oft wie einer, der auf die Macht weniger Worte setzt. Mit „positiver Energie“ will Klinsmann seine Mannschaft impfen, eine Mannschaft, die in zwei Jahren die Weltmeisterschaft im eigenen Land gefälligst zu gewinnen hat. Diesem Ziel sei alles untergeordnet. Mit dem Spiel gegen Österreich startet das Projekt 2006. „Wir treten in eine Phase ein, die sich in den Köpfen festsetzen soll“, sagte Klinsmann und redete vom „mentalen Grundgedanken 2006“.

Klinsmanns erste Ansprache an die Mannschaft dauerte 20 Minuten. Tiefere Einblicke in seine Philosophie gestattete er nicht. Klinsmann und sein Assistent Joachim Löw hätten bewusst darauf verzichtet, die Spieler „mit acht oder zehn Eckpunkten zu überfrachten“. Auf dem Rasen soll das so aussehen, „dass wir den Gegner unter Druck setzen und dass sich die Mannschaftsteile so unterstützen, dass alles ineinander fließt. Ich will eine neue Atmosphäre, eine neue Einstellung und eine Willensbelebung erzeugen.“

Ein erstes großes Zeichen setzte er am Montag, als er Michael Ballack zum Kapitän ernannte. Die kleinen Signale, „die ich bewusst setze“, betreffen die Abläufe rund um das Nationalteam. So wird beim Mannschaftsessen keine Delegation des DFB mehr dabei sein. „Die Mannschaft soll sehen, dass es nur noch um sie geht“, sagte Klinsman. „Sie ist es, die spielt, und nur sie schießt die Tore.“

Ob die Mannschaft allein dadurch besser Fußball spielen wird, das mochte der neue Bundestrainer nicht versprechen. „Aber jeder soll sehen, dass eine neue Ära begonnen hat.“ Fehler werde die Mannschaft machen, „und ich bestimmt auch“, sagt Klinsmann. Dass seine Mannschaft bis auf ganz wenige Ausnahmen jene ist, die bei der Europameisterschaft gescheitert ist, begreift er als Chance. In der Art eines geschickten Verkäufers einer nicht besonders guten Ware sagt Klinsmann: „Ich kann nicht nach hinten schauen und will das auch gar nicht. Und so geht es den Spielern ganz bestimmt auch.“

Heute im Fernsehen:

Österreich – Deutschland,

live in der ARD.

SPIELBEGINN 20.45 Uhr

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