Sport : 20 Punkte für einen neuen Vertrag

Albas Aufbauspieler Mithat Demirel entscheidet beim 101:88 gegen Braunschweig das Basketball-Spitzenspiel

Benedikt Voigt

Berlin. Mithat Demirel streckte seine rechte Hand in DeJuan Collins’ Richtung. Der Aufbauspieler von Alba Berlin wollte, als er in der ersten Halbzeit auf das Parkett der Max-Schmeling-Halle ging, seinen Mannschaftskameraden abklatschen. So wie es Basketballer in einem Spiel unzählige Male tun. Doch DeJuan Collins würdigte die Hand des Mitspielers keines Blickes, sondern schlürfte reaktionslos zur Auswechselbank. Demirel war sauer. „Ich verstehe nicht, dass man so etwas machen muss“, sagte der deutsche Nationalspieler, „aber vielleicht war er wegen irgendetwas verärgert.“ Falls nicht, benötigt das Verhältnis der beiden Alba-Spieler wohl einer Klärung.

Zuletzt hatte Mithat Demirel in Interviews geäußert, dass er sich in der kommenden Saison mit der aktuellen Rolle als zweiter Aufbauspieler bei Alba Berlin wahrscheinlich nicht mehr zufrieden geben wolle. „Ich bin nicht mehr 20 Jahre alt, ich muss nicht mehr 10 Minuten hinter jemandem spielen.“ Bei dem begeisternden 101:88 (38:50)-Erfolg der Berliner über TXU Braunschweig lieferte der 24-Jährige noch einige Argumente für die Vertragsverhandlung im Sommer nach. In 23 Minuten erzielte der 1,80 Meter große Spielmacher 20 Punkte und gab sechs Assists. „Ich war mit seiner Organisation sehr zufrieden“, sagte Trainer Emir Mutapcic. Vor allem im letzten Viertel, in dem Alba das Spiel wendete (40:18), dominierte Demirel gemeinsam mit Jovo Stanojevic vor 6093 Zuschauern das Bundesliga-Spitzenspiel.

Stanojevic kam auf insgesamt 19 Punkte, wovon er 17 in der zweiten Halbzeit erzielte. Mutapcic hatte ihn wegen seiner Knieverletzung im ersten Durchgang nur drei Minuten eingesetzt. Danach aber zeigte der Jugoslawe, wie wichtig er für Alba ist. „Wir haben keine Antwort gegen ihn gefunden“, sagte Braunschweigs Trainer Ken Scalabroni, „meinetwegen kann er verletzt bleiben.“ Auch Zugang Vladimir Petrovic bot eine starke Leistung. In seinem zweiten Spiel für Alba erzielte er 15 Punkte und begeisterte die Alba-Fans mit einem kraftvollen Dunking in der ersten Halbzeit. Petrovic scheint auch noch nicht von der Freiwurfschwäche seiner Kameraden infiziert. Gegen Braunschweig traf er sieben von sieben Freiwürfen.

Aufbauspieler Demirel erhielt auch deshalb so viel Spielzeit in der entscheidenden zweiten Halbzeit, weil DeJuan Collins zu Beginn des dritten Viertels mit einer Fußverletzung ausscheiden musste. „Er wollte noch spielen, aber ich habe mich dagegen entschieden“, sagte Trainer Emir Mutapcic. Eine Diskussion über die Reihenfolge seiner beiden Aufbauspieler möchte er nicht eröffnen. „Es gibt in Europa viele Vereine mit zwei Aufbauspielern, Maccabi Tel Aviv hat sogar drei.“ Das Spiel gegen Braunschweig bestärkt den Trainer in seiner Auffassung, die Spielzeit auf alle Spieler zu verteilen. Weil Alba elf Spieler einsetzte, besaß der Deutsche Meister im letzten Viertel mehr Kraft. Während Braunschweig das attraktivere Mannschaftsspiel zeigte, gewann Alba, das nun in der Tabelle punktgleich mit Tabellenführer Bonn ist, das Spiel über den Kampf. Ähnliches hat sich auch Mithat Demirel vorgenommen. „Ich versuche mich weiter im Training anzubieten.“

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