Sport : 200 Meter-Lauf: Den Olymp gestürmt

Vier Jahre vor den Olympischen Spielen in Athen stürmte der Sprinter Konstantinos Kenteris in die Herzen Griechen. "Ich wusste, dass ich ein Chance habe", sagte der 27-Jährige nach seinem Triumph über 200 Meter. In 20,09 Sekunden erteilte der Sportlehrer am Donnerstag seiner Konkurrenz eine Lektion, die dem Zweitplatzierten Darren Campbell (Großbritannien) Tränen in die Augen trieb und den Favoriten Ato Boldon (Trinidad) als Dritten umwarf. Kenteris, der als 23. der Weltbestenliste nach Sydney gekommen war, ist der erste Leichtathletik-Olympiasieger für das Heimatland der Olympischen Bewegung seit 1912. Nicht überrascht von dem Triumph zeigte sich Griechenlands Sportminister George Floridis: "Dieses Gold ist keine Überraschung. Es zeigt nur, dass wir für die Heimspiele in Athen 2004 alles tun, um gut zu sein."

"Ich war gekommen, um zu gewinnen. Ich habe gewusst, dass die anderen auch nicht besser sind als ich", sagte Kenteris nach dem Rennen. Vor dem Endlauf hatte er noch erklärt: "Ich erwarte nichts." Diese Vorsicht hatte ihren Grund wohl darin, dass das einst große Talent früh erfahren musste, wie schnell sich im Sport alles ändern kann. Bei der Universiade 1993 zog sich der eigentlich auf die Stadionrunde spezialisierte Hunde-Fan eine Achillessehnenverletzung zu.

Bei der Weltmeisterschaft im Vorjahr hatte er die Begegnung, die ihn für Olympia motivierte. Kenteris traf mit 100-Meter-Weltrekordler Maurice Greene (USA) zusammen und stellte fest: "Vor dem brauche ich keine Angst zu haben." Greene fehlte unter seinen Gegnern am Donnerstag: Der Sprint-Olympiasieger war schon bei den US-Trials verletzt auf der Strecke geblieben. Unter Anleitung von Kristos Tzekos, der auch die 100-Meter-Zweite Ekaterini Thanou trainiert, ging Kenteris zielstrebig Sydney an. Kentiris verbesserte in diesem Jahr bis hin zum olympischen Endlauf fünf Mal den griechischen Rekord.

Es war in der Tat eine wahrhaft historische Tat für das Geburtsland Olympias. Das letzte Leichtathletik-Gold für Griechenland hatte es 1992 bei den Spielen in Barcelona gegeben. Über 100 m Hürden gewann damals, nicht weniger sensationell, eine nicht weniger unbekannte Frau: Paraskevi Patoulidou. Der letzte Leichathletik-Sieg bei Olympia für einen griechischen Mann dagegen liegt so lange zurück, dass er längst vergessen ist: 1912 in Stockholm gewann Konstantin Tsiklitiras - den Standweitsprung.

Weil Gold so selten ist in Griechenland, wird dafür ordentlich bezahlt. Stolze 380 000 Mark gibt es als Prämie - Turnlehrer Kenteris ist seit Donnerstagabend ein gemachter Mann. Unterricht wird er wohl nicht mehr geben müssen. Mit der Goldmedaille dürfte der 200-Meter-Sprinter ausgesorgt haben. Zudem wird der neue Nationalheld wie alle Olympiasieger zusätzlich einen Job bei der Armee oder im öffentlichen Dienst bekommen - auf Lebenszeit.

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