• 2000 Meter Weltrekordler El Guerrouj weist dem Istaf den goldenen Mittelweg zwischen Olympia und Golden League

Sport : 2000 Meter Weltrekordler El Guerrouj weist dem Istaf den goldenen Mittelweg zwischen Olympia und Golden League

Ernst Podeswa

Was tut man einen Tag nach einem glanzvollen Auftritt bei einem Leichtathletik-Großereignis wie dem 58. Istaf, der Schlußstation in der Golden-League-Kette? Die Antwort von Langstrecklerin Gabriela Szabo (Rumänien), neben Wilson Kipketer (Kenia) Jackpotgewinnerin von einer halben Million Dollar, und Sprintkönig Maurice Greeene (USA), am Dienstagabend im Olympiastadion Schnellster über 200 m und mit der Staffel, war nahezu identisch: "Relaxen. Kraft schöpfen für das Grand-Prix-Finale am Wochenende." Und weil jenes nicht weit weg ist, an der Isar in München, hatten die Stars, Weltmeisterin über 5000 m die eine, Dreifach-Champion im Sprint der andere, Zeit für die Istaf-Bilanzkonferenz mit den Medien.

Ähnlich war bei beiden auch die Bewertung des Ereignisses wenige Stunden zuvor im Olympiastadion von 1936, dessen Umbau und Modernisierung beschlossene Sache ist: Nach einer langen Saison seien sie müde gewesen, hätten sich aber von der guten Stimmung inspirieren lassen. Interessant - vor allem auch in Richtung der Verantwortlichen - ihre Auskünfte zu den Ambitionen für die auf acht oder neun Stationen (1999 sieben) erweiterte Golden League im kommenden Jahr. "Der Start bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney hat für mich absolut Vorrang. Sieben oder mehr harte Rennen davor bei der Golden League kommen für mich nicht in Frage", so die zierliche Rumänin. "Olympia ist natürlich das Wichtigste im kommenden Jahr. Ich werde mit meinem Trainer absprechen, wie unser Wettkampfprogramm am Besten darauf zugeschnitten wird", so Greene. Wie dieses Duo, denkt ein Großteil der Weltelite. Und nur die ist bekanntlich beim Unternehmen Golden League startberechtigt. Man darf gespannt sein, welchen goldenen Mittelweg zwischen Golden League und Olympia die Organisatoren samt Auftraggeber IAAF den Topstars offerieren.

So gut wie fix soll sein, dass 2000 das Istaf am 1. September in "einem Stadion mit 50 000 Plätzen" (so Meetingdirektor Rudi Thiel) über die Bühne gehen wird. Der nimmermüde Leichtathletik-Botschafter glaubt, dass die Schlussetappe der Golden League auch 2000 einen günstigen Termin habe: "Das ist genau drei Wochen vor Beginn der olympischen Wettbewerbe in Sydney. Da absolvieren viele nochmals einen letzten Leistungstest." Angesichts der Aussagen von Szabo/Greene eher eine sehr optimistische Erwartungshaltung.

Die hatte Thiel auch für das zurückliegende Stadionfest stets vermittelt. Unterm Strich heraus kam ein Sportfest auf hohem Standard, aber wohl kaum eine Verbesserung des sechsten Ranges im Leistungsvergleich der Golden-League-Gastgeber. Zum Glück für das Istaf-Image und für die medienübergreifenden Kurznachrichten kam der 2000-m-Weltrekord des 1500-m-Weltmeisters Hicham El Guerrouj zustande. Mit 4:44,79 Minuten entthronte der marokkanische Wunderläufer den Algerier Noureddine Morceli um rund drei Sekunden. Aber die 2000 m sind eine Nebenstrecke, auf die Veranstalter eher in Notfällen zurückgreifen.

"Diese Zeit hatte ich erwartet", sagte Hicham El Guerrouj, der sich das Istaf für diesen Rekordlauf ausgesucht hatte, "weil das Olympiastadion eine Arena mit großer Geschichte ist und das Publikum toll ist". El Guerrouj hat nun alle seine Saisonziele erreicht: Er wollte die Rekorde über die Meile und die 2000 m brechen sowie Weltmeister werden. "Im nächsten Jahr konzentriere ich mich auf die 1500 m und die Meile, und das wichtigste ist, bei Olympia zu gewinnen", sagte der 24-Jährige, der sich erst im Jahr danach seinem nächsten Ziel widmet. Dann möchte der Marokkaner auch die Weltrekorde von 3000 bis 5000 m brechen.

Herausragend auch der Stabhochsprung und das Diskuswerfen der Männer sowie der 5000-m-Lauf der Frauen, die im Schnitt der ersten Drei bessere Leistungen als bei den Weltmeisterschaften boten. Der Marokkaner Ali Ezzine, der über 3000 m Hindernis den Weltrekordler Bernard Barmasai besiegte und damit dessen geringe Jackpothoffnungen erstickte, gelang mit 8:06,70 Minuten Istaf-und Landesrekord. Nationale Bestmarken erreichten Irina Mikitenko (Frankfurt/14:42,03) über 5000 m ebenso wie die Französin Fatima Maama-Yvelain und der Portugiese Rui Silva über 2000 m. Mikitenko, die sich erst in dieser Saison auf die Bahnstrecken konzentriert, nachdem früher Straßenrennen für sie Priorität hatten, verbesserte den deutschen Rekord in dieser Saison bereits zum dritten Mal. Noch im letzten Jahr stand ihre Bestleitung über 5000 m bei 15:18,86 Minuten.

Doch in den Sprints, über die Hürden und in den restlichen Sprüngen war die Müdigkeit der Akteure unverkennbar. Mit Jones, Johnson, Gebrselassie und anderen fehlten wichtige Publikumsmagneten. Auch die angestrebte Zuschauerresonanz von 50 000 wurde mit etwas mehr als 40 000 nicht erreicht. "Das ist der harte Kern von Fans", vermutet Istaf-Pressesprecher Christian Fürstenwerth und dürfte richtig liegen.

Das Medienecho allerdings war bei rund 450 Kollegen (43 TV-Stationen) fast schon ausufernd. Und wenn IAAF-Boss Primo Nebiolo die Golden League zumindest in Europa jedem Fernsehzuschauer zugänglich macht, dann dürfte die Erfolgsstory Golden League an Dynamik gewinnen.

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