Sport : „2005 greifen wir mit zwei, drei Superstars an“

Uli Hoeneß über die triste Gegenwart und glanzvolle Zukunft des FC Bayern München

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Herr Hoeneß, wie gefällt Ihnen Fußball am Freitagabend?

Ich bin ein Freund des Freitags. Klubs wie Dortmund, Bochum, Kaiserslautern und Bremen haben Freitag immer gerne gespielt, und die Bude war voll. Fußball am Freitag ist mehr Lebensqualität für alle. Sonntags macht man doch oft andere Dinge mit der Familie.

Ihr Fernsehpartner Premiere ist sehr am Freitag interessiert. Vielleicht kommt es sogar zu einer weiter reichenden Kooperation. Wie gefällt Ihnen denn der Name Premiere-Bundesliga?

Das ist zwar in der Diskussion, aber ich glaube nicht, dass es dazu kommt. Die ARD würde wohl kaum eine Premiere-Bundesliga übertragen.

Ein Namenssponsor könnte eine Möglichkeit sein, eine für die Klubs befriedigende Summe für die Fernsehrechte zu bekommen.

Wir werden auch so mit dem Fernsehen einen guten Abschluss hinkriegen. Ich bin überzeugt, wir bekommen mehr als die 290 Millionen Euro, die wir jetzt bekommen. Es wird eine drei davor stehen, ohne Sponsorennamen, der vielleicht Schaden anrichtet.

Und die Berichte über finanzielle Engpässe der Klubs?

Wir sind mit unserem Lizenzierungsmodell weit vorne in Europa und, verglichen mit anderen Ländern, Waisenknaben. Die Probleme in Deutschland werden sich lösen, wenn der Druck aus dem Ausland mit den hohen Gehältern sich löst. Die DFL hatte Probleme mit der Kirch-Krise, auf die war sie nicht vorbereitet und hatte aus gutem Grund deshalb gewisse Probleme. Jetzt hat die DFL gute Chancen, sich zu profilieren, da Infront die Option im TV- Vertrag nicht wahrgenommen hat.

Und der FC Bayern wird bei der neuen DFL eine gewichtige Rolle spielen…

Wir haben Bereitschaft signalisiert mitzuarbeiten, unter der Voraussetzung, wir werden in den Aufsichtsrat gewählt.

Haben Sie Zweifel?

Bei geheimer Abstimmung kann man sich nie sicher sein. Da will vielleicht einer einem vermeintlich Großen eins auswischen. Wir werden keine Kampfabstimmung mitmachen. Ich glaube, es wäre besser, wenn der FC Bayern nicht länger nur Beobachter wäre. Die Narben nach der Aufregung um unseren Kirch-Vertrag sind fast verheilt.

Auch das Verhältnis zu Ihrem alten Rivalen Borussia Dortmund hat sich normalisiert. Der Dortmunder Manager Michael Meier bestätigte Verhandlungen des FC Bayern mit Borussia Dortmund wegen eines Wechsels des Brasilainers Dedé.

Von Verhandlungen war bis jetzt nicht die Rede. Wir haben uns mal erkundigt und gefragt, ob der Spieler zu haben ist, das aber ist bis jetzt noch nicht klar.

Neue Spieler könnten Sie doch vertragen – es läuft nicht rund beim FC Bayern. Dennoch waren Sie erstaunlich ruhig in den letzen Wochen.

Diese Zurückhaltung ist grundsätzliche Politik des FC Bayern. Dieser Politik verdanken wir unseren Stellenwert, und der war nie besser als heute. Es hat sich herumgesprochen, bei uns wird pünktlich bezahlt. Anders als bei Lazio oder dem AS Rom.

Die Topstars dort würden Sie doch nie nach München locken können.

Das ist ja lächerlich. Jeden würden wir bekommen, wenn wir bezahlen. Aber wir machen keine verrücken Sachen. 15 bis 20 Millionen Euro ist der Rahmen. Die meisten dort aber haben Vorstellungen, die wir aus gutem Grund nicht erfüllen. 2005, wenn das neue Stadion fertig ist, werden wir mit zwei, drei Superstars angreifen.

Sie sprechen vom Glanz von morgen. Die Gegenwart sieht anders aus. Im Achtelfinale der Champions League werden Ihnen gegen Real Madrid nur geringe Chancen eingeräumt.

Wir sind totaler Außenseiter. So eine Situation hatte der FC Bayern die letzten zehn Jahre nicht. Aber genau das ist die Idealsituation. Wenn wir gewinnen, ist es Wahnsinn, wenn wir ausscheiden, sagt jeder, na, gegen diese Mannschaft… Wir können nun mal mit unserem Finanzrahmen mit solchen Vereinen nicht mithalten, weil wir nicht diese Schulden machen wollen.

Nach dem 0:1 in Bochum werden die Real-Stars nicht viel Respekt vor dem FC Bayern haben.

Das ist verständlich, die halten sich für die Weltbesten und sind das wohl auch. Ein Ausscheiden wäre kein Beinbruch.

Ein Jahr ohne Titel, das klingt nach Ärger…

Solange wir die Qualifikation für die Champions League erreichen, ist das kein Problem.

Und wer wird Deutscher Meister?

Die Bremer sind gefährlich, weil die einen Lauf haben.

Das Gespräch führte Oliver Trust.

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