Sport : 2007 wohl keine Formel 1 in Hockenheim

Kurs will sich künftig mit Nürburgring abwechseln

Christian Hönicke

Berlin - Hartmut Tesseraux ist guter Dinge. Der Sprecher des Hockenheimrings ist hocherfreut, dass Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher ausgerechnet vor dem Großen Preis von Deutschland die Fans wieder mit Siegen lockt. „Die Telefone standen nicht mehr still, der Vorverkauf hat gewaltig angezogen“, sagt Tesseraux. „Wir hoffen, dass Schumacher am Samstag ein gutes Qualifying fährt und der Ticketabsatz nochmal zulegt.“ Dann wird Tesseraux beinahe euphorisch: „Vielleicht schaffen wir es ja sogar, mal keinen Verlust zu machen.“ Allein: Wirklich glauben mag er daran nicht.

Es wird wohl an diesem Wochenende sein wie in den vergangenen Jahren auch: Die Formel 1 wird ein großes Loch in die Kasse der Hockenheimring GmbH reißen. Die steigenden Gebühren, die Formel-1- Chef Bernie Ecclestone von den Veranstaltern verlangt, lassen sich bei stagnierendem Zuschauerinteresse nicht mehr refinanzieren. So reifte der Plan zur nachbarschaftlichen Selbsthilfe: Ab dem kommenden Jahr wird wohl nur noch ein Grand Prix in Deutschland ausgetragen. Dann wollen sich die beiden Rennstrecken jährlich abwechseln, und der Nürburgring soll den Anfang machen. „Wir sind uns grundsätzlich einig, dass wir alternieren“, erklärt Walter Kafitz, der Geschäftsführer des Nürburgrings. Und Tesseraux bestätigt: „Wir gehen davon aus, dass es 2007 hier kein Rennen gibt.“ Der Gedanke hinter dieser Hoffnung ist einfach: Kein Grand Prix, keine Verluste.

Eigentlich hat der Hockenheimring noch bis 2008 ein vertraglich zugesichertes Anrecht auf einen jährlichen Grand Prix, der Nürburgring gar bis 2009. Doch die Rennstrecken sehen sich außerstande, dieses Recht in Anspruch zu nehmen, ohne in existenzielle Schwierigkeiten zu geraten. In den beiden vergangenen Jahren konnten die Tribünen auf dem Nürburgring nur durch die großzügige Vergabe von Freikarten an Schulklassen gefüllt werden. „Wenn man diese Verluste nur noch alle zwei Jahre hat, relativieren sie sich“, sagt Walter Kafitz.

Am Wochenende soll Bernie Ecclestones Zustimmung zu dem Vorhaben gewonnen werden. Große Einwände vom Formel-1-Chef sind nicht zu erwarten. „Er begrüßt das“, sagt Tesseraux. In der Tat hat Ecclestone schon mehrmals erklärt, dass zwei Formel-1-Rennen in einem Land ein unzeitgemäßer Luxus seien. Der Brite kann den frei werdenden Termin gut gebrauchen – vor allem dazu, sein Unternehmen in bislang vernachlässigte Märkte auf anderen Kontinenten auszudehnen. Südkorea und Mexiko hat er als nächstes ins Auge gefasst, außerdem soll ab der kommenden Saison wieder ein Rennen in Spa-Francorchamps (Belgien) ausgetragen werden. Im Wesentlichen geht es nur noch um die Laufzeit des neuen Wechselspiels in Deutschland. „Das werden wohl entweder fünf Jahre oder zehn Jahre ab 2007 sein“, sagt Hartmut Tesseraux.

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