Sport : 22 Freunde sollt ihr sein

Leverkusener und Dortmunder versöhnen sich

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Von Richard Leipold

Dortmund. Guten Tag, Matthias, gratuliere dir. Grüß dich, Klaus, Glückwunsch auch. So oder ähnlich könnte der Smalltalk klingen, wenn die Trainer Matthias Sammer und Klaus Toppmöller sich begegnen – wie etwa an diesem Samstag in der Bayarena. Da wird der Meisterschaftszweite der vergangenen Saison, Bayer Leverkusen, den Titelverteidiger Borussia Dortmund herausfordern. Guten Tag und guten Weg – viel mehr haben die beiden Cheftrainer sich nicht zu sagen.

Das schwierige Verhältnis zweier Trainergrößen, die sich nicht mögen, könnte aus aktuellem Anlass die Frage aufwerfen: Wer muss wen zuerst grüßen? Toppmöller den Dortmunder Meistermacher oder Sammer den Trainer des Jahres aus Leverkusen? Überliefert ist nur, dass sie einander zum jeweiligen Titel beglückwünscht haben.

„Der Respekt gebietet es, Klaus Toppmöller zu seiner Wahl zu gratulieren“, sagt Sammer – nicht ohne hinzuzufügen, dass ihm, dem Zweiplatzierten, nicht viel daran gelegen habe zu gewinnen. „Für mich wäre der Trainer-des-Jahres-Titel zu früh gekommen“, sagt der Sachse, „es war schon in meiner Fußballerlaufbahn so, dass ich erst einiges erreichen musste, bis ich einen Titel verdient hatte.“

Wer Böses dabei denkt. . .

Man könnte annehmen – wenn man denn Böses dabei denken will –, Sammer halte auch Toppmöllers Ehrung für verfrüht. Was dem Dortmunder schon in seinem zweiten Jahr als Cheftrainer mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft gelang, blieb Toppmöller, der viel länger im Geschäft ist, bislang verwehrt, obwohl Bayer Leverkusen vor einem Vierteljahr in drei Wettbewerben bis zum Schluss aussichtsreich um den Gesamtsieg gekämpft hatte. Dass andersherum Sammer schon mit 33 Jahren in einem Ensemble internationaler Klasse Regie führen durfte, hat Toppmöller nicht verstehen können oder wollen. An diesem Punkt beginnt die Vorgeschichte eines Wiedersehens, das den beiden nicht unbedingt Freude macht.

Vor dem letzten Spiel in der Bayarena hatte der Leverkusener Cheftrainer dem Dortmunder Cheftrainer vorgehalten, Sammer habe sich beim BVB „ins gemachte Nest gesetzt". Dagegen habe er, Toppmöller, sich jahrelang hochdienen müssen, ehe er in Bayer 04 Leverkusen einen adäquaten Arbeitgeber gefunden habe. Dann gab ein Wort das andere.

Immer wieder „Bye, bye Bayern“

Matthias Sammer reagierte nur ein einziges Mal auf diesen Anwurf und erinnerte daran, dass es Klaus Toppmöller schon zehn Jahre zuvor „nicht gut bekommen ist, sich in die Belange anderer Vereine einzumischen". Ein dezenter Hinweis auf Toppmöllers unvergessenen Frankfurter Ausspruch „Bye, bye Bayern".

Inzwischen hat der Leverkusener Übungsleiter zugegeben, dass er mit dem Wirbel, den er im Februar entfacht hatte, „Emotionen schüren wollte". Er habe gehofft, „dass die Dortmunder vielleicht ein bisschen nervös werden im Titelkampf". Die Hoffnung trog. Leverkusen gewann zwar den unmittelbaren Vergleich 4:0, am Ende wurde aber Bayer nervös, und Sammer triumphierte.

Toppmöller jedoch gratulierte seinem Widersacher bei einem Länderspiel in der Bayarena kurz nach dem Bundesligafinale zum Titel. „Von meiner Seite steht nichts mehr zwischen uns“, sagt er. Auch Sammer gibt sich diplomatisch. „Wir sind Fußballer durch und durch. Insofern haben wir eine Ebene, auf der wir uns verstehen.“ Ist es nun, da auch der Leverkusener seinen Titel hat, an der Zeit, einander um den Hals zu fallen? Hier und da ist das Gerücht einer Aussprache gestreut worden. Allein: Sie hat nicht stattgefunden. Aussprache? „Da wäre ich auch gern dabei gewesen“, sagt Sammer.

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