23 Goldmedaillen bei Olympia : Michael Phelps: Besser als Helden aus der Antike

Das Karriereende von Michael Phelps verlief standesgemäß: mit einer Goldmedaille. Über einen Sportler, der im Becken wieder Halt fand.

von
Die Goldmedaille hat Michael Phelps immer gut geschmeckt.
Die Goldmedaille hat Michael Phelps immer gut geschmeckt.Foto: REUTERS

Man würde ja gerne wissen, was Leonidas von Rhodos von der ganzen Angelegenheit hält. Nun ist Herr von Rhodos seit deutlich mehr als 2000 Jahren tot und kann nicht mehr gefragt werden. Bis vor ein paar Tagen war Leonidas trotzdem noch eine große Nummer im Sport, mit zwölf Einzelsiegen bei den Olympischen Spielen der Antike galt der Läufer als der erfolgreichste Individualathlet aller Zeiten.

Seit den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro hat der Grieche diesen Titel verloren, an Michael von Baltimore, Familienname Phelps. Leonidas sollte sich aber nicht allzu sehr grämen: In dem US-amerikanischen Schwimmer hat er einen würdigen Nachfolger gefunden. Und weiter davonziehen wird der 31-Jährige in der Statistik auch nicht mehr: Am Samstagabend beendete der größte Schwimmer und erfolgreichste Olympia-Teilnehmer der Geschichte seine Karriere.

Standesgemäß natürlich, mit dem Olympiasieg der US-Lagenstaffel, im letzten Rennen der Schwimmwettwerbe von Rio.

Nachdem er seine Staffelkollegen umarmt und die Glückwünsche der Konkurrenten entgegengenommen hatte, beugte sich Michael Phelps vornüber, die Hände auf die Knie gestützt. Als er sich wieder aufrichtete und ins Publikum winkte, liefen ihm Tränen übers Gesicht. Auch bei der Siegerehrung bekam er feuchte Augen, als einmal mehr für ihn das Lied vom „Star spangled banner“ gespielt wurde.

„Schon als ich die Halle gegangen bin, kam alles raus. Meine Gefühle kamen an die Oberfläche“, sagte Phelps. „Ich dachte einfach: Das war’s. Ich glaube aber, das ist eine gute Sache.“ Genau auf diese Weise habe er aufhören wollen: „Mit dem Gefühl, dass sich all die harte Arbeit gelohnt hat. Dass ich mich durch die schwierigen Zeiten gekämpft habe.“

Die unglaubliche Bilanz von Michael Phelps bleibt somit nach 63 olympischen Starts und einer zurückgelegten Strecke von 11,8 Kilometern in olympischen Schwimmbecken bei insgesamt 28 Medaillen stehen, 23 davon aus Gold. 13 seiner Olympiasiege hat er in Einzelrennen errungen – siehe Leonidas von Rhodos, oben – den Rest holte er mit US-Staffeln. Für Rio hatte Michael Phelps eigentlich vier Starts und vier Medaillen angekündigt, am Ende wurden es sechs und sechs, nur eine davon nicht aus Gold. Darüber hinaus stellte er in seiner Karriere 39 Weltrekorde auf.

Nach dem Rennen wurde Phelps gefragt, welche seiner fünf Olympischen Spiele am schönsten gewesen seien und welche Medaille aus welchem Rennen er am liebsten habe. „Ich weiß es nicht, ich habe keine Ahnung“, sagte er nachdenklich. „Vielleicht werde ich es nie wissen.“

Übergang in Leben außerhalb des Pools klappte nicht

Eigentlich hatte Phelps seine Karriere bereits nach den Spielen von London vor vier Jahren beendet. Der Übergang in das Leben abseits des Pools gelang ihm aber nicht. Er kämpfte mit dem Alkohol und mit psychischen Problemen. Der „Sports Illustrated“ sagte er später, damals habe er sich „an einem dunklen Ort“ befunden und nicht mehr leben wollen. Erst durch die Rückkehr zum Schwimmen und das Training bei Coach und Vaterfigur Bob Bowman fand er wieder Halt. Sorgen muss man sich um Michael Phelps wohl nicht mehr machen, in Rio wirkte er konzentriert und motiviert, aber entspannt.

Er ist mittlerweile auch Familienvater, seine Siege im Olympic Aquatic Center feierte er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen drei Monate alten Sohn Boomer. Trotz seiner zwischenzeitlichen Lebenskrise würde er nichts an seinem Leben ändern wollen, sagte Phelps, alles werde schon einen Grund gehabt haben. „Es geht mir so gut wie noch nie in meinem Leben“, sagte er. In Rio habe er sich endlich zeigen können, wie er wirklich sei, „das war vorher nie der Fall“.

Video
Schröpfen wie Michael Phelps
Schröpfen wie Michael Phelps

Schon am zweiten Tag der Spiele von Rio hatte Phelps der Schwimmwelt gezeigt, was von ihm bei seiner fünften Olympiateilnahme zu erwarten war: Er führte die 4 x 100 Meter Freistilstaffel der USA zu Gold. Das Publikum drehte völlig durch, als der Superstar überraschend zum Endlauf auftauchte: Spätestens in diesem Moment war klar, dass Phelps auch nach Rio mit dem Plan gekommen war, so viele Medaillen zu gewinnen wie möglich. Und sein Coach Bob Bowman, der ihn seit 20 Jahren betreut, hatte da so eine Ahnung, wie die Schwimm-Wettbewerbe weiter gehen könnten: „Wenn es bei Michael auf einer Strecke läuft, läuft es in der Regeln auf allen Strecken.“ Er sollte Recht behalten.

In zwei weiteren Staffeln sowie bei seinen Einzelstarts über 200 Meter Lagen und 200 Schmetterling war Phelps nicht zu schlagen, über 100 Meter Schmetterling gewann er Silber. Nur bei seinen ersten Olympischen Spielen hatte er es als 15-Jähriger nicht aufs Podest geschafft, seitdem hat er pro Olympia-Teilnahme im Schnitt sieben Medaillen nach Hause gebracht. Wäre Michael Phelps ein Land, stünde er im ewigen olympischen Medaillenspiegel auf Platz 38, knapp hinter Kenia und Brasilien und gleichauf mit Südafrika. Bowman sagte einen Schwimmer wie Michael Phelps werde es wohl in den nächsten zehn Generationen nicht wieder sehen.

Am Ende seiner langen Karrieren und eines langen Abends entschuldigte sich Michael Phelps dann, er müsse jetzt wirklich etwas essen. Sein Hunger auf Medaillen scheint aber tatsächlich ein für alle Mal gestillt zu sein.  

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar