24. Spieltag : Unrealistisch, aber wahr

Die Sensation ist perfekt: Energie Cottbus gewinnt durch zwei Tore von Branko Jelic verdient gegen eine harmlose Bayern-Mannschaft.

Lars Spannagel[Cottbus]
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Tag der Blamage: Bayern wird von Tabellen-Schlusslicht Cottbus vom Platz gefegt. -Foto: ddp

Erster gegen Letzter, Reich gegen Arm, Rekordmeister gegen Abstiegskandidat: Das Spiel Energie Cottbus gegen FC Bayern hatte viele eindeutige Vorzeichen, die im Nachhinein allesamt nichts wert waren. In einem mitreißenden Spiel besiegte Cottbus die Münchner verdient mit 2:0 und darf mit drei Punkten und neuem Selbstbewusstsein Hoffnung im Abstiegskampf schöpfen.

22 743 Zuschauer im erstmals in dieser Saison ausverkauften Stadion der Freundschaft wollten den ersten Sieg seit Mitte Dezember sehen. Dass dieser ausgerechnet gegen den Tabellenführer aus München gelingen sollte, schien nicht gerade realistisch. Einem Cottbuser 1:0 aus dem Jahr 2000 standen bis zum Sonnabend acht Niederlagen mit einer Tordifferenz von 2:26 Toren gegenüber. Energie-Trainer Bojan Prasnikar hatte trotzdem versucht, einen Hauch von Zuversicht beim Tabellenletzten zu verbreiten: „Im Fußball ist vieles möglich.“

Wie viel gegen den designierten Meister an diesem Nachmittag wirklich möglich sein sollte, hätte sich aber wohl selbst Optimist Prasnikar nicht träumen lassen. Cottbus begann konzentriert und engagiert, die Münchner schienen das belang- und lustlose Uefa-Cup-Rückspiel gegen den RSC Anderlecht vom vergangenen Mittwoch noch nicht aus den Köpfen bekommen zu haben. Dabei hatte Trainer Ottmar Hitzfeld zurück zu seiner Stammformation rotiert. Lediglich Martin Demichelis hatte in München bleiben müsse: Hitzfeld hatte den argentinischen Manndecker suspendiert, nachdem der sich geweigert hatte, im defensiven Mittelfeld aufzulaufen. Energie-Trainer Bojan Prasnikar musste auf den gesperrten Timo Rost verzichten.

Energie begann schwungvoll, von den 17 Tabellenplätzen und 33 Punkten Abstand zu den Bayern war nichts zu spüren. Schon nach drei Minuten lenkte Energie-Stürmer Branko Jelic eine flache Hereingabe mit der Hacke ans Außennetz – es sollte nicht die letzte auffällige Aktion des Serben sein. Die ersten Versuche des FC Bayern, Energie auszukombinieren, scheiterten an der guten Organisation und dem Engagement der Cottbuser. In der 18. Minute ließ Bastian Schweinsteiger Ervin Skela auf der rechten Seite flanken, Jelic tauchte zwischen Daniel van Buyten und Lucio auf und schob den Ball für alle Beteiligten überaus überraschend aus kurzer Distanz ins Tor.

Energie führte, die wütenden Gegenangriffe der Bayern, sie blieben aus.

Vor allem im Zusammenspiel fehlte dem deutschen Rekordmeister die Präzision, Freistoßchancen blieben ungenutzt. Franck Ribéry hatte – wie immer – Lust auf schnellen und direkten Fußball, seine Zuspiele trafen aber zumeist schnell und direkt ein Cottbuser Bein. So verdankten es die Münchner Luca Tonis Cleverness, dass sie nach einer knappen halben Stunde überhaupt einmal zu einer klaren Torchance kamen. Nach einer unübersichtlichen Situation im Strafraum nutzte der Italiener das Bein des auf dem Boden liegenden Ivan Radeljic als Einladung zu einem Stolperer, den Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer mit einem Elfmeter belohnte. Vor der tobenden Cottbuser Fankurve trat Franck Ribéry an, seinen scharfen Flachschuss fischte Torwart Gerhard Tremmel aber aus der rechten Ecke.

Sieben Minuten später versetzte Branko Jelic die Energie-Fans vollends in Ekstase. Nach einem gut getimten Pass von Stiven Rivic löste sich Jelic von seinem Bewacher, allein vor Oliver Kahn bewahrte er die Ruhe und schob den Ball am machtlosen Torwart vorbei zum 2:0 ins Netz. Auch nach dem zweiten Cottbuser Tor tat sich bei den Bayern spielerisch wenig, die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft stehend in die Pause.

Ottmar Hitzfeld brachte nach dem Wechsel Jose Ernesto Sosa und Marcell Jansen für Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, damit kam ein bisschen mehr Schwung ins Münchner Spiel – aber kaum nennenswerte Chancen. Wenig später schickte Hitzfeld auch Nationalstürmer Lukas Podolski für Christian Lell in die Partie, die sich zu einer Abwehrschlacht der Cottbuser entwickelt hatte. Den Bayern gelang nichts Sinnvolles mehr, Cottbus brachte den umjubelten Sieg über die Zeit.

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