24. Spieltag : Wenig Bewegung

Hertha BSC spielt schwach in Rostock und bleibt nach dem 0:0 auf dem elften Tabellenplatz.

Michael Rosentritt[Rostock]
hertha
Siegerlos. Herthas Skacel und der Rostocker Menga im Zweikampf. -Foto: dpa

Marko Pantelic hatte eine für ihn ungewöhnlich gute Sicht aufs Geschehen. Herthas erfolgreichster Stürmer stand nicht zugedeckt im gegnerischen Strafraum, sondern saß neben Herthas Manager Dieter Hoeneß auf der Tribüne des mit 22 500 Zuschauern gut besuchten Rostocker Stadions. Was er zu sehen bekam, kann dem verletzten Serben nicht gefallen haben. Er sah gestern ein ereignisarmes 0:0, das weder Hertha BSC noch dem FC Hansa Rostock hilft. Die Berliner bleiben zwar auch im sechsten Bundesligaspiel in Folge unbezwungen, aber das niveauarme Spiel an der Ostsee muss sich für sie wie eine Niederlage angefühlt haben.

„Wir wollten hier gewinnen, aber es hat unserem Spiel an der letzten Überzeugung gefehlt“, sagte Herthas Trainer Lucien Favre. Vor allem aber fehlte dem Spiel der Berliner ein echter Torjäger. Pantelic, mit elf Toren erfolgreichster Berliner, hatte mehrere Tage Probleme an der Wade gehabt, gestern dann stellte sich heraus, dass mit seinem Einsatz nicht zu rechnen ist. Zuletzt hatte er am 25. August 2007 beim Auswärtsspiel in Bielefeld in der Startformation gefehlt. Damals wie gestern spielte Solomon Okoronkwo für ihn, der aber im ersten Abschnitt bis auf einen Schuss an den Außenpfosten nach gut zwanzig Minuten wirkungslos blieb. Für den jungen Nigerianer brachte Favre nach dem Seitenwechsel den Brasilianer André Lima. „Unsere Stürmer haben es heute schwer gehabt auf diesem Platz“, sagte Herthas Verteidiger Steve von Bergen. Und auch Dieter Hoeneß monierte die Beschaffenheit des Untergrunds. „Da ist unser Trainingsplatz ja besser“, sagte der Manager. Allerdings wollte er diesen Umstand nicht als Entschuldigung gelten lassen: „Dann muss man eben noch präziser passen.“

In der Tat ließ das Kombinationsspiel der Berliner zu wünschen übrig. Die Rostocker, die sich mit den Gegebenheiten des Platzes auskennen, vermochten auch die personellen Umstellungen in ihrem Team etwas besser zu verkraften. Im Mittelfeld fehlten die beiden erfahrenen Spieler Christian Rahn und Stefan Beinlich, trotzdem gewannen die Rostocker mehr Zweikämpfe. Gleich zu Beginn hätte Hansa durch Victor Agali in Führung gehen können. Allerdings jagte der Stürmer den Ball in der dritten Minute aus Nahdistanz über das Tor. Die Berliner brauchten einige Zeit, um ins Spiel zu kommen. Den ersten Schuss aufs Rostocker Tor gab Raffael nach einer Viertelstunde ab. Hansas Torwart Stefan Wächter parierte im Nachfassen. Bessere Chancen erspielte sich die Mannschaft von Lucien Favre nicht. Zu lasch und unpräzise war ihr Offensivspiel gegen eine insgesamt harmlose Rostocker Mannschaft. Den einzigen Treffer erzielte der Rostocker Mannschaftskapitän Enrico Kern nach einer halben Stunde. Allerdings entschied Schiedsrichter Gagelmann auf Abseits, was ein Fehler war. „Ich ärgere mich maßlos“, sagte der Rostocker Trainer Frank Pagelsdorf hinterher. „Das ist jetzt das fünfte Mal in dieser Saison, dass eine wesentliche Entscheidung gegen uns ausgelegt wird.“

Wenn eine Mannschaft den Sieg gestern verdient gehabt hätte, dann wäre es der FC Hansa gewesen, der nicht viel schöner, aber engagierter spielte. Von Beginn an versuchte Hertha das Spiel schnell und direkt zu machen, was ihnen bis zur Strafraumgrenze einige Male gelang. Vor allem Patrick Ebert, der in der ersten Halbzeit schwach war, konnte sich nicht steigern. Nach siebzig Minuten holte ihn Favre vom Feld und brachte den Polen Lukasz Piszczek. Etwas später kam für Fabian Lustenberger der erfahrene Mineiro. Beide aber konnten dem weitgehend risikofreien Spiel der Berliner keine Impulse verleihen.

Auf der Gegenseite zogen die abschlussschwachen Rostocker keine Vorteile aus ihrer Feldüberlegenheit. Nach einer Stunde vergab Kern aus verheißungsvoller Position. Unbedrängt am Elfmeterpunkt stehend, drosch der Stürmer den Ball weit über das Tor. Die wohl beste Chance vergab zehn Minuten später der Rostocker Innenverteidiger Orestes, der nach einem Freistoß von Marc Stein auf das Tor der Berliner köpfte. Mit Mühe lenkte Torhüter Jaroslav Drobny den Ball zur Ecke. „Wir müssen das 0:0 akzeptieren“, sagte Favre vor der Abfahrt nach Berlin. Vermutlich war nicht nur Favre froh, dass auch der FC Hansa an diesem Tag keinen Torjäger wie Marko Pantelic hatte.

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