• 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring: Viele Ausfälle, Unfälle und Unterbrechungen
Update

24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring : Viele Ausfälle, Unfälle und Unterbrechungen

Das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring hat eine lange Geschichte und ist von jeher anspruchsvoll. Die Gefahr ist ein ständiger Begleiter, besonders in diesem Jahr.

von
Viel Regen auf dem Nürburgring beim 24h-Rennen
Viel Regen auf dem Nürburgring beim 24h-RennenFoto: dpa/Thomas Frey

Die Namen gehen runter wie Öl: Fuchsröhre, Schwalbenschwanz, Schwedenkreuz, Bergwerk, Karussell, Kesselchen, Hohe Acht oder Brünnchen. Berühmte Streckenabschnitte der 20,8 Kilometer langen Nordschleife, die sich durch die Eifelwälder rund um die Raubritterfestung Nürburg schlängelt. Mythos und pure PS-Poesie. Formel-1-Pilot Sir Jackie Stewart gab der 1927 eröffneten Strecke den Namen „Grüne Hölle“. Und seitdem wird eine der weltweit anspruchsvollsten Rennstrecken diesen Namen auch nicht mehr los. Das zieht die Fans magisch an: Mit 240.000 Zuschauern hat das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring einen neuen Zuschauerrekord – trotz Regen, Hagel, Gewitter und viel Matsch auf den Campingplätzen rund um die Nürburg.

Für viele Motorsportfans ist das größte Motorsportrennen der Welt zweimal rund um die Uhr der Höhepunkt in der Saison. Rund 160 Autos mit 576 Fahrern liefern sich seit dem Start am Sonnabend um 15.30 Uhr in gut 30 Klassen in der „Grünen Hölle“ ein Autorennen der Superlative: Mit 25,378 Kilometern sind Nordschleife plus Grand-Prix-Strecke die längste Rennpiste der Welt.

Schon eine Dreiviertelstunde nach dem Start rutschen wegen heftigen Regens ein gutes Dutzend Autos von der Strecke und prallen in die Leitplanke. Wegen starken Hagels können die Autos nicht weiterfahren. „Ich habe ja auf der Nordschleife schon eine Menge erlebt, aber Hagel ist auch für mich eine Premiere. Ich habe im Mai noch nie eine von Eis bedeckte Fahrbahn gesehen. Das ist unglaublich“, sagt BMW-Pilot Jörg Müller.

Das Rennen wird zunächst für 90 Minuten unterbrochen. Die Fans sind auf Unwetter vorbereitet und tragen Regenumhänge. Erst um 19.20 Uhr geht das Rennen weiter.
Die Piloten müssen zunächst drei Runden langsam hinter dem Safety Car fahren. Für Profis wie Jörg Bergmeister von Porsche sind so langsame Runden ungewöhnlich: Ihm war in seinem Porsche 911 GT3 R übel. Erst als 21 Uhr das Rennen ohne Safety Car wieder Fahrt aufnimmt, geht es Bergmeister wieder besser.

Das Wetter am Nürburgring hat sich über Nacht stabilisiert. Um 8 Uhr fallen wieder die ersten Regentropfen – und es werden erneut heftige Regenfälle und Gewitter prognostiziert. Die Mercedes-AMG-Teams führen das Feld deutlich an. Bei Audi wiederum sind die drei bestplatzierten Fahrzeuge ausgefallen. Um 9.25 Uhr wird auch der auf Platz drei bestplatzierte BMW M6 GT 3 unverschuldet durch einen Fahrfehler eines Amateurs in einen Unfall verwickelt und scheidet aus. BMW-Sportchef Jens Marquardt sagt: „Das ist die Höchststrafe. Aber so ist es beim 24.Stunden-Rennen.“ Porsche indes wartet auf schlechtes Wetter, denn die Boliden haben wegen ihres Antriebs dadurch einen deutlichen Vorteil auf der Strecke. Der Porsche 911 GT3 R hat sich von Position zwölf auf mittlerweile Position vier vorgekämpft. Aber noch ist das Rennen nicht beendet - um 10.30 Uhr scheidet auch der Porsche mit Motorschaden aus.

Seit Mitte der Woche sind die ersten Zuschauer am Nürburgring. Lagerfeuer, Zeltstädte, laute Musik und die Fahnen der Fangruppen machen eine einzigartige Festivalatmosphäre auf dem Ring aus. Bei kaum einem anderen Rennen kommen die Fans so nah an die Rennfahrer heran wie am Nürburgring. Erinnerungsfotos kurz vor Rennbeginn sind für die Fahrer kein Problem.

Die vier deutschen Hersteller Audi, BMW, Mercedes und Porsche treffen in der Eifel mit ihren neuen GT3-Boliden aufeinander: Vorjahressieger Audi mit den R8 LMS, Rekordsieger BMW mit den M6 GT3, Mercedes mit den AMG GT3 und Porsche mit den 911 GT3 R treten gegeneinander an. Fast 40 PS-starke GT3-Boliden stehen auf der Startliste. Aber auch Edelsportwagen von Aston Martin, Bentley, Lamborghini sowie Nissan oder Toyota werden den letztjährigen Audi R8-Sieger jagen.

Aufnahme vom Qualifikationsrennen zum 24h-Rennen auf dem Nürburgring Mitte April.
Aufnahme vom Qualifikationsrennen zum 24h-Rennen auf dem Nürburgring Mitte April.Foto: dpa

An den Start gehen am Nürburgring viele Spitzenfahrer. „Jeder Rennfahrer will dieses Rennen einmal gewinnen“, sagt Vorjahressieger Christopher Mies. Neben den Weltklassepiloten sind auch unzählige Privatfahrer dabei. Diese Leistungsunterschiede machen für viele den Reiz aus: Denn bei jedem Rennen auf dem „Mythos Nürburgring“ gibt es brenzlige Situationen zwischen Profis und Breitensportlern – und eben auch Unfälle.

„Jeder Rennfahrer will dieses Rennen einmal gewinnen"

Die Profis werden die Tachonadel weit jenseits der 200 Kilometer pro Stunde treiben. Geschwindigkeit ist ein heikler Punkt auf dem Nürburgring. Wer schon einmal die Nordschleife gefahren ist, weiß, wie gefährlich die Strecke sein kann, zumal wenn sie nass ist. Das hat vor dem Rennen auch Porsche gespürt: Schon in der Aufwärmrunde vor dem Qualifying raste Werksfahrer Kevin Estre auf feuchter Strecke mit dem 911 GT3 R in der Bergwerk-Kurve in die Leitplanke. „Das Auto wurde bis Samstagmorgen repariert“, sagte Porsche-Motorsportchef Frank-Steffen Walliser. Natürlich wolle Porsche um die vorderen Plätze kämpfen, „auch wenn wir ein bisschen Außenseiter sind“.

In diesem Jahr sind die Fahrer auch schneller auf der Nordschleife unterwegs, Tempolimits sind nach diversen Baumaßnahmen aufgehoben. Dieser Kurs, die 20,83 Kilometer lange Nordschleife hat unübersichtliche, nicht einsehbare Kurven, extrem starke Neigungen, Steigungen bis maximal 17 Prozent, Gefälle bis elf Prozent. Über einige Kuppen fliegt man blind drüber, und die Fahrbahnbeläge wechseln sich häufig ab. „Auf der Nordschleife wird man noch bestraft, wenn man einen Fehler macht“, sagt Porsche-Werksfahrer Jörg Bergmeister. Der Kurs zwischen der niedrigsten Stelle mit 320 Meter bis zur Hohen Acht, mit 616 Metern die höchste Stelle, erfordert Konzentration und fahrerisches Können. Nach dem tragischen Feuerunfall von Niki Lauda 1976 wurde die Nordschleife als zu unsicher für die Formel 1 eingestuft. So baute man 1984 den 5,1 Kilometer langen Grand-Prix-Kurs.

Der Nürburgring ist Mythos und zugleich wichtig für die Wirtschaft in der Region. Rettungsanker sollte das Projekt „Nürburgring 2009“ sein mit Hotels, Indoor-Erlebniswelt, Arena, Partymeile und Feriendorf. Die frühere SPD-Alleinregierung unter Ministerpräsident Kurt Beck hatte rund 330 Millionen Euro in den Ausbau der Rennstrecke und die Entwicklung des Areals gesteckt, um mehr Besucher anzulocken. Doch der Freizeitpark war überdimensioniert.Die fast komplett landeseigene Nürburgring GmbH musste 2012 Insolvenz anmelden. Zur Deckung des 330-Millionen-Euro-Kredits einer landeseigenen Förderbank floss Steuergeld. Das Land als Eigner verkaufte letztlich die ganze Anlage samt Rennstrecke. Seit Frühjahr 2016 hat die Capricorn Nürburgring GmbH mit Mirco Markfort einen neuen Geschäftsführer, der versucht, den Ring durch neue Events attraktiver zu machen.
Das 24-Stunden-Rennen ist auf jeden Fall das größte Ereignis in der Eifel – auch und gerade bei Regen.

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben