Sport : 26 Torschüsse und noch mehr Frust

Ein folgenschwerer Fehlpass bringt Bayer Leverkusen beim 2:3 gegen Borussia Dortmund um den Lohn.

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Freudlos und freudvoll. Während sich Leverkusens Torhüter Bernd Leno (l.) ärgert, jubelt Jakub Blaszczykowski über seinen Elfmetertreffer zum 0:2. Foto: dpa
Freudlos und freudvoll. Während sich Leverkusens Torhüter Bernd Leno (l.) ärgert, jubelt Jakub Blaszczykowski über seinen...Foto: dpa

Der Unglücklichste verzog sich als Erster ins Stadioninnere. Vor dem Gästeblock feierten die Spieler von Borussia Dortmund, als Philipp Wollscheid von Bayer Leverkusen mit ernster Miene bereits Rechenschaft ablegte über die entscheidende Szene im hochklassigen Duell der beiden Vizemeister-Kandidaten: Über seinen zu kurz geratenen Rückpass auf den eigenen Torhüter in der 64. Minute, den Borussen-Stürmer Robert Lewandowski zum 3:2-Endstand für Dortmund in einer vor allem nach der Pause spektakulären Partie nutzte. „Das war ein individueller Fehler, in Form von meiner Person“, erklärte Philipp Wollscheid etwas hölzern und fügte hinzu: „Die Mannschaft, die weniger Fehler gemacht hat, hat gewonnen.“

Gewonnen - und den Gegner vom zweiten Platz verdrängt. Zwölf Punkte hinter den vereinsamten Münchner Bayern und zwei Zähler vor Leverkusen hat sich der Meister nun eingereiht. Allerdings ließ sein Trainer dem dritten Sieg im dritten Rückrundenspiel spezielle Wertschätzung zukommen: „Hier werden nicht mehr viele Mannschaften gewinnen“, sagte Jürgen Klopp, „dass wir es geschafft haben, ist aller Ehren wert – und macht uns stolz.“ Die Partie zwischen dem zweit- und dem drittbesten Team im Land hatte ihm gefallen. „Wenn man Spitzenspiel draufschreibt und sieht, was heute in der Packung drin war, dann war das schon schwer in Ordnung“, sagte Klopp.

Nicht ganz so in Ordnung fanden die Leverkusener die Sekunden nach dem Dortmunder 3:2, als sich der adrenalingeschwängerte Klopp in etwas übertriebener Pose vor Bayers Teamchef Sami Hyypiä aufgebaut haben soll. Offiziell echauffieren wollte sich seitens der Rheinländer darüber aber niemand. Stattdessen grämten sie sich, in einem Spiel ohne Vorwärmphase nach neun Minuten bereits 0:2 zurückgelegen zu haben. Zunächst überlupfte der Dortmunder Marco Reus Bayer-Keeper Bernd Leno nach einem feinen Lewandowski-Zuspiel, sechs Minuten später verwandelte Jakub Blaszczykowski einen von Leno an Lewandowski verursachten Foulelfmeter zum 2:0.

„Danach war es für uns extrem schwer, doch was wir offensiv gespielt haben, war schon sehr gut, auch in der ersten Halbzeit schon“, betonte Bayer-Trainer Sascha Lewandowski. Und Kollege Klopp sagte: „Wir sind mit einem 2:0 in die Pause gegangen, aber es war vollkommen klar, dass diese Partie nicht im Ansatz entschieden ist.“

Das lag nicht zuletzt am Leverkusener Sidney Sam, der zur zweiten Hälfte für Simon Rolfes ins Spiel kam und sofort für viel Unruhe sorgte. Unmittelbar nach Wiederbeginn prüfte Sam den Dortmunder Torwart Mitchell Langerak, kurz darauf hatten die Bayer-Fans den Torschrei doppelt auf den Lippen: Zunächst, als Langerak mit einem Reflex gegen Kießling klärte – und eine Sekunde später, als André Schürrles Schuss aus kürzester Distanz an die Brust des auf der Torlinie ausharrenden Mats Hummels prallte.

Nun hatte sich Leverkusen endgültig warm geschossen. Allen voran Stefan Reinartz, der nach eleganter Vorarbeit von Stefan Kießling nach 58 Minuten den Anschlusstreffer erzielte. Und vier Minuten später per Kopf den Ausgleich. Doch im Gegenzug wurde Leverkusen Jubelfeier jäh gestoppt: Weil sich Innenverteidiger Wollscheid den besagten folgenschweren Rückpass leistete.

Anschließend holte Torschütze Lewandowski in einem längst hochdramatischen Spiel seinen zweiten Elfmeter an diesem Tag heraus, diesmal aber sprang Leno bei Blaszczykowskis schwach getretenem Strafstoß in die richtige Ecke und hielt. Zum Sieg reichte es für die Borussia trotzdem, daran änderte auch der statistische Hinweis von Sascha Lewandowski nichts. „26 Torschüsse – ich glaube, so viel hat Dortmund schon lange nicht mehr gegen sich gehabt“, erwähnte Leverkusens Chefübungsleiter tapfer, musste aber auch feststellen: „Uns hat heute die Abgeklärtheit gefehlt.“ Vor allem in den Sekunden vor dem letzten Gegentreffer.

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