27. Spieltag : Zauderer statt Zauberer

Nach starkem Einstand muss Herthas Raffael heute gegen Bremen zeigen, dass er sich in der Bundesliga wirklich durchsetzen kann.

Claus Vetter
hertha raffael
Hertha-Spieler Raffael versucht in der Bundesliga anzukommen. Gelingt es ihm heute gegen Bremen?Foto: ddp

Berlin - Wenn Raffael de Araujo Platz hat, dann gibt es schon mal Fabelhaftes zu sehen vom kleinen brasilianischen Stürmer. So etwa am 29. Februar, als er mit entschlossener Eleganz unweit des Elfmeterpunktes stehend einen Ball ins Tor des MSV Duisburg drosch. Raffael, der Zauberer. Dann aber gibt es auch den anderen Raffael, den Zauderer. Der hatte am 23. März im Olympiastadion seinen Auftritt. Lächerlich lässig vertändelte Herthas Angreifer an der Mittellinie einen Ball an den Schalker Jermaine Jones, dem Raffael dann vergebens hinterherlief – der Ball landete im Berliner Tor.

Heute gegen Werder Bremen (15.30 Uhr, Olympiastadion) läuft Raffael zum zehnten Mal für Berlins Fußball-Bundesligisten auf. Er wurde in der Winterpause für 4,5 Millionen Euro vom FC Zürich geholt – auf Drängen von Trainer Lucien Favre. Schließlich ist der 23 Jahre alte Brasilianer sein Lieblingsschüler. Die Liebe wird erwidert. „Favre hat mich gefördert“, sagt Raffael. Der Schweizer sei ein Trainer, der viel Wert auf das Fußballerische lege, „was mir weiterhilft“.

Doch hat Raffael bisher Hertha weitergeholfen? Nach fünf Spielen für den neuen Arbeitgeber ließ sich diese Frage klar beantworten: Drei Tore hatte der Brasilianer da erzielt, war an drei Berliner Siegen beteiligt. Da zelebrierte Raffael seine Stärken, erahnte als Erster in unübersichtlich scheinender Lage, wo es torgefährlich werden könnte. Dazu kamen schöne Dribblings, und, wenn er Raum hatte, Eleganz im Passspiel. Doch zuletzt lief bei Raffael immer weniger, seit vier Spielen ist er ohne Tor. Er scheint nicht anzukommen in seiner „Traumliga Bundesliga“ (Raffael).

Es geht eben hart zu in der deutschen Liga, in der einem Techniker wie Raffael kräftige Gegenspieler auf die Füße treten. In der Schweiz hatte er mehr Platz und Zeit für seine Tricks. Dort ließ er sich oft zurückfallen, um gegnerischen Attacken aus dem Wege zu gehen. Probleme beim Klassensprung waren für Raffael vorprogrammiert: In der gemütlichen Schweizer Liga hatte er in der Hinrunde in 15 Spielen 12 Tore erzielt, im anspruchsvolleren Uefa-Cup dagegen kam er in sechs Partien nur auf einen Treffer – per Elfmeter. Wenn es eng und schnell wird, bekommt Raffael Probleme. Eine Hauptrolle in einem Bundesligateam ist noch zu viel für ihn: Das war zuletzt zu sehen, wenn Marko Pantelic bei Hertha fehlte und die hängende Spitze Raffael wenig Raum hatte. Raffael kam mit dem Druck, Tore erzielen zu müssen, nicht klar. Wenn Pantelic spielt, scheint Raffael der Posten des Zweitstürmers nicht zu behagen.

In Zürich genoss Raffael alle Freiheiten bei Favre, der ihn in Berlin in ein taktisches Konzept pressen will. Doch trotz Raffaels offensichtlicher Probleme bei der Umgewöhnung lässt sein Lehrer nichts auf ihn kommen. Raffael habe bei Hertha „einen normalen Einstand“ gehabt, sagt Favre. „Er ist immer eine gute Anspielstation, kann den Ball halten. Das gibt den anderen Spielern Zeit.“ Der Brasilianer sei eben ein Profi, der unheimlich „wichtig für die Mannschaft“ sei. Wenn Raffael das verinnerlicht hat, kann er noch wertvoll für Hertha werden – indem er die Rolle annimmt, die Favre für ihn vorgesehen hat, und mannschaftsdienlich spielt. Die des Stürmerstars ist bei Hertha nämlich schon besetzt. Durch Marko Pantelic.

Werder Bremens Finanznöte:

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