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28:23-Sieg gegen Tschechien : Handballer weiter im EM-Rennen

Den deutschen Handballern ist die Revanche geglückt: Drei Tage nach der Niederlage in Brünn gewannen die deutschen Handballer gegen Tschechien in Halle/Westfalen mit 28:23 (15:12).

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Jubel und Erleichterung bei Dominik Klein und den Deutschen Handballern nach dem Sieg gegen Tschechien.
Jubel und Erleichterung bei Dominik Klein und den Deutschen Handballern nach dem Sieg gegen Tschechien.Foto: dpa

Viel besser hätte die Nachricht kaum sein können, die Handball-Deutschland am späten Samstagabend aus dem fernen Rischon LeZion erreichte. In der Stadt südlich von Tel Aviv hatte Tabellenführer Montenegro in der EM-Qualifikation eine überraschende Niederlage gegen Israel erlitten, wodurch die deutsche Nationalmannschaft die Teilnahme an der Europameisterschaft in Dänemark im kommenden Jahr nun wieder aus eigener Kraft bewerkstelligen konnte - einen Heimsieg am Sonntag vorausgesetzt.

Vor 9500 Zuschauern in Halle/Westfalen nutzte die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) diese Steilvorlage und setzte sich mit 28:23 gegen das tschechische Team durch, gegen das es am Donnerstag noch eine 22:24-Niederlage gegeben hatte. Daraufhin hatte man überhaupt erst die Rechenschieber bemühen müssen. "Wir sind extrem erleichtert, dass wir eine schwere Ausgangssituation ein wenig verbessert haben", sagte Bundestrainer Martin Heuberger. "Die Mannschaft hat in einer Stresssituation die Ruhe bewahrt." Das Szenario einer Europameisterschaft ohne deutsches Team, zumal zum ersten Mal in der Verbandsgeschichte – am Sonntagnachmittag hatte es sich vorläufig zerschlagen. "Wir sind froh, dass wir jetzt erstmal ein bisschen Ruhe haben", sagte Horst Bredemeier, Vizepräsident Leistungssport beim DHB, "zumindest hoffe ich das". Vor dem Spiel war Nationaltrainer Martin Heuberger aufgrund des drohenden Scheiterns in der EM-Qualifikation massiv in die Kritik geraten.

Das deutsche Team begann zunächst hypernervös, leistete sich zahlreiche Ballverluste und führte sogar einen Anwurf falsch aus. Die Tschechen nutzten diese Schwächephase des Gegners und warfen in Person des ehemaligen Welthandballers Filip Jicha und des künftigen Berliner Rückraumschützen Pavel Horak schnell eine Vier-Tore-Führung heraus (5:1). Mit zunehmender Spielzeit steigerte sich Heubergers Team dann aber in jenem Bereich, in dem man Handballspiele gewinnt: der Defensive. Vor allem Patrick Wiencek, der den verletzten Kapitän und Abwehrchef Oliver Roggisch im Mittelblock vertrat, tat sich dabei hervor und war an zahlreichen Ballgewinnen beteiligt, die wiederum zu einfachen Gegenstoßtoren führten. Steffen Weinhold erzielte beim 7:6 die erste Führung. "Wir hatten einen denkbar schlechten Start", sagte Heuberger, "aber dann haben wir eine gute Reaktion gezeigt". Einen Vorwurf mussten sich die Gastgeber allerdings gefallen lassen: Gegen bisweilen rustikal agierende Tschechen, die allein in der ersten Halbzeit fünf Zeitstrafen kassierten, spielten die Deutschen ihre Überzahlsituationen nicht konsequent aus. Trotzdem gelang es ihnen, zur Pause einen soliden Vorsprung herauszuwerfen (15:12). Vor allem der Berliner Sven-Sören Christophersen, der im Verein seit Wochen seiner Form hinterherläuft, markierte in der Schlussphase des ersten Durchgangs wichtige Tore.

Acht Minuten nach dem Wiederanpfiff hatte die Stimmung in der Halle, die seit der Heim-WM 2007 den Ruf des zweiten Wohnzimmers genießt, schließlich ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht, die Klatschpappen wurden reichlich drangsaliert – und beim 20:14 griff Tschechiens Trainer Vladimir Haber schließlich zur Auszeit, um ein Debakel zu verhindern. Die Tordifferenz im Rückspiel war nämlich insofern relevant, als dass sie über den Ausgang des direkten Duells entscheidet, wenn beide Teams nach Abschluss der Qualifikationsgruppe die gleiche Punktzahl aufweisen sollten. "Deshalb war es enorm wichtig, dass wir mit mehr als zwei Toren Vorsprung gewonnen haben", sagte Sven-Sören Christophersen, der neben Silvio Heinevetter im Tor und Steffen Weinhold zu den auffälligsten Akteuren zählte. "Vor vier Tagen in Tschechien hatten die wenigsten unserer Spieler Normalform", ergänzte Christophersen, "das sah heute schon ganz anders aus". Sowohl auf dem Feld als auch auf der Anzeigetafel.


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