Sport : 28 Minuten Hoffnung

Marco van Hoogdalem galt als todkrank – doch jetzt hat er wieder für Schalke 04 gespielt

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Die Hoffnung eines Fußballprofis liegt manchmal auf den Nebenplätzen, beim Oberligaklub Kleve etwa oder beim Regionalligisten Preußen Münster. Und manchmal reichen sogar 62 Minuten oder nur 28 für neuen Lebensmut. So lange stand Marco van Hoogdalem am vergangenen Wochenende in Kleve und Münster wieder auf dem Feld. Dabei hatte er in den vergangenen Monaten beim FC Schalke 04 nur noch den Status eines Besuchers. Wegen eines gefährlichen Leberleidens galt der Abwehrspieler als todkrank. Niemand traute ihm zu, noch einmal als Profi zurückzukehren. Aber van Hoogdalem hat sich aufgerappelt. Nach einer tränenreichen Leidenszeit ist er wieder da, und nach knapp einer Woche Mannschaftstraining hat Marco van Hoogdalem jetzt auch gespielt. „Es ist schön, nach sechs Monaten wieder auf dem Platz zu stehen“, sagt der Niederländer. „Ich hoffe, so schnell wie möglich wieder Fuß zu fassen.“

Ein unabhängiger Mediziner hat van Hoogdalem bescheinigt, dass er seinen Beruf ohne große Risiken ausüben kann. Ein solches Attest hatten die Deutsche Fußball-Liga und der FC Schalke 04 zur Bedingung für seine Teilnahme am Trainings- und Spielbetrieb gemacht. Seitdem gehört van Hoogdalem wieder zur Mannschaft. Medizinisch gesehen ist er arbeitsfähig, aber nicht gesund; er wird es nie wieder sein. „Ich werde diese Krankheit immer haben und muss jeden Tag Tabletten nehmen“, sagt er. „Aber ich fühle mich nicht krank.“ Er ist es aber: Van Hoogdalem leidet an Primär Sklerosierender Cholangitis, einer unheilbaren Krankheit, die sich zur tödlichen Leberzirrhose entwickeln kann.

Dennoch hat er sich vorgenommen, wieder als Profi zu spielen, erst auf den Nebenschauplätzen und eines Tages auch in der Bundesliga. Sein letzter Auftritt auf dieser großen Bühne liegt 21 Monate zurück. Am 5. April 2003, beim 0:0 in Nürnberg, absolvierte van Hoogdalem sein 151. und vorläufig letztes Bundesligaspiel. Danach musste er wegen eines komplizierten Hüftleidens lange aussetzen. Als Lohn für gute Leistungen hatte der FC Schalke van Hoogdalems Vertrag vor zwei Jahren bis Juni 2006 verlängert. Doch nach genauer Diagnose der Hüftbeschwerden zweifelte Manager Assauer. Van Hoogdalem wurde schließlich ausgeliehen an seinen Stammverein Roda Kerkrade. Auch die Niederländer legten nach einigen Wochen keinen großen Wert mehr auf seine Dienste.

Zurzeit ist Schalke Tabellenzweiter. Um so schwerer wird es für van Hoogdalem, in die erfolgreiche Mannschaft zu kommen. „Ich will kein Mitleid“, sagt van Hoogdalem aber, der dienstälteste Profi des Klubs. Jeder solle ihn „so behandeln wie früher“. Diesen Wunsch wollen ihm seine Vorgesetzten erfüllen. „Wir können einen Spieler nicht aus Wohltätigkeit einsetzen“, sagt Trainer Ralf Rangnick. Chancengleichheit aber könne er dem Niederländer garantieren.

Warum er überhaupt weitermacht nach zwei so schweren Rückschlägen? „Ich wollte mir nicht irgendwann vorwerfen müssen, es nicht wenigstens versucht zu haben“, sagt van Hoogdalem. Mit 32 Jahren hat er noch Träume. „Ich bin mir sicher, dass ich noch in dieser Saison in der Arena auflaufen werde.“ Es wäre eine besonders glückliche Rückkehr in die Bundesliga, begonnen auf den Fußballplätzen von Münster und Kleve.

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