28. Spieltag : Bayern zum Verlieben

Der 5:0-Sieg gegen Borussia Dortmund gibt einen Vorgeschmack auf das DFB-Pokalfinale in Berlin.

Sven Goldmann[München]
Bayern Foto: dpa
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Heiterkeit herrschte im nordwestlichen Eckchen der Allianz-Arena. „Deutscher Meister wird nur der BVB“, riefen die Dortmunder Fans, „Aus-, Aus-, Auswärtssieg!“ und „Hurra, Hurra, die Dortmunder sind da!“ Dazu hüpften sie auf und ab und schwenkten schwarz-gelbe Fahnen. Vielleicht lag es am übermäßigen Genuss alkoholhaltiger Getränke, wahrscheinlich an der Fähigkeit zur Selbstironie – ganz gewiss nicht an der Qualität des Fußballs, den die Borussia unten auf dem Rasen zeigte. „Ich kann mich nur bei allen Fans entschuldigen“, sagte Trainer Thomas Doll, „dieses Spiel kam für uns einer Hinrichtung gleich.“

Selten ist Borussia Dortmund so schwer gedemütigt worden wie an diesem Frühlingssonntag in München, bei dieser 0:5 (0:4)-Niederlage gegen einen FC Bayern München, der doch müde hätte sein müssen. War er aber nicht, trotz des kräftezehrenden Spiels drei Tage zuvor in Getafe. „Dieses Spiel mit dem späten Ausgleich hat uns den nötigen Adrenalinstoß gegeben“, schwärmte der sonst so zurückhaltende Ottmar Hitzfeld. Dabei wäre ihm ein „3:2 viel lieber gewesen als ein 5:0“, auf dass seine Mannschaft nicht überheblich werde beim Pokalfinale in Berlin in sechs Tagen gegen eben jene gestern so desolaten Dortmunder. Denn: „So kann man einen Gegner auch scharf machen.“

Ach ja, das Pokalfinale. Thomas Doll legte den Kopf in den Nacken, sagte erst einmal gar nichts und dann nur, „dass mich der Pokal jetzt erstmal gar nicht interessiert“. Passend dazu merkte Nationalspieler Sebastian Kehl an, in dieser Verfassung könne sich der BVB die Reise nach Berlin schenken. Alle Dortmunder schienen froh zu sein, dass der Spielplan vor dem erneuten Duell mit den Bayern am Mittwoch noch ein Bundesligaspiel gegen Hannover 96 diktiert.

Dabei hatten die Bayern für das Pokal-Vorspiel eine bessere Ersatzmannschaft aufgeboten. Die verletzten Franck Ribery, Miroslav Klose und Marcell Jansen gehörten gar nicht erst zum Kader, Mark van Bommel fehlte gesperrt, Lucio durfte sich auf der Bank ein wenig ausruhen von den Strapazen der vergangenen Wochen. Dafür kam am 28. Spieltag Lukas Podolski zu seinem vierten Bundesligaspiel in der Startformation. Nicht mal drei Minuten benötigte der Nationalstürmer für sein zweites Tor, es war ein schöner Drehschuss mit links ins linke obere Dreieck. Vier Minuten später traf Zé Roberto zum 2:0, danach war zweimal Luca Toni dran. Erst überlief der Italiener nach Tingas Querschläger den hilflosen Dortmunder Kapitän Christian Wörns und traf per Aufsetzer ins lange Eck. Fünf Minuten später leitete er das 4:0 mit einem spektakulären Hackentrick an der Mittellinie selbst ein. Schweinsteiger spielte steil auf Zé Roberto, der auf der linken Seite so lange wartete, bis Toni in Position gesprintet war. Dann hob er den Ball leicht und elegant über Dedé und Wörns, exakt in den Lauf von Toni, der ihn mit mächtigem Spreizschritt ins Netz drosch.

Es waren zu diesem Zeitpunkt erst 22 Minuten gespielt, und Thomas Doll, der anfangs noch wild gestikulierend an der Seitenlinie gestanden hatte, verkroch sich fortan auf seiner Bank. „Was wir in der ersten Halbzeit gezeigt haben, hatte mit Fußball nichts zu tun“, sagte BVB- Mittelfeldspieler Florian Kringe. Dass Bayerns Torhüter Oliver Kahn zur Halbzeit wegen eines verrenkten Halswirbels Platz machte für Michael Rensing, blieb ohne Einfluss auf das einseitige Geschehen. Die Münchner machten es sogar noch gnädig für ihren Gegner. Allein Andreas Ottl legte noch einmal nach mit dem 5:0, das einzige Tor, bei dem Torhüter Marc Ziegler schlecht aussah.

Bayerns Manager Uli Hoeneß sprach später von „Fußball zum Verlieben“ und dass auf dem Weg zur Meisterschaft bei nur noch drei Auswärtsspielen „nicht mehr viel passieren wird“. Sechs Spieltage vor Schluss liegen die Bayern zehn Punkte vor ihren Verfolgern aus Bremen. Aber wer will bei dieser Konstellation schon ernsthaft von Verfolgern reden?

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