3:0 gegen Hannover : Geduld siegt

Nach einer schwachen ersten Halbzeit kommt Hertha BSC noch zu einem 3:0-Erfolg gegen Hannover. Der umstrittene Top-Torjäger Marko Pantelic trifft zum vorentscheidenden 1:0.

Sven Goldmann

Eigentlich ist über Marko Pantelic alles gesagt. Eigensinnig, stolz und eitel ist er, aber eben auch der Mann, der selbst an schlechten Tagen den Unterschied machen kann. So wie am Mittwoch, dem Tag, an dem er erst laut und exponiert den Entzug von Zuneigung monierte (siehe Text unten) und dann das vorentscheidende erste Tor beim 3:0 (1:0)-Sieg seiner Mannschaft gegen Hannover 96 erzielte. Pantelics Abstauber in der 63. Minute ermöglichte Hertha BSC den zweiten Sieg im fünften Heimspiel. Und es überdeckte eine über weite Strecken schwer kritikwürdige Leistung. 31 329 Zuschauer im Olympiastadion sahen zwar den höchsten Saisonsieg, aber keinesfalls ein diesem Ergebnis angemessen gutes und überlegen geführtes Spiel. Die Tore Nummer zwei und drei, erzielt von Andrej Woronin und Waleri Domowtschijski, fielen in der Schlussphase, als Hannover unkoordiniert alles nach vorn warf.

Doch erfolgreich ist, wer geduldig ist. Und zu einem guten Fußballspiel gehören immer zwei Mannschaften. Zur Entschuldigung für Herthas lange Zeit bescheidene Darbietung sei also angeführt, dass Hannover 96 im Olympiastadion zum sportlichen Gelingen des Abends lange Zeit nichts beitragen konnte und mochte. Die Lust der Gäste am Destruktivismus relativierte manches, entschuldigte aber nicht die Ideenarmut der Berliner in der ersten Halbzeit. Warum hatte da ausgerechnet Linksverteidiger Marc Stein, gestern einer von Herthas schwächsten Spielern, die meisten Ballkontakte? Und warum wurde es vor dem Tor der Hannoveraner nur gefährlich, wenn Pal Dardai, von Trainer Lucien Favre eigentlich schon ausgemustert, nach vorn drängte? Der Ungar hätte Pantelic Mitte der ersten Halbzeit beinahe die spätere Schau gestohlen, doch Gaetan Krebs und der linke Pfosten verwehrten seinem Flachschuss den Einschlag. Viel mehr steckte nicht in dieser drögen ersten Halbzeit.

So lange die Hannoveraner konzentriert verteidigten, hatten sie wenig zu befürchten. Bei Hertha ersetzte der von seiner Fußverletzung genesene Andrej Woronin den weitgehend unsichtbaren Raffael, und danach kam endlich ein wenig mehr Fantasie in die Angriffsbemühungen der Berliner. So richtig los ging es aber erst, als das Publikum schon langsam einzunicken drohte und einen der wenigen Adrenalinstöße erfuhr, als über die Multimediatafel im Olympiastadion das Frankfurter Führungstor gegen den FC Bayern München bekannt gegeben wurde.

Dann aber war Marko Pantelic da. Sein Führungstreffer fiel allerdings aus stark abseitsverdächtiger Position. Nicht bei Maximilian Nicus finalem Zuspiel, aber in dem vorausgehenden Pass, bei dem er sich den entscheidenden Stellungsvorteil verschaffte. Fortan wurde es immerhin ein spektakuläres Spiel mit vielen Torchancen. Die größte auf Berliner Seite versemmelte, wer sonst, Marko Pantelic, als er bei einem Konter lieber selbst schoss, anstatt seine mitgelaufenen Kollegen Arne Friedrich oder Andrej Woronin zu bedienen. Da wütete sein Trainer Lucien Favre an der Seitenlinie wieder so leidenschaftlich, wie er es nur bei Pantelic tut.

Wer weiß, was der Serbe sich hätte anhören müssen, wenn Szabolcs Huszti nicht nur den Pfosten getroffen hätte. So aber durfte Andrej Woronin sechs Minuten vor Schluss nach schönem Pass des Brasilianers Cicero mit seinem zweiten Saisontor den Sieg perfekt machen. Diesmal hatte sich der ebenfalls mitgelaufene Pantelic vornehm zurückgehalten. Als Waleri Domowtschijski in der Nachspielzeit sogar das 3:0 nachlegte, saß Herthas erfolgreichster Torschütze schon auf der Ersatzbank, gefeiert von den Berliner Fans. Weit und breit keiner, der sich noch über die bescheidene erste Halbzeit ärgern wollte.

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