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3:0 gegen Japan beim Confed Cup : Neymars Traumtor ebnet Brasilien den Weg

Superstar Neymar hat der Seleção beim Confed-Cup einen umjubelten Auftakt beschert. Der fünfmalige Fußball-Weltmeister gewann das Eröffnungsspiel des WM-Testlaufs gegen Japan 3:0 und versetzte seine Fans in Hochstimmung.

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Wie Kaka. Der Jubel des brasilianischen Ausnahmestürmers Neymar erinnert an seinen Vorgänger.
Wie Kaka. Der Jubel des brasilianischen Ausnahmestürmers Neymar erinnert an seinen Vorgänger.Foto: dpa

Neymar trifft, Brasilien feiert und hat es eigentlich je eine Krise gegeben beim Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2014? Zur Eröffnung des Confed-Cups gab es am Samstag einen leichten 3:0 (1:0)-Sieg über Japan. Neymar da Silva Santos Junior, der gerade zum FC Barcelona transferierte Wunderstürmer vom FC Santos, erzielte nach nicht einmal drei Minuten das erste Tor, Paulinho legte zu Beginn der zweiten Halbzeit noch ein zweites nach und der eingewechselte Jo in der Nachspielzeit das dritte, und am Ende hatten die 67 000 Zuschauer im nicht ganz gefüllten Estadio Nacional Mané Garrincha von Brasilia ihre Mannschaft wieder lieb. Vergessen waren die zwischenzeitlichen Pfiffe wie auch die doch noch ausbaufähige Leistung. Wer gewinnt hat immer recht.
Zwar waren pünktlich zur großen Eröffnungsparty dieses Turniers der Erdteilmeister ganz gewöhnlich Wolken aufgezogen über dem neuen Stadion der brasilianischen Kapitale und ganz zum Schluss kam auch der Regen. Doch der spektakulärste Fußballspieler der spektakulären Fußballnation Brasilien holte die Sonne schnell wieder zurück. Neymar tat gleich im ersten Turnierspiel das, wofür sie ihn in Brasilien lieben. Und wie!
Begonnen hatte alles bei Marcelo, dem linken Außenverteidiger von Real Madrid. Der Mann mit der Starkstromfrisur hatte den Ball in der Verlegenheit der Anfangsminuten einfach mal nach vorn geschlagen, ein groß angelegter Plan war ihm dabei eher nicht zu unterstellen. Am Ende der Flugbahn stand Fluminenses Offensivbegabung Fred, und weil er dem Tor den Rücken zugewandt hatte, ließ er den Ball einfach abtropfen, genau auf den Fuß von Neymar, der ihn hoch und hart und platziert ins rechte obere Tordreieck drosch.

Es war dies nach knapp drei Minuten im Spiel und 845 insgesamt ohne jedes Tor in Klub und Nationalmannschaft das erste Tor des schmalen Bürschchens vom FC Santos. Neymar feierte es wie früher Kaka, mit beiden Zeigefingern Richtung Himmel gestreckt. Nur das alberne Tänzchen ganz allein am Strafraumeck, dass hätte sich der in Madrid zum Reservisten degradierte Kaka auch zu besseren Zeiten geschenkt.
Doch im Erfolg und noch dazu in Brasilien verzeiht das Publikum alle Affektiertheiten. Die „Brasil!“-Chöre wurden schnell und minutenlang dem kleinen Nationalhelden umgewidmet. Und tatsächlich bescherten Neymar und sein Tor dem Spiel der Seleçao einen Anflug der Schönheit und des Tempos, für das brasilianische Mannschaften in der allgemeinen Wertschätzung schon immer standen und noch immer stehen, obwohl davon seit ein paar Jahren nicht mehr viel zu sehen ist. Im japanischen Strafraum spielten sich kuriose Szenen ab und es bleib nicht viel übrig vom Defensivgefüge dieser taktisch sonst so disziplinierten Mannschaft. Im Spiel nach vorne fand der Asienmeister ohnehin überhaupt nicht statt.

In besseren Zeiten hätte Brasilien diesen Gegner aus dem Stadion geschossen. Doch der Seleçao des Jahres 2014 fehlt, bei allem Respekt vor der gestrigen Leistung, das Mitreißende, das einschüchternde Element der ganz großen Zeiten. Das war zuletzt beim 2:2 gegen England zu sehen, über weiten Zeiten beim 3:0 gegen Frankreich, und auch in Brasilia verstrich erst einmal die Gelegenheit, dem Spiel vorzeitig eine entscheidende Wendung zu geben. Die Zuschauer wurden leiser, sie pfiffen bei den ersten Rückpässen, und es bedurfte schon zweier spektakulären Einzelleistungen von Fred und Hulk, um ein Kippen der Stimmung zu verhindern. Da aber der japanische Torhüter Eli Kawashimi beide Mal das bessere Ende für sich hatte, fiel der Halbzeitapplaus doch sehr dürftig aus.
Doch der Lärm kam schnell zurück und mit ihm die Gewissheit, dass es am Abend doch einiges zu feiern gab. Wieder schoss Brasilien ein schnelles, wenn auch diesmal nicht so spektakuläres Tor. Bis zum 2:0 dauerte es nicht mal zwei Minuten. Diesmal kam der Ball von links, von Daniel Alves zu Paulinho und von dem ins Tor.

Das Spiel war gelaufen und Neymar, geschwächt durch einen Sturz auf die Hüfte, durfte sich ein wenig ausruhen. Eine Viertelstunde vor Schluss ging er raus, und Brasiliens Trainer Luiz Felipe Scolari blieb nur deshalb vom Zorn der Tribüne verschont, weil er als Ersatz den zuvor frenetisch geforderten Lucas auf den Platz schickte. Der Münchner Dante durfte dagegen anders als sein Bayern-Kollege Luiz Gustavo wieder mal gar nicht mitspielen. Immerhin saß er zum Schluss unter dem schützenden Dach der Ersatzbank, als der große Regen nach Brasilia kam.

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