3:0 in Köln : Stuttgart siegt und ist unzufrieden

Nationalstürmer Mario Gomez erzielt beim 3:0 des VfB Stuttgart in Köln alle drei Treffer. Doch Trainer Markus Babbel mosert, von einem Endspurt zum Meistertitel wie 2007 will niemand etwas hören.

Jörg Strohschein[Köln]
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Männerfreuden. Mario Gomez (links) schießt Stuttgart zum Sieg in Köln. Foto: ddp

Markus Babbel war nicht zum Lachen zumute. Trotz des 3:0 (1:0) beim 1. FC Köln nutzte der Trainer des VfB Stuttgart die Gelegenheit, Grundsätzliches loszuwerden. „Die erste Halbzeit hat mir gar nicht gefallen. Da haben wir grausam gespielt“, sagte er mit ernster Miene. „Wenn wir so in den nächsten Partien auftreten, können wir alles verspielen, was wir uns so mühsam aufgebaut haben.“ Vergessen waren in diesem Moment offenbar der vierte Sieg in Folge und die Hoffnung auf eine Wiederholung des furiosen Endspurts aus dem Jahr 2007, mit dem der VfB die Meisterschaft geholt hatte. Davon wollen sie in Stuttgart (noch) nichts hören.

Diese erste Hälfte in Köln, in der Milivoje Novakovic in der zweiten Minute und Miso Brecko kurz vor dem Halbzeitpfiff für den 1. FC Köln zwei Möglichkeiten hatten, schien einen bleibenden Eindruck bei allen Beteiligten des VfB hinterlassen zu haben. Selbst der überragende Mario Gomez, der mit einem Treffer vor dem Pausenpfiff sowie zwei weiteren Toren in der zweiten Hälfte ganz alleine für das Endergebnis sorgte, mochte sich nicht allzu sehr über diesen erfolgreichen Nachmittag freuen. „Wir sind als Team sehr selbstkritisch. Wir wissen, dass wir uns so viele Fehlpässe wie in den ersten 45 Minuten in den nächsten Partien nicht mehr leisten können. Dann wird es sogar gegen eine Mannschaft wie den 1. FC Köln eng“, sagte der Nationalspieler.

Dabei hatten die Stuttgarter in der laufenden Spielzeit schon deutlich fragwürdigere Leistungen gezeigt als gestern im Rheinland, auch wenn die Spieler in einigen Szenen offenbar nicht ihre maximale Konzentration aufbrachten. Gegen einen über weite Strecken hilflosen Gegner war das aber auch nicht nötig. Doch im Saisonendspurt mit noch sechs ausstehenden Partien wollen sie beim VfB jede sich entwickelnde Schwäche bereits in ihrer Entstehung ersticken.

Kölns Trainer Christoph Daum hatte allerdings im Widerspruch zur Selbstkritik der Stuttgarter einen Gegner erlebt, der seiner Mannschaft „die Grenzen aufgezeigt“ hatte. Seit mehr als fünf Monaten warten die Kölner auf einen Heimsieg, die Enttäuschung der Fans schlägt mittlerweile in Wut um. Die Zuschauer taten ihren Unmut erst mit gellenden Pfiffen und später mit konsterniertem Schweigen kund. Verantwortlich für die Misere sind nach Daums Auffassung offenbar ausschließlich seine Spieler. „Wir können nicht mehr, wir können nicht besser“, sagte Daum. Kurz bevor sich Markus Babbel auf den Heimweg machte, zeichnete sich in seinem Gesicht doch noch ein leichtes Grinsen ab. „Die zweite Hälfte war dann in Ordnung“, sagte Babbel. Das musste auch noch gesagt werden.

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