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3:1-Erfolg gegen Frankreich : USA erster WM-Finalist

Die US-Amerikanerinnen stehen zum dritten Mal im WM-Endspiel. Im Halbfinale gegen Frankreich reichten eine starke Anfangsphase und zwei Treffer in der letzten Viertelstunde.

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Finale im Blick. Abby Wambach köpft das 2:1 für ihr Team. Foto: dapd
Finale im Blick. Abby Wambach köpft das 2:1 für ihr Team.Foto: dapd

Am Tag, als dunkle Wolken und kühler Regen zur Frauenfußball-Weltmeisterschaft kamen, blieb das deutsche Publikum lieber zu Hause. Die amerikanischen Fans störten sich wenig an den halbleeren Rängen im Borussia Park zu Mönchengladbach, sie kreischten wie gewohnt im hohen Dezibel-Bereich. „Wir haben viele Freunde hier, und zu Hause steht die ganze Nation hinter uns“, erzählte Abby Wambach später. Die Stürmerin war es, die mit einem späten Tor den 3:1 (1:0)-Sieg im Halbfinale über Frankreich einleitete. Am Sonntag kann Team USA im Endspiel von Frankfurt zum dritten Mal nach 1991 und 1999 Weltmeister werden.

„Wir haben nicht gut, aber mit Herz gespielt“, sagt Pia Sundhage, „deswegen bin ich so stolz, diese Mannschaft zu trainieren.“ Ja, es war ein glücklicher Sieg für den großen Favoriten, der das Spiel eigentlich nur ganz am Anfang und ganz am Schluss überlegen gestaltet hatte. Aber es spricht für die Effektivität der Amerikanerinnen, dass sie in beiden Phasen die entscheidenden Stiche setzten.

Zum Beispiel beim Führungstor, es fiel schon nach neun Minuten. Carli Lloyd kickte den Ball mit viel Gefühl und Übersicht per Absatzkick in den Lauf von Heather O’Reilly. Die flankte scharf und flach in die Mitte, wo Lauren Cheney geschickt den Fuß hinhielt und damit dem Ball die entscheidende Änderung der Flugbahn ermöglichte.

Im weiteren Verlauf scherten sich die Amerikanerinnen nicht groß um Ballbesitz und zogen ihr gewohntes Spiel aus der Defensive auf. Dabei kam ihnen entgegen, dass den bisher so lässigen Französinnen zu Beginn ein wenig Füße zitterten. Langsam nur gelang es Camille Abily und Louisa Necib gelang es, das Spiel zu ordnen. Nach Necibs klugem Pass auf Gaetane Thiney parierte Hope Solo großartig, aber bei Sonia Bompastors Schuss konnte die Torfrau nur noch hinterher schauen – und sah den Ball an die Latte fliegen.

Und doch haftete dem französischen Spiel der Makel an, dass ihm bei aller Schönheit ein wenig an der Zielstrebigkeit fehlte, die körperliche Robustheit. Geradezu exemplarisch für diese Zurückhaltung war, wie sich Gaetane Thiney zu Beginn der zweiten Hälfte nach Necibs Pass in bester Position noch von Christie Rampone abdrängen ließ. Das Ausgleichstor war dann zwar hoch verdient, aber es fiel eher zufällig, nach dem ersten Fehler von Hope Solo in diesem Turnier. Sonia Bompastor wollte vom linken Flügel eigentlich flanken, Gaetane Thiney verpasste in der Mitte den ball, irritierte die Torfrau dabei aber so stark, dass diese den Ball ins lange Eck passieren ließ.

Mit einem zweiten Fehler hätte Hope Solo beinahe ein zweites Gegentor verursacht, als sie den Ball perfekt in den Fuß von Eugenie Le Sommer spielte, aber die eingewechselte Französin vertändelte das schöne Geschenk. Im gegenüber liegenden Strafraum hatte Berangere Sapowicz ebenfalls Glück. Einen Freistoß von Megan Rapinoe konnte sie nicht festhalten, der Ball prallte vor die Füße von Alex Morgan, die aber nicht energisch genug nachsetzte.

Am Ende unterliefen der französischen Torhüterin dann doch zwei entscheidende Fehler. Elf Minuten vor Schluss ließ sie Lauren Cheneys Eckstoß durch den Fünfmeterraum fliegen – Abby Wambach bedankte sich mit dem Kopfball zum 2:1. Und auch als drei Minuten später Alex Morgan vom linken Flügel Richtung Tor lief, verharrte sie zu lange auf der Linie und gestattete der Amerikanerin den erfolgreichen Torschuss.

Frankreich zickte noch ein bisschen, fügte sich aber in das Schicksal, Bruno Brini nahm es mit dem ihm eigenen sonnigen Gemüt zur Kenntnis. „Das Leben bleibt schön“, philosophierte der französische Trainer. „Wir haben bei dieser WM viel Spaß und wohnen in großartigen Hotels – ich sage Ihnen, das ist schöner als im Krankenhaus. Und wir haben uns heute für das Spiel um Platz drei qualifiziert. Wie könnte ich da nicht glücklich sein?“

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