3:1 in Cottbus : Zwei Tore fehlen Bayern München noch

Am 64. Geburtstag von Trainer Jupp Heynckes gewinnt der FC Bayern souverän 3:1 bei Energie Cottbus und schließt nach Punkten zum Tabellenführer VfL Wolfsburg auf.

Stefan Hermanns[Cottbus]
FC Energie Cottbus - FC Bayern Muenchen
Das Bild trügt. Energie-Torwart Gerhard Tremmel scheint den Ball zu erreichen, doch José Ernesto Sosa trifft zum 1:0 für den FC...Foto: ddp

Das Stadion der Freundschaft in Cottbus steht nicht unbedingt im Ruf, ein besonders gastlicher Ort zu sein. Gestern Nachmittag aber applaudierte der Anhang des heimischen FC Energie sehr höflich für Jupp Heynckes. Der Trainer des FC Bayern München feierte in Cottbus seinen 64. Geburtstag. Der Stadionsprecher versah die Glückwünsche mit dem Nachsatz, dass es nach dem Anpfiff keine Geschenke mehr geben werde – doch das war nicht mehr als eine Floskel. Im Großen und Ganzen erlebte Heynckes einen unbeschwerten Nachmittag. Die Sonne schien, das Stadion war ausverkauft – und die Bayernspieler erfüllten ihre Pflicht mehr oder weniger anstandslos. 3:1 (1:1) gewannen sie in Cottbus. Gerade zwei Tore liegt der Tabellenführer Wolfsburg in der Fußball-Bundesliga jetzt noch vor dem Rekordmeister aus München.

Zwei Spiele, zwei Siege, wenn auch gegen zwei Abstiegskandidaten – die Mission des Jupp Heynckes scheint das gewünschte Ende zu nehmen. Und auch die Frage, wer ihm im Sommer folgt, ist offensichtlich so gut wie beantwortet. Die niederländische Tageszeitung „Algemeen Dagblad“ meldet, dass sich die Münchner mit Louis van Gaal auf einen mehrjährigen Vertrag geeinigt haben. Demnach sollen die Bayern noch an diesem Wochenende erstmals direkte Verhandlungen mit dem AZ Alkmaar aufnehmen, an den van Gaal noch bis 2010 vertraglich gebunden ist. Als Ablöse für den Wunschtrainer sind 2,5 Millionen Euro im Gespräch.
In Cottbus begannen die Bayern, die zunächst auf Franck Ribéry (Probleme mit der Halsmuskulatur) verzichteten, taktisch sehr diszipliniert und mit der nötigen Geduld. Sie kontrollierten Ball und Raum, ließen im Spiel nach vorne aber die letzte Entschlossenheit vermissen. Die Bayern wirkten alles andere als unwiderstehlich. Energie konnte sich zwar selten befreien, geriet aber in der Anfangsphase auch nicht ernsthaft in Gefahr. Nur einmal musste Torhüter Gerhard Tremmel eingreifen, er lenkte einen Schuss von Lukas Podolski zur Ecke.

Wenn die Bayern allerdings etwas fordernder auftraten, offenbarten sie die Probleme der Cottbuser. Unter Druck machten sie Fehler, so wie in der 23. Minute: Nach einer Flanke von Philipp Lahm aus dem Halbfeld bedrängte Luca Toni Ovidiu Burca. Energies Innenverteidiger verlängerte den Ball genau auf den frei stehenden José Ernesto Sosa, der aus fünf Metern keine Mühe hatte, Tremmel zur 1:0-Führung zu überwinden.

Die Bayern waren auf dem besten Weg an die Tabellenspitze, doch dann versäumten sie es, den Vorsprung in beruhigende Höhen zu schrauben. Chancen hatten sie durchaus. Toni köpfte aus zwei Metern übers Tor, nachdem Daniel Ziebig den Ball an der Außenlinie an Hamit Altintop verloren hatte. Ein paar Minuten später rettete Burca nach einem Kopfball von Mark van Bommel auf der Torlinie.
Im direkten Gegenzug kamen die Cottbuser zu ihrer ersten guten Möglichkeit. Nach einem Konter scheiterte Stanislaw Angelow an Bayern-Torhüter Jörg Butt. Es war eine erste Warnung an die Bayern, die gegen Ende der ersten Halbzeit recht sorglos ihre Führung zu verwalten versuchten. Zwei Minuten vor der Pause rächte sich die Passivität des Rekordmeisters. Nach einem Einwurf verlängerte Bayerns argentinischer Innenverteidiger Martin Demichelis den Ball unglücklich auf Timo Rost; dessen Fallrückzieher konnte Butt noch parieren, gegen Ivica Ilievs Nachschuss zum 1:1 hatte der Torhüter der Münchner dann keine Abwehrchance mehr.

Auch nach der Pause war die Überlegenheit der Bayern zunächst nicht zwingend. Nach zehn Minuten reagierte Heynckes: Er schickte Ribéry aufs Feld – und fortan wurden die Münchner gefährlicher, ohne dass der Franzose daran entscheidend beteiligt war. Erst scheiterte Bastian Schweinsteiger frei vor Tremmel, dann erzielte Demichelis nach einem Eckball von Podolski das 2:1. Und als Podolski den Zwischenspurt nur vier Minuten später mit dem 3:1 beendete, war das Spiel entschieden. Selbst im Ergebnisverwaltungsmodus gerieten die Bayern nicht mehr in Gefahr. Kurz vor Schluss scheiterte Ribéry noch mit einem an ihm verursachten Foulelfmeter an Tremmel.

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