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3:2 gegen St. Pauli : Union Berlin: Plötzlich Zweiter

Der 1. FC Union kämpft sich zurück und gewinnt gegen St. Pauli trotz frühem 0:2- Rückstand. Mit diesen drei Punkten setzen sich die Köpenicker in der Aufstiegsregion fest.

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Zurückgekommen: Union Berlin dreht das Spiel gegen St. Pauli.
Zurückgekommen: Union Berlin dreht das Spiel gegen St. Pauli.Foto: dpa

Simon Terodde wollte in den letzten Wochen nicht reden. Der Angreifer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union war unzufrieden mit sich selbst. Doch vier Minuten vor Ende der regulären Spielzeit des Spiels gegen den FC St. Pauli konnte sich der 25-Jährige seinen ganzen Frust von der Seele brüllen. Sein Kopfballtor zum 3:2 nach Vorlage von Patrick Kohlmann sicherte den Berlinern in einem dramatischen Spiel doch noch den verdienten Sieg – und den Sprung auf den zweiten Tabellenplatz.

Nach sechs Minuten war daran überhaupt nicht zu denken. Durch Tore von John Verhoek nach nicht einmal 30 Sekunden und Fin Bartels wurden die Hausherren kalt erwischt. Dem 0:1 ging ein kapitaler Fehler von Unions Innenverteidiger Christian Stuff voraus, der für den wegen Nackenproblemen ausgefallenen Schweizer Mario Eggimann in die Startelf gerutscht war. „Die Gefühlslage nach dem 0:2 war sehr angespannt. Ich hatte gehofft, dass die Mannschaft wieder Ruhe ins Spiel bekommt“, sagte Trainer Uwe Neuhaus. „Wir hatten bis zur Halbzeit richtig gute Möglichkeiten und konnten Gott sei Dank das Anschlusstor erzielen.“

Nachdem der überragende Hamburger Schlussmann Torwart Philipp Tschauner Schüsse und Kopfbälle von Sören Brandy, Adam Nemec und Benjamin Köhler abwehren konnte, musste allerdings ein Elfmeter für das wichtige 1:2 herhalten. Nach einem Foul von Markus Thorandt an Brandy brachte Union-Kapitän Torsten Mattuschka den Ball nach einer guten halben Stunde ganz sicher in der linken unteren Ecke unter. Mattuschka hatte schon in der vergangen Serie drei Tore gegen St. Pauli erzielt. „Wir haben 20 Minuten gebraucht, um den Rückstand zu verdauen. Und nach dem 1:2 haben wir uns in der Pause eingeschworen“, sagte Mattuschka und ergänzte: „Ich war mir sicher, dass wir das Ding drehen können. Es war mal wieder ein Fußballfest. Mit den Zuschauern im Rücken kann man ein paar Prozente mehr herausholen.“

21 717 Zuschauer sorgten für eine fantastische Atmosphäre im ausverkauften Stadion An der Alten Försterei. Es war die größte Kulisse bei einem Pflichtheimspiel Unions seit dem von 22 000 Fans besuchten Entscheidungshinspiel um den DDR-Oberliga-Klassenerhalt 1984 gegen Chemie Leipzig (1:1). Nach Wiederbeginn setzte sich zunächst der Zweikampf zwischen den Köpenickern und Tschauner fort, der von Benjamin Köhler trotz freier Schussposition nicht bezwungen werden konnte. Doch drei Minuten später zeigte der slowakische Nationalspieler Adam Nemec nach einem Eckball von Mattuschka seine Kopfballstärke beim Treffer zum 2:2. „Nach dem Ausgleich wussten beide nicht so recht, woran sie waren. Wir haben immer wieder versucht, nach vorn zu spielen“, sagte Neuhaus. Unions Cheftrainer selbst gab mit der Einwechslung eines zweiten Stürmers das Signal zur Attacke. Terodde, dem bis dato noch kein Saisontor gelungen war, ersetzte Brandy. 19 Minuten später erzielte Terodde dann das 3:2. Somit sind die Berliner nicht nur seit sechs Pflichtspielen ungeschlagen, sondern endgültig in der Spitzengruppe der Liga angekommen.

Die Hamburger schlichen dagegen traurig vom Rasen. „Wir haben Lehrgeld bezahlt. Wir sind sehr gut ins Spiel gekommen. Wir hatten nach dem 2:0 genügend Möglichkeiten“, ärgerte sich Gästetrainer Michael Frontzeck. „Es ist schade für die Mannschaft. Aber das sind genau die Dinge, an denen wir arbeiten müssen. Nach dem 2:2 in diesem Stadion ausgekontert zu werden, geht nicht“, so Frontzeck. Doch auch er war nicht nur unzufrieden: „Es war insgesamt ein tolles Spiel.“ Matthias Koch

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