3:3 in Helsinki : Vorne Klose, hinten nichts

Gegen Finnland zeigt die DFB-Elf vor allem in der Defensive eine desolate Vorstellung. Aber auch auf anderen Positionen haben nicht alle ihren besten Tag. Es gibt aber auch Lichtblicke: Die Löw-Truppe zeigt enormen Kampfgeist und kann sich über einen berappelten Dreifach-Torschützen freuen. Die deutschen Spieler in der Einzelkritik.

Jörg Vogler
Gomez
Täppisch: Mario Gomez ist heute einer der besten Finnen auf dem Platz. -Foto: dpa

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Robert Enke:

Der Hannoveraner gibt kurz nach dem 3:3 zu Protokoll, dies sei heute ein "undankbares" Spiel für die Torhüter gewesen. Bei einem 3:3 ist das naheliegend. Trotzdem: Enke war etwa beim zweiten Gegentreffer alles andere als machtlos. Außerdem hat gegen Finnland die Absprache mit der deutschen Defensive nicht gestimmt. Kurz nach der Pause verhindert Enke einen Rückschlag durch Johansson, muss dann aber erneut hinter sich greifen. Souverän sieht anders aus.

Abwehr

Clemens Fritz: Der rechte Außenverteidiger zeigt gegen Finnland wie zuletzt gegen Liechtenstein eine desolate Leistung. Leichte Zuspielfehler, ungenaue Flanken, zögerliches Zweikampfverhalten und keinerlei Kreativität nach vorne summieren sich zu einer vernichtenden Bilanz. Wird in der 82. Minute durch Andreas Hinkel ausgetauscht - leider viel zu spät.

Serdar Tasci: Obwohl die Löcher in der Innenverteidigung offenkundig sind, lässt sich insgesamt nur wenig Negatives über den Stuttgarter sagen. Natürlich macht Tasci einige Anfängerfehler, die den Finnen gute Torchancen einbringen. Andererseits klappt bei ihm als einiziger Defensivkraft das Spiel nach vorne; außerdem macht Konterpart Westermann einen weitaus schlechteren Eindruck.

Heiko Westermann: Der Schalker beweist Mut, weil er sich sofort nach Abpfiff vor eine deutsche Kamera stellt. Das ist aber auch alles. Auf dem Rasen hat Westermann einen rabenschwarzen Tag, assistiert Johansson beim 0:1, lässt sich beim 1:2 von Väyrynen ausspielen und steht beim 2:3 ebenfalls auf verlorenem Posten. Ansonsten wechseln sich haarsträubende Stellungsfehler mit mangelnder Absprache in der Defensive und Unsicherheiten im Passspiel ab.

Philipp Lahm: Wenn Philipp Lahm glänzt, kann er das deutsche Team fast im Alleingang zum Sieg schießen. Gegen Finnland ist das nicht so, was man dem Münchner aber nicht vorwerfen kann. Beim 0:1 macht er keine glückliche Figur, auch beim 2:3 sieht Lahm schlecht aus. Offensiv hat er einige gute Szenen, bleibt aber wenig zwingend. Ihm ist zugute zu halten, dass Finnland ihn von Beginn an zustellt. Das dürfte Lahm aber mittlerweile gewohnt sein.

Mittelfeld

Thomas Hitzelsperger: Ist bisweilen eine Bereichung für das deutsche Mittelfeld, gegen Finnland aber nicht. Zwar ist der Stuttgarter stets um Ordnung bemüht, bleibt aber ansonsten farblos und passiv. Seine Ecke führt zum 2:2-Ausgleich durch Klose - das ist aber auch alles. Spektakuläre Weitschüsse: Fehlanzeige. Wird in der 69. Minute durch Mario Gomez ausgetauscht.

Bastian Schweinsteiger: Der Münchner ist neben Klose der beste Mann auf dem Platz. Er müht sich nach Kräften, läuft zum Ende der zweiten Hälfte unermüdlich gegen das finnische Bollwerk an und reißt die Deutschen mit sich nach vorne. Trotzdem bleibt Schweinsteiger spielerisch unter seinen Möglichkeiten.

Simon Rolfes: Dem Leverkusener ist zugute zu halten, einige Löcher im deutschen Mittelfeld gestopft und so Schlimmeres verhindert zu haben. Rolfes glänzt durch Zuverlässigkeit, zeigt zwei gefährliche Weitschüsse, harmoniert aber nur schlecht mit der Defensive. Ob das seine Schuld ist, ist eher fraglich.

Piotr Trochowski: Trochowski zeigte gegen Liechtenstein eine äußerst muntere Vorstellung, an die er gegen Finnland nicht ganz anknüpfen kann. Dennoch: Der Hamburger bereitet das erste Klose-Tor durch einen schönen Pass in die Tiefe vor und wirbelt die sonst so dicht stehenden Finnen regelmäßig durcheinander. Damit ist er einer der besten deutschen Akteure in Helsinki.

Sturm

Miroslav Klose: Bayer Klose ist für alle drei deutschen Tore verantwortlich und schon deshalb über negative Kritik erhaben. Trotzdem ist es zu früh, von einem Ende der Klose-Krise zu sprechen. Der Stürmer wirkt weiterhin verzagt und scheitert etwa in der 31. Minute mit einem Kopfball, obwohl er frei vor dem Tor steht. Sein Vorteil: Die übrigen Stürmer treffen nicht.

Lukas Podolski: Podolski? Hat womöglich vor dem Spiel eine Tarnkappe übergezogen. Im Anschluss sind außerdem keinerlei Schweißperlen auf seiner Stirn auszumachen. Unsere Theorie: Der Münchner war gar nicht auf dem Platz.

Mario Gomez: Macht sich in der Nationalelf zunehmend lächerlich. Beim ersten Kopfball springt er so ungeschickt in den Ball, dass ihm das Leder mitten ins Gesicht knallt und von dort weit neben das Tor springt. Daraufhin läuft Gomez mit hochrotem Gesicht und verrutschter Frisur über den Rasen. So kann das natürlich nichts werden. In der 79. Minute schafft er es zudem, einen Ball, der bereits auf der Torlinie der Finnen liegt, doch noch irgendwie vom Kasten weg zu bekommen. Für die couragierte Rettungsaktion hat er zumindest einen Trostpreis verdient.

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