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3,5 Millionen fehlen : 1860 München steht vor der Insolvenz

Dem TSV 1860 München droht das Aus. Neben elf Millionen Schulden muss der Verein bis Ende März acht Millionen Euro aufbringen. Der Klub steht vor der Insolvenz und dem Sturz in die Bayernliga.

Carsten Eberts

Für den treuen Fan ist die Situation abstrus. Viele berauschende Spiele hat Fußball-Zweitligist 1860 München in dieser Saison noch nicht geliefert – da war das souveräne 5:1 (3:0) gegen den Karlsruher SC am Freitag schon außergewöhnlich. 1860 brillierte zeitweise und verwertete in bester Regelmäßigkeit seine Chancen. Der Gegner war chancenlos, wann hatte es das zuletzt gegeben?

Wenige Stunden zuvor hatte sich auf einer Pressekonferenz jedoch das weitaus bedeutendere Ereignis zugetragen: ein Hilferuf der Vereinsführung. Präsident Dieter Schneider und Geschäftsführer Robert Schäfer saßen auf dem Podium und berichteten in dramatischen Worten, wie es um den Münchner Traditionsklub bestellt ist: Acht Millionen Euro müssen die klammen Sechziger bis zum Monatsende auftreiben, sonst sind sie definitiv pleite. Der März hat nur noch zwölf Tage.

So etwas hat es im deutschen Fußball noch nicht gegeben. Der Ruf richtete sich an alle Instanzen, die gemeinhin über Geld verfügen: Natürlich an die Banken, jedoch auch an Unternehmen, private Investoren und die Politik. „Wir arbeiten fieberhaft an einer Lösung, aber wir haben sie, Stand jetzt, nicht“, sagte Schäfer. 3,5 Millionen werden allein für die laufende Spielzeit benötigt. Zudem fehlen dem Klub weitere 4,5 Millionen Euro, welche die Deutsche Fußball-Liga (DFL) für die kommende Saison verlangt. „Wir wollen ein langfristig tragfähiges Konzept und uns nicht Monat für Monat von Skandal zu Skandal hangeln“, sagte Schäfer und verkündete geradeheraus: „Das ist eine ernste Situation. Und ich kann nicht versprechen, dass wir das schaffen.“ Das Fatale an der Situation ist, dass man Schäfer und Schneider glauben kann. Sie haben die Lage analysiert und bereits kräftig gespart. Mit vielen kleinen Posten, darunter dem Verkauf von elf Spielern sowie einem zehnprozentigen Gehaltsverzicht aller Mitarbeiter, wurde der Bedarf für die kommende Saison von 12 auf 3,5 Millionen Euro gedrückt. Selbst Bayern-Präsident Uli Hoeneß erklärte, dass er in diese 1860-Führung erstmals seit langem Vertrauen habe. Die Mietzahlungen für die Arena haben die Bayern gestundet.

Doch das genügt nicht. Der Kader ist noch immer zu teuer, die Zuschauer bleiben weg, die Altlasten fressen den Deutschen Meister von 1966 auf. Präsident Schneider hofft auf Hilfe aus der Region: „Ich rufe meinerseits auf, wenn es irgendwo irgendwelche Partner gäbe, die uns helfen können, dass sie aus der Deckung kommen und sich bei uns melden.“ Auch Schäfer wählte zum Abschluss dramatische Worte: „Wir sind Münchens große Liebe. München ist nicht nur Champagner und Maximilianstraße. München ist auch eine vierköpfige Familie, der Polizist, der Lehrling oder der normale Arbeiter.“ Die Stadt München müsse „in der Lage sein, so einen Klub mitzutragen“. Ansonsten droht den Löwen die Insolvenz und der tiefe Sturz bis in die Bayernliga.

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