Sport : 3 x 5 = Aus

Haas geht wieder die volle Distanz und scheitert

Matthias B. Krause

New York - Vielleicht sollte er ernsthaft in Erwägung ziehen, sich künftig per Spielzeit bezahlen zu lassen. Insgesamt 13 Stunden und 18 Minuten stand Thomas Haas bei den US Open in Flushing Meadows auf dem Platz, trotzdem reichte es am Ende nur für den Einzug ins Viertelfinale. Dort unterlag er dem russischen Dauerläufer Nikolai Dawidenko – wie wäre es anders zu erwarten – in fünf Sätzen, 6:4, 7:6 (7:3), 3:6, 4:6, 4:6. Schon zuvor hatte der Deutsche in den Runden drei und vier Partien gespielt, die erst im Tiebreak des letzten Satzes entschieden wurden. Der Weltranglistenerste Rodger Federer benötigte für die gleiche Anzahl von Partien neun Stunden und 43 Minuten – und stieß durch einen Sieg gegen James Blake ins Halbfinale am Samstag gegen Dawidenko vor.

Haas hatte geahnt, dass die Begegnung mit Dawidenko eine Tortur werden würde, nicht nur, weil das regnerische Wetter ihn zwang, drei Spiele in vier Tagen zu absolvieren. „Der ist wie ein Tennisroboter“, klagte er, „außerdem hat er in diesem Jahr nur eine Woche ausgelassen, wie er das macht, ist mir schleierhaft.“ Dawidenko sprang wie ein Aufziehmännchen über den Centre-Court, von einer Ecke in die andere, kein Ball war zu lang oder zu kurz, zu schnell oder zu langsam, als dass der Russe nicht wenigstens versucht hätte, ihn zu erreichen. In den ersten beiden Durchgängen leistete sich Dawidenko, dessen größter Erfolg ein Halbfinaleinzug bei den French Open 2005 ist, allerdings allzu menschliche Fehler. 24 sogenannte unforced errors waren es, vor allem Haas’ unterschnittene Rückhand bereitete ihm Probleme.

Doch ab dem dritten Durchgang dominierte der Russe wie von Zauberhand das Geschehen. Haas’ schöner Zwei-SatzVorsprung schmolz dahin, nicht schnell, aber unaufhaltsam. Mit fortlaufender Spielzeit alterte Haas zusehends, Blasen an den Füßen machten ihm zu schaffen, die Oberschenkel, später Krämpfe. Die Wucht seiner Aufschläge sank, die Anzahl seiner Fehler stieg. Im vierten Satz hatte Haas dennoch eine Break-Chance zum 4:2, doch stattdessen glich Dawidenko aus. Im fünften Satz dann fiel Haas schnell zurück, kämpfte sich noch einmal heran, doch das Fleisch war zu unwillig für den Geist, da half auch eine Massagepause nicht mehr.

Der Rest lief für Haas dann nur noch auf Autopilot: duschen, Pressekonferenz, im Hotel ein bisschen Federer gucken und ins Bett fallen. Die Schmerzen gab’s gratis dazu.

„So weit bin ich mit mir zufrieden“, sagte der 28-Jährige trotz des Aus, wohl wissend, dass sein großes Ziel, einmal ein Grand-Slam-Finale zu gewinnen, mit jeder Niederlage in weitere Ferne rückt. Zumindest wird er sich nun den Top Ten nähern. Außerdem darf er ein bisschen hoffen, doch zum Masters Cup nach Schanghai zu fahren. Und gesund bleiben muss er natürlich. Um seine Gesundheit könnte einem allerdings Angst werden, nimmt man den Stoßseufzer zum Maßstab, mit dem sich Haas mühsam nach seinem letzten Interview aus dem Korbsessel stemmte.

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