Sport : 30 450 Fans in Leipzig

4:6 gegen Dynamo Dresden nach Elfmeterschießen

Maria Saegebarth[Leipzig]

Obwohl er nie für Sachsen Leipzig gespielt hat, hat es Ralf Hofmann einmal sogar in den Spielerrat geschafft. Immer und überall dabei war der Fan der BSG Chemie Leizpig, wie sich der Klub vor der Wende nannte, und bald kannten ihn alle Spieler und Verantwortliche. Irgendwann wählten sie ihn sogar in den Spielerrat. Ralf Hofman hat also alles erlebt, die guten Zeiten mit Meisterschaft, Pokal und Europacup. Und deshalb steht er auch jetzt wieder an der Bande und beobachtet seinen Verein, wie er sich gegen den Zweitligisten Dynamo Dresden müht. Und mit 4:6 (1:1, 0:1) nach Elfmeterschießen aus dem DFB-Pokal ausscheidet.

Nach Confed-Cup und dem Endspiel des Ligapokals hat Leipzig am Sonntag einen weiteren sportlichen Höhepunkt erlebt. Das Pokalspiel von Sachsen Leipzig aus der vierten Liga gegen Dynamo Dresden lockte 30450 Zuschauer in die WM-Arena. Es ist eine Begegnung mit großer Tradition, zum 51. Mal trafen die beiden Teams auf dem Fußballfeld aufeinander. Die Zuschauer sollten einen spannenden Fußballnachmittag erleben, allerdings mit einem enttäuschenden Ende für die Heimmannschaft.

Zu Beginn vergaben Maximilian Watzka, Andreas Schwesinger und Adebowale Ogunbure Chancen für Sachsen Leipzig, doch das Spiel machte Dynamo. Der Oberligist bemühte sich, daran ändert sich erst recht nichts, als Dresden nach einem Konter durch Dennis Cagara in Führung ging.

Nach der Pause bekam das favorisierte Team aus Dresden das Spiel sogar noch besser in den Griff. Zumindest bis in den Strafraum. Dynamos-Trainer Christoph Franke wünschte sich später, dass nur einer von den sechs Schüssen den Weg ins Tor gefunden hätte. „Dann hätten wir uns viel erspart.“ Sachsen-Trainer Wolfgang Frank erklärt dagegen seine überfordert wirkende Defensive damit, dass „wir großes Risiko eingegangen sind, um den Ausgleich zu schaffen“. Ein Risiko, das sich lohnen sollte.

Die Dynamo-Fans schienen den drohenden Ausgleich bereits vorausgeahnt zu haben, ab der 70. Minute forderten sie: „Aufhören, aufhören.“ Doch der Schiedsrichter ließ noch eine Weile spielen, bis in die zweite Minute der Nachspielzeit. Dann erst gelang Tino Semmer der Treffer zum 1:1 für Sachsen Leipzig. Der Torschütze war erst in der 71. Minute eingewechselt worden.

„Wer nicht alles gibt, gibt nichts“, lautete das Motto des Vereins seit der Saison 1963/64, als Sachsen Leipzig Meister wurde. Es scheint offenbar auch bei der neuformierten Mannschaft der aktuellen Spielzeit seine Gültigkeit zu haben. In der Verlängerung kämpfte Sachsen Leipzig weiter tapfer gegen die drohende Niederlage und schaffte es bis in das Elfmeterschießen. Vielleicht auch, weil Dresdens Dexter Langen nach einem groben Foulspiel die Rote Karte sah. Im Elfmeterschießen scheiterte Kittler dann an Dynamos Torwart Kresic. Witold Wawrzyczek hatte die Möglichkeit das Spiel für Dresden zu entscheiden. Er lief an – und traf.

Ein paar Sekunden der Trauer galt es für die Leipziger Fans noch zu überstehen, dann bedankten sie sich euphorisch für die kämpferische Leistung bei ihren Spielern. „Darum bin ich seit Jahrzehnten dabei“, hatte der treue Ralf Hofmann bereits gesagt, als Leipzig der späte Ausgleich gelungen war. Jetzt will er „seine Chemie-ler“, die jetzt Sachsen heißen, bald wieder sehen. Am Mittwoch – in der Oberliga.

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