30 MINUTEN mit … : Cacau

Wie Stuttgarts Stürmer das Spiel teilweise erlebte

Sven Goldmann

Die Nürnberger Fans haben Cacau nicht vergessen. Bei keinem Stuttgarter pfeifen sie so laut wie bei dem bulligen Brasilianer. Cacau ist in Nürnberg nicht besonders beliebt, seitdem er den Club vor vier Jahren verlassen hat. Das war nach einer desaströsen Saison, die für Nürnberg mit dem Abstieg endete und für Cacau mit einem guten Vertrag in Stuttgart.

Der Brasilianer ist der einzige echte Stuttgarter Stürmer in diesem Finale. Rechts bemüht sich Hilbert um Unterstützung, auf der linken Seite versucht sich da Silva auf ungewohntem Terrain. So hat der VfB noch nie gespielt, aber es klappt gut am Anfang, und das liegt vor allem an Cacau. In der achten Minute erläuft er sich einen langen Pass von Meira, technisch perfekt stoppt er den Ball, geht ein paar Schritte bis zum rechten Strafraumeck und versucht einen Heber. Nürnbergs Torhüter Schäfer aber ist groß genug und fängt den Ball.

Jetzt ist Cacau im Spiel, die Nürnberger Innenverteidigung mit Wolf und Nikl hat ihre liebe Mühe. Khedira spielt sich auf der linken Seite durch, Cacau läuft mit, aber Pinola hält ihn am Trikot fest. Der Schiedsrichterassistent hat gute Sicht aufs Geschehen und lässt seine Fahne doch unten. Cacau wirft einen bösen Blick zur Seitenlinie. Die beiden werden sich noch einiges zu sagen haben.

Noch aber hat Cacau Spaß am Spiel. Wolf lässt ihn laufen und attackiert Khedira, doch der köpft den Ball über den Nürnberger, direkt in den Lauf von Cacau. Mit der Brust stoppt er den Ball, lässt ihn einmal tippen und stupst ihn mit der Fußspitze an Schäfer vorbei in die rechte Ecke. Zum Jubeln stürmt der Schütze zur Seitenlinie, er pflügt über den Rasen direkt vor eine Fernsehkamera. 20 Minuten sind gespielt, und sehr viel mehr bleiben ihm in diesem Finale nicht mehr.

Den Nürnberger Ausgleich erlebt er kopfschüttelnd an der Mittellinie. Bald ist es vorbei. Die verhängnisvolle Szene ereignet sich nach einer halben Stunde. Im offensiven Niemandsland kurz hinter dem Mittelkreis sprintet er gegen Wolf und fährt auf einmal den rechten Arm aus. Einfach so, ohne sichtbar provoziert worden zu sein. Er verfehlt zwar Wolfs Magengrube, aber der Assistent hat beste Sicht auf die versuchte Tätlichkeit. Torhüter Schäfer rennt zum Tatort, seine Kollegen protestieren. Für ein paar Minuten herrscht ein Durcheinander wie beim WM-Finale vor knapp einem Jahr an selber Stelle, als die Herren Zidane und Materazzi aneinander gerieten. Der Assistent informiert seinen Schiedsrichter, und der zieht sofort die Rote Karte. Cacau akzeptiert sie ähnlich ergeben wie der große Zidane. Betreten verlässt er den Platz. Sein Weg in die Katakomben ist derselbe Weg, den auch Zidane ging.

Später nimmt Cacau einen Platz auf der Tribüne ein. Das Fernsehen zeigt seine Tränen. Plötzlich ist er auf der großen Videowand zu sehen, und wieder pfeifen die Nürnberger Fans. Die Stadionregie verzichtet auf weitere Bilder, doch eine Erinnerung an Cacau bleibt. Es sind die Furchen im Rasen an der Seitenlinie, direkt vor der Fernsehkamera, wo er sein Führungstor so ausgelassen gefeiert hatte. Sven Goldmann

0 Kommentare

Neuester Kommentar