Sport : 30 Minuten Vollgas

Heute wird über die Regeländerungen in der Formel 1 entschieden

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London (Tsp). Die Formel 1 ist langweilig. Das meint der Präsident des WeltmotorsportVerbands Fia, Max Mosley. Deswegen hat er vorgeschlagen, den so überlegenen Michael Schumacher und seinen Rennstall Ferrari durch Regeländerungen einzubremsen, die von Zusatzgewichten bis zum Fahrertausch (die Piloten wechseln in der Saison die Autos) reichen. Heute soll die Formel-1-Kommission in London über diese Vorschläge entscheiden.

Scheitern werden diese Pläne aber ausgerechnet an denen, die am meisten unter Ferraris Dominanz leiden: den Konkurrenten. Denn Teams wie McLaren-Mercedes oder Williams-BMW empfinden sie als Kritik an den eigenen Fähigkeiten. „Wir wollen den Gegner schlagen, wenn er am stärksten ist“, sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug, und mit dieser Meinung ist er nicht allein. Auch Schumacher traut seinen Gegnern mehr zu als Mosley. „Die Formel 1 wird sich von selbst regulieren. Die anderen werden schon rankommen.“

Die Teams haben sich vor der Sitzung untereinander abgesprochen, „damit uns Mosley mit seinen Wahnsinnsvorschlägen nicht in eine Ecke treibt“, wie Jaguars Teamchef Niki Lauda sagt. Der frühere Weltmeister hat genug Erfahrung in der Formel 1, um nicht mit überhasteten Aktionen mehr Schaden als Nutzen anzurichten. Das gilt für fast alle zwölf Vertreter der Teams unter den 26 Kommissionsmitgliedern. Sie können die Änderungen blockieren, weil für technische Neuerungen Einstimmigkeit und für sportliche Regeländerungen 18 Stimmen nötig sind.

Zumindest ein paar Vorschläge werden aber wohl angenommen. Der wichtigste: Das Qualifikationstraining wird reformiert. Ab der nächsten Saison sollen je zweimal 30 Minuten am Freitag und am Sonnabend über die Startplätze entscheiden. Damit soll der bislang bedeutungslose Freitag aufgewertet werden und mehr Zuschauer anlocken. Neu ist das nicht. Qualifyings am Freitag und Sonnabend gab es schon einmal – erst 1996 wurden sie zu einem einzigen zusammengefasst. Grund: zu langweilig.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Fahrer künftig nacheinander für eine Runde auf die Strecke gehen. Die kleineren Teams dürften davon begeistert sein, denn dann sind ihre Autos (inklusive Sponsoren) öfter im Fernsehen zu sehen. Um auch ihre Chancen auf der Strecke zu verbessern, sollen sie von den Reifenherstellern künftig mit speziellen Gummimischungen beliefert werden. Momentan gibt es Einheitsreifen, die jedoch auf Topteams wie Ferrari zugeschnitten sind.

Auch die Einschränkung der Testfahrten auf zwölf Tage im Jahr und andere Technikänderungen dürften durchgesetzt werden. Dadurch sollen Kosten gesenkt werden. Laut Mosley muss die Formel 1 wegen sinkender Zuschauer- und Werbeeinnahmen jährlich „mindestens 500 Millionen Euro“ einsparen.

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