• 3000 Zuschauer - Uli Hoeneß sieht keine Zukunft für den Hallenfußball in Deutschland

Sport : 3000 Zuschauer - Uli Hoeneß sieht keine Zukunft für den Hallenfußball in Deutschland

Michael Rosentritt

"Entweder man macht das ganz oder gar nicht", sagte Dieter Hoeneß am Dienstagabend am Rande fast leerer Ränge in der Schmeling-Halle. Beim Berliner Hallenfußballturnier hatten sich nicht einmal 3000 Zuschauer eingefunden. Der Manager von Hertha BSC sprach gar vom "schleichenden Tod". Dennoch sieht er im Gegensatz zur Meinung seines Bruders Uli, den Manager Bayerns, diese Wettbewerbsform nicht ganz oben auf der Streichliste. Komisch, vor zwei Jahren noch dachte derselbe Uli über eine eigene Hallenrunde nach. 1997 gab es noch 15 Qualifikationsturniere und das Finale über eine Strecke von 23 Tagen.

In diesem Jahr sind für alle 36 Profivereine innerhalb von zwölf Tagen nur noch vier Turniere zu spielen und eventuell das Finale in München am kommenden Wochenende. "Vielleicht sollten wir zu Einladungsturnieren mit ausländischen Mannschaften zurückkehren. Zumindest fehlt das Lokalkolorit. Hier gehören Mannschaften wie Hansa Rostock und Energie Cottbus her." Hoeneß hätte nichts gegen Mannschaften der Spielvereinigungen von Greuther Fürth und Unterhaching, "doch die setzten nun nicht gerade eine Massenbewegung in Berlin frei", sagt auch Michael Novak, der Pressesprecher DFB. So, wie das seit dem ersten großen Hallenturnier in Berlin vor knapp 30 Jahren in Berlin immer der Fall war, zumal das Turnier damals an Wochenenden ausgetragen wurde.

Heute sieht Uli Hoeneß wegen der Flut der Spieltermine (früher Rückrundenstart der Bundesliga wegen der EM, Champions-League- und Länderspiele) keine Zukunft mehr für den Hallenfußball in Deutschland. "Hallenfußball ist nicht mehr zeitgemäß". Im dritten Jahr wird der DFB-Hallen-Pokal von der "Fußball-Bundesliga Marketing GmbH" veranstaltet. "Die Mehrheit der Vereine möchte diese Wettbewerb erhalten", sagt Novak. Über fünf Millionen Mark sind diesmal an Start- und Preisgelder zu verdienen. Die drei anderen Qualifikationsturniere in Oberhausen, Riesa und Stuttgart waren sehr gut besucht, die Hallen teilweise ausverkauft. Dort hätte man sehr viel mehr auf die regionale Zuordnung geachtet. In Oberhausen waren acht Westvereine am Start, in Stuttgart acht Südwestvereine. Und in Riesa spielten die drei übrig gebliebenen ostdeutschen Profimannschaften. "Die Zusammenstellung des Berliner Turniers ist sicherlich nicht optimal", sagt Novak. Man hätte zu sehr auf den großen Popularitätszuwachs Hertha BSC im letzten Jahr gesetzt. "Aber wo hätten wir Mannschaften wie Unterhaching, Nürnberg, Greuther Fürth oder St. Pauli sonst einsortieren sollen", fragt Novak.

Der Berliner Fußballfan ist übersättigt durch die Erfolge Herthas in der Bundsliga bis hin zur Champions League. Hallenfußball zog in Berlin immer. Aber das war auch zu einer Zeit, als Hertha Tabellenvierzehnter in der Zweiten Liga war. Heute kommen alle großen deutschen Vereine in der Bundesliga nach Berlin, und gelegentlich Mailand, London oder Barcelona vorbei.

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