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32:30-Sieg gegen Frankreich : Deutschlands Handballer sind Gruppensieger

Eins, zwei oder drei: Das waren die Plätze, die die deutschen Handballer in ihrer Gruppe belegen konnten - je nachdem, wie das letzte Gruppenspiel gegen Frankreich ausginge. Am Ende reicht es zur Sensation. Im Achtelfinale wartet nun ein Außenseiter.

Erik Eggers
Ganz großer Wurf: Deutschlands linker Rückraumspieler Sven-Sören Christophersen gegen Frankreichs Nikola Karabatic im entscheidenden Gruppenspiel.
Ganz großer Wurf: Deutschlands linker Rückraumspieler Sven-Sören Christophersen gegen Frankreichs Nikola Karabatic im...Foto: AFP

Ein Rausch war es teilweise, ein Handballspiel auf höchstem Niveau auf alle Fälle. Und als Patrick Groetzki, der Rechtsaußen aus Mannheim, den letzten Ball entschlossen in die Maschen drosch, war die Sensation perfekt: Mit 32:30 (16:16)-Toren siegten die deutschen Handballer gegen Frankreich, den Topfavoriten dieser 23. Weltmeisterschaft. Es war gleichzeitig eine Art Wiederauferstehung für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB), die in den vergangenen Monaten herbe Kritik hatte einstecken müssen. „Wir hatten keinen Druck“, sagte Bundestrainer Martin Heuberger hinterher, sichtlich geschafft nach der dramatischen Schlussphase im Palau Sant Jordi in Barcelona. „Aber es war für uns sehr wichtig, dass wir an einen Sieg geglaubt haben. Ich bin sehr stolz. Meine Spieler haben heute sehr stark gespielt.“

Mit nun 8:2-Punkten sicherte sich das Team den Sieg in der Vorrundengruppe A und bekommt es nun am Sonntag (15.45 Uhr, live im ZDF) im Achtelfinale Außenseiter Mazedonien zu tun. „Wenn wir das Achtelfinale am Sonntag nicht gewinnen, war dieser Sieg sinnlos“, sagte Steffen Fäth mit Blick auf die K.o.-Runde.

Frankreich gegen Deutschland, das war bei der WM 2007 ein Thriller, als die DHB-Auswahl nach zwei Verlängerungen in Köln mit 32:31-Toren siegte und den Grundstein für den dritten WM-Titel legte. Frankreich gegen Deutschland, das war bis Freitagabend kein Duell auf Augenhöhe mehr. Gegen den Weltmeister der Jahre 2009 und 2011 kassierten die Deutschen teils böse Pleiten.

Doch der krasse Außenseiter, der zu Beginn des Turniers gehemmt und unsicher gewirkt hatte, wirkte wie verwandelt. Er explodierte förmlich in der ersten Halbzeit und bot Hochgeschwindigkeitshandball auf höchstem Niveau. Die Taktiken im Rückraum, die zunächst der überragende Michael Haaß steuerte, funktionierten nahezu perfekt, sodass die deutschen Schützen zu guten Wurfgelegenheiten kamen. Alle Rückraumschützen strahlten Torgefahr aus. Selbst das große Handicap, in den ersten 13 Minuten vier Zeitstrafen zu kassieren - zwei davon allein für Abwehrchef Oliver Roggisch, der damit schon früh vor einer Roten Karte stand -, ließ die DHB-Auswahl kalt.

Die deutschen Handballer traten frech auf, geradezu aufmüpfig, überraschten die 6:0-Deckung der Franzosen ein ums andere Mal, und trafen auch in Unterzahl. Dem 0:4-Negativlauf, der das Team zum 5:8 in Rückstand brachte, ließen die sie ihrerseits einen 4:0-Lauf zur 11:9-Führung folgen. Es war nicht nur in dieser Phase ein großartiges Handballspiel, schnell, spektakulär, technisch anspruchsvoll. Und obwohl die Franzosen nun spürbar den Druck erhöhten, blieben die Deutschen dran. Nun trafen sie auch vom Kreis, und weiter durch Abschlüsse nach Schnellangriffen; der ehemalige Welttorhüter Thierry Omeyer (THW Kiel) schaute den Bällen nur verdutzt hinterher. Die rund 800 deutschen Fans in der Halle feierten Roggisch & Co. schon, als sie mit einem hochverdienten 16:16 in die Kabine gingen.

Nach der Pause überrumpelte die DHB-Auswahl die Franzosen förmlich: Zwei blitzschnelle Tempogegenstöße, verwandelt durch die Flügel Groetzki und Dominik Klein, dazu ein Rückraumgeschoss von Haaß, und Deutschland lag fix 19:16 vorn. Eine umstrittene Zeitstrafe gegen Fäth brachte die Franzosen wieder heran. Aber dann steigerte sich der Weltmeister von 2007 in einen wahren Rausch. Nach einem furiosen 5:0-Lauf, den Groetzki von Rechtsaußen abschloss, führte Deutschland mit 27:22. Nach einer Auszeit stellten die Franzosen ihr 6:0-Abwehrsystem auf 5:1 um, mit Daniel Narcisse (Kiel) als Speerspitze. Tatsächlich stürzte das die Deutschen in Probleme. Beim 28:27 war der Favorit wieder dran. Doch die Deutschen konterten. Als Fäth einen Schlagwurf zum 31:28 eindrosch, war der Sieg so gut wie sicher. Den Rest besorgten Keeper Silvio Heinevetter, mit einem gehaltenen Strafwurf, und Groetzki.

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