33:30-Sieg gegen Flensburg : Im Norden nichts Neues: Kiel gewinnt DHB-Pokal

In einem spannenden Finale schlägt das Team von Alfred Gislason die SG Flensburg-Handewitt 33:30.

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Zum dritten. Die Kieler Mannschaft verteidigt erneut den Pokal.
Zum dritten. Die Kieler Mannschaft verteidigt erneut den Pokal.Foto: dpa

Im Rausch des Erfolgs ist das mit der Selbstreflektion manchmal so eine Sache. Da sagt man schon mal Sätze, die nicht ganz ernst gemeint sind – oder man singt sie halt, so wie es die Anhänger des THW Kiel am Sonntagnachmittag handhabten. „Oh, wie ist das schön“, skandierte der schwarz-weiße Block nach dem Finale um den Pokal des Deutschen Handball-Bundes (DHB) in der mit 13 052 Zuschauern ausverkauften Hamburger Arena. Dass man so etwas schon lange nicht gesehen habe – eine glatte Lüge des siegestrunkenen Anhangs. Schließlich war der THW bis zum gestrigen Endspiel in fünf der letzten sechs Pokalendspiele eingezogen und hatte alle für sich entschieden. Am Sonntag ließ der deutsche Rekordmeister und Rekordpokalsieger nun den nächsten Titel folgen, den ersten in der laufenden Handball-Saison. Nach 2011 und 2012 besiegten die Kieler im Endspiel erneut die SG Flensburg-Handewitt, 33:30 (12:16) hieß es nach 60 Minuten. Im Norden nichts Neues also.

„Wir waren 30 Minuten die bessere Mannschaft“, sagte Flensburgs Trainer Ljubomir Vranjes. „Unser gesamter Team-Stab hat wirklich alles gemacht, um die Kieler zu schlagen – taktisch, kämpferisch, wir waren vorbereitet“, ergänzte der Schwede. „Aber es hat mal wieder nicht gereicht – deshalb werde ich heute ganz schlecht schlafen.“ Kiels Trainer Alfred Gislason kommentierte den Titel gewohnt routiniert, er sprach von einem „verdienten Sieg meiner Mannschaft, ich bin sehr, sehr stolz, wie sie zurückgekommen ist“. Für den THW war es bereits der neunte Titel seit dem Amtsantritt von Gislason 2008.

Beide Mannschaften waren mit unheimlicher Intensität ins Spiel gegangen, allein in der ersten Halbzeit musste das souveräne Schiedsrichter-Gespann Lars Geipel/Marcus Helbig zehn Zeitstrafen verteilen. Weil die Hinausstellungen beide Teams gleichermaßen betrafen, profitierten allerdings weder die Flensburger noch die Kieler von ihren Überzahlsituationen – bis zum 9:9 konnte sich kein Team absetzen. In der Schlussphase des ersten Durchgangs gelang das schließlich den Flensburgern, die in Torhüter Mattias Andersson und Spielmacher Thomas Mogensen die überragenden Spieler der ersten 30 Minuten in ihren Reihen hatten. Bis zur Pause spielte die SG dank toller Rückraumtreffer von Steffen Weinhold eine 16:12-Führung heraus. Die Kieler wankten, aber zu Boden gingen sie nicht. „Trotz des Rückstandes waren wir nicht hoffnungslos“, sagte THW-Coach Alfred Gislason. „Wir haben die Situation ganz sachlich besprochen und sind dann wieder aufs Feld gegangen“, ergänzte der Isländer in der ihm eigenen trockenen Art. Und ganz offensichtlich hatte er seinen Spielern die richtigen Worte mit auf den Weg gegeben.

Der THW beantwortete den Flensburger Drang vor der Pause seinerseits mit einem 8:1-Lauf (20:17/42.). „Wenn man in 14 Minuten zwei Tore wirft, kann man gegen diesen Gegner nicht gewinnen“, sagte Vranjes. Ausgangspunkt für die Kieler Aufholjagd war dabei einmal mehr Torhüter Thierry Omeyer, der das Tor mit all seinen Körperteilen regelrecht vernagelte und die deutlich in der Überzahl befindlichen Flensburger Fans zum Verstummen brachte. „Als wir mit zwei, drei Treffern vorn waren, lief unser Spiel auf einmal auch viel flüssiger“, sagte Gislason. Mit dem Selbstverständnis eines Triple-Siegers – der THW hatte im Vorjahr die deutsche Meisterschaft, den nationalen Pokal und die Champions League gewonnen – brachten die Kieler ihre Führung schließlich souverän über die Zeit.

Einziger Wermutstropfen bei den Kielern bleibt an diesem Wochenende also die schwere Verletzung von Christian Zeitz. Der Rückraumspieler erlitt im Halbfinalspiel am Samstag einen Bruch der rechten Mittelhand und fällt wahrscheinlich bis zum Saisonende aus.

Auch ohne Zeitz besitzt Gislasons Team nun aber erneut die Chance, drei Titel in einem Jahr zu holen. Ob diese Aussicht Anlass für eine kleine Party am Abend sei, wurde der Trainer noch gefragt. Wobei Kiels Geschäftsführer Klaus Elwardt die Frage beantwortete. „Wie ich Alfred kenne, wird er das Training am Montag ganz großzügig um eine Stunde nach hinten verschieben.“

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