• 34. Wasserball-Meisterschaft: Wasserfreunde Spandau: Rekordmeister der Rekordmeister
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34. Wasserball-Meisterschaft : Wasserfreunde Spandau: Rekordmeister der Rekordmeister

Die Wasserfreunde Spandau siegen 13:7 im dritten Finalspiel gegen den ASC Duisburg und holen ihren 34. Meistertitel. Da kommen nicht einmal Bayern München und der THW Kiel mit. Die Wasserballer müssen dennoch um Zuschauer kämpfen.

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Marko Stamm (mit Pokal) und die Wasserfreunde Spandau feiern ihre 34. Meisterschaft. Foto: Camera4
Marko Stamm (mit Pokal) und die Wasserfreunde Spandau feiern ihre 34. Meisterschaft.Foto: Camera4

Marko Stamm streckte beide Zeigefinger aus dem Wasser und wackelte mit ihnen hin und her. Gerade hatte er das vorentscheidende Tor zum zwischenzeitlichen 10:5 für die Wasserfreunde Spandau gegen den ASC Duisburg erzielt. Und der einzige Trommler gab den Takt für seinen Jubel vor. Am Ende gewannen die Wasserfreunde 13:7 und damit auch die Finalserie mit 3:0. Nach dem Schlusspfiff feierten Stamm und seine Teamkollegen im Wasser weiter. Sie schubsten Trainer Petar Kovacevic ins Becken und animierten die rund 500 Zuschauer in der Schöneberger Schwimmhalle zur Laola.

So überschwänglich der erste Jubel am Sonntag über das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Supercup ausfiel, für die Spandauer ist es Routine. Weniger als die Meisterschaft geht für sie eigentlich nicht. Es ist der 34. Meistertitel der Wasserfreunde – in 37 Jahren. Sie dominieren ihre Sportart in Deutschland wie kein anderer Verein, da können nicht einmal die Fußballer von Bayern München oder die Handballer vom THW Kiel mithalten. Die Wasserfreunde sind der Rekordmeister unter den Rekordmeistern. Doch auch nach diesem Titel gab es keine Autokorsos oder eine Feier mit Pokal auf dem Balkon des Roten Rathauses. Im Berliner Sport bewegen sich die Spandauer fast unter dem Radar. Das hat natürlich mit der enormen Konkurrenz zu tun – mit den Profiklubs im Fußball, Eishockey, Basketball, Handball und Volleyball, aber auch damit, dass Wasserball eben nur eine Randsportart ist. Wie ist das also, wenn man in der eigenen Sportart so eine exponierte Stellung besitzt, in der eigenen Stadt jedoch kaum wahrgenommen wird?

"Wir machen das nicht für die Aufmerksamkeit"

Marko Stamm lehnt sich weit zurück in seinen Stuhl, als er diese Frage hört. Wenige Tage vor dem Titelgewinn sitzt er auf einer Terrasse nahe des Forumbads im Olympiapark, dort trainiert die Mannschaft. Der Kapitän der Wasserfreunde – breite Schultern, muskulöse Oberarme, ordentlich getrimmter Bart – erzählt davon, wie er in Ungarn mal vor 5000 Leuten gespielt habe. Die Partie wurde im Fernsehen gezeigt, die Spieler des Gegners sind dort Stars. Bei vielen Spielen der Wasserfreunde kommen etwa ein Zehntel so viele Besucher. Und wer kennt schon Marko Stamm? „Natürlich möchten wir so viele Fans wie möglich im Rücken haben“, sagt der 26-Jährige, doch dann ergänzt er: „Wir machen das alles aber auch nicht für die Aufmerksamkeit – wir wollen erfolgreich sein.“
Die Wasserfreunde Spandau bedeuten für ihn Familie. Sein Vater, Hagen Stamm, spielte von Ende der siebziger Jahre bis in die Neunziger hinein für den Klub, es war die erfolgreichste Zeit mit vier Siegen im Europapokal der Landesmeister. Heute ist er Vereinspräsident. Seine Mutter war Schwimmtrainerin bei den Wasserfreunden.
Das Familiäre pflegen die Wasserfreunde besonders. Auch die aktuelle Mannschaft hält die mehr als 30 Jahre alte Tradition aufrecht, dass sie sich immer Mittwochs zum gemeinsamen Frühstück trifft. „Das ist enorm wichtig für den Zusammenhalt“, betont Stamm.
Nicht nur deshalb gibt es auch regelmäßig viel Austausch mit den Moby Dicks – so werden im Verein die ehemaligen Spieler genannt. Einer von ihnen ist Peter Röhle. Der 58-Jährige, auch breite Schultern, aber dünne graue Haare, war an bisher allen Titeln der Spandauer beteiligt. Zunächst als Torhüter, später als Trainer und sportlicher Leiter, mittlerweile ist er eine Art Manager. Wobei Röhle die Bezeichnung nicht so mag. Er habe ja nicht mal ein Büro, sagt er. Und überhaupt arbeite er hauptberuflich als Einsatztrainer und Sportlehrer bei der Polizei. Von den Wasserfreunden kommt er aber nicht los. Dieses Familiengefühl vermitteln die Wasserfreunde auch während der Spiele in der Schwimmhalle Schöneberg. Das alte Gebäude ist dann aufwendig mit großen rot-schwarz-weißen Bannern und Spielerpostern geschmückt – und für einige Zuschauer gibt es Tische direkt am Beckenrand. Auch diese Plastiktische sind mit bunten Servietten und Blümchen geschmückt. Ganz nah am Geschehen können die Besucher ihr Bier trinken und ihren Imbiss essen.

Mit ungewöhnlichen Aktionen wollen die Spandauer Zuschauer locken

Der Zuschauerandrang hält sich dennoch in Grenzen. So müssen sich die Spandauer immer wieder besondere Aktionen überlegen, um aufzufallen in Berlin. Ende März setzten sie voll auf ihre Wasserballer-Körper. Nur in Badehose und Kappe warben sie in der S- und U-Bahn für ein Champions-League-Heimspiel. Viele Frauen wollten Fotos mit ihnen machen. Sie verteilten 4000 Freikarten, obwohl die Halle nur Platz für 1500 Zuschauer bietet. Am Ende kamen 600 Besucher.
Stamm und seine Teamkollegen wollen auch in der nächsten Saison wieder in ungewöhnlicher Umgebung auffallen. Und sie haben einige Ideen, wie man Wasserball noch besser in der Halle präsentieren könnte. Mit Unterwasserkameras zum Beispiel, die die zahlreichen Aktionen unter der Wasseroberfläche auf eine Leinwand projizieren. Peter Röhle lässt sich von diesem Elan gern anstecken, aber für Marketing hat er einfach keine Zeit. Er muss den Etat von rund 400.000 Euro zusammenbekommen und eine starke Mannschaft aufbauen, die jedes Jahr aufs Neue die Meisterschaft gewinnen kann. Und vielleicht noch mehr. Für die nächsten Jahre peilen die Spandauer einen Erfolg in der Champions League an. Das wäre dann auch für die Wasserfreunde-Familie alles andere als Routine.

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