4:2-Auswärtssieg : Der HSV schlägt Meister Wolfsburg

Mit Tempofußball und guter Moral hat der Hamburger SV die Heimserie des Meisters VfL Wolfsburg beendet. In einem Spiel voller Klasse kam der HSV am Sonntag in der ausverkauften Wolfsburger Arena zu einem 4:2 (2:0)-Erfolg.

Stefan Hermanns[Wolfsburg]
VfL Wolfsburg - Hamburger SV
Vier gewinnt. In Wolfsburg gab es für den HSV viel zu jubeln.Foto: dpa

In den meisten Stadien der Fußball-Bundesliga gibt es in der Pause mehr oder weniger originelle Halbzeitspielchen zur Unterhaltung des Publikums. In Wolfsburg treten drei Zuschauer an, die einen Ball von der Mittellinie ins Tor schießen müssen, ohne dass der zuvor den Boden berührt. Der letzte Kandidat versuchte es gestern auf Socken – und scheiterte kläglich. Sein Auftritt war das passende Statement zum Auftritt des VfL. Wie auf Samtpfötchen war der Deutsche Meister in der ersten Halbzeit dahergekommen. 0:2 lag er gegen den Hamburger SV zurück, 2:4 hieß es am Ende, obwohl die Wolfsburger zwischenzeitlich zum 2:2 ausgeglichen hatten. Nach fünf Siegen hintereinander endete damit die Erfolgsserie des VfL. „Eines Tages musste es passieren“, sagte Stürmer Grafite. Der HSV hingegen rückte nach einer beeindruckenden Vorstellung auf Platz zwei vor.

Sechzehn Mal hatten die Wolfsburger hintereinander im eigenen Stadion gewonnen. Die Hamburger aber begannen so, als hätten sie nie zuvor von dieser Serie gehört. Sie zeigten sich vollkommen unbeeindruckt, dominierten den Hausherrn von der ersten Minute an und piesackten ihn, wo sie nur konnten. Der VfL wusste in seiner Hilflosigkeit kaum, wohin mit sich.

Schon in der dritten Minute fanden die Kräfteverhältnisse ihre Entsprechung im Ergebnis. Mit einem feinen Angriff spielten Ze Roberto und Jarolim ihren Kollegen Paolo Guerrero frei, dessen Schuss von der Strafraumgrenze prallte an den Pfosten, flog Wolfsburgs Torhüter Diego Benaglio gegen den Rücken und von dort doch noch ins Tor. Den Hamburgern gelangen in der ersten Halbzeit auch die ganz schwierigen Dinger.

Auch vor dem 2:0 nur fünf Minuten später wählte der HSV den Umweg über Benaglio. Der Schweizer konnte einen Schuss von Mladen Petric noch mit dem Fuß abwehren, Eljero Elia aber wuselte sich an zwei Wolfsburgern vorbei in den Strafraum und überwand dann auch noch Benaglio. „Das hatte mit Fußball nichts zu tun“, sagte Wolfsburgs Trainer Armin Veh über den Auftritt seiner Mannschaft. „Wir waren eigentlich nicht auf dem Platz, haben fast alle Zweikämpfe verloren.“

Der Meister spielte wie eine Mannschaft, der zuletzt alles viel zu leicht gefallen ist. Selbst beim Stand von 0:2 versuchten die Wolfsburger es noch mit Hacke und Spitze; die Hamburger hingegen kombinierten schneidig und direkt, hatten immer das Ziel im Blick. Mit ihrem aggressiven Pressing kam der VfL überhaupt nicht zurecht. Allein Torhüter Benaglio hielt sein Team einigermaßen im Spiel. Zehn Schüsse parierte er im gesamten Spiel; gleich zweimal rettete er in der ersten Halbzeit gegen den frei vor ihm auftauchenden Guerrero. „Das waren keine kleinen Chancen“, sagte Hamburgs Verteidiger Joris Mathijsen. „Das waren Riesenchancen.“ Die beste vergab Piotr Trochowski, der es ohne Not mit einem Heber versuchte und nur die Latte traf.

Derartige Nonchalance rächt sich in der Regel. Veh brachte zur zweiten Halbzeit Obafemi Martins als dritten Angreifer, der VfL versuchte es jetzt mit Wucht und brachte den HSV in arge Bedrängnis. Erst verkürzte Zvjezdan Misimovic nach Vorarbeit von Marcel Schäfer, dann rettete Frank Rost im Tor der Hamburger zweimal großartig – und war dann doch machtlos, als Martins im Fünfmeterraum völlig frei zum Ausgleich einköpfen konnte. Innerhalb von drei Minuten schien der VfL das Spiel gedreht zu haben.

„Wenn du beim Meister 2:0 führst und dann den Ausgleich kassierst, denkt man: Die gewinnen locker“, sagte Joris Mathijsen. Aber der Elan der Wolfsburger war mit dem augenscheinlich erschöpft. Die Hamburger schlugen nun ihrerseits zurück. Mladen Petric brachte den HSV wieder in Führung, der eingewechselte Romeo Castelen erhöhte in der Schlussminute auf 4:2. Für den Holländer war es das erste Bundesligator, nachdem er anderthalb Jahre lang verletzt ausgefallen war.

„Und ihr wollt Deutscher Meister sein“, sangen die Hamburger Fans zum Abschied. An der Rechtmäßigkeit des Wolfsburger Titelgewinns war schon lange nicht mehr gezweifelt worden. Dass sie Meister sind, kann ohnehin niemand bestreiten; ob sie es wieder werden, wird sich nicht am dritten Spieltag entschieden haben. Trotzdem sagte Armin Veh: „Die Favoriten sind jetzt erst mal andere.“ Der HSV zum Beispiel.

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