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4:2 gegen Düsseldorf : Hertha springt nach oben

Munteres Spielchen im Olympiastadion: Durch den 4:2-Sieg vor 36.162 Zuschauern gegen Fortuna Düsseldorf ist Hertha wieder Spitzenreiter der Zweiten Bundesliga.

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Berlins Nikita Rukavytsya jubelt über seinen Treffer zum 2:1 gegen Düsseldorf.
Berlins Nikita Rukavytsya jubelt über seinen Treffer zum 2:1 gegen Düsseldorf.Foto: dpa

Als die Nachspielzeit lief, lief Adrian Ramos noch einmal groß auf. Die Stimmung im Olympiastadion war ausgelassen, der Gastgeber Hertha BSC führte 3:2 in einem engen Match gegen Fortuna Düsseldorf, das wie wild das Berliner Tor berannte und auf den Ausgleich drängte. Der Gegenstoß der Berliner war die letzte Aktion. Ramos lief auf das Düsseldorfer Tor zu und als er sah, dass ihm der Torhüter entgegeneilte, setzte der Kolumbianer zu einem sehenswerten Lupfer an. Der Ball beschrieb einen hohen Bogen und fiel zum 4:2 ins Netz. Der Schiedsrichter pfiff ab und Ramos, der schon zum zwischenzeitlichen 1:1 getroffen hatte, drehte noch eine kleine Runde.

Es hat ein Weilchen gedauert, aber Hertha ist nun wieder da, wo der Hauptstadtklub sich dem eigenen Verständnis nach am liebsten sieht: ganz oben. Durch den 4:2 (1:1)-Sieg vor 36.162 Zuschauern sind die Berliner nach 65 Tagen wieder Spitzenreiter. Nach den beiden Auftaktsiegen der noch jungen Rückrunde und dem Patzer des FC Augsburg besitzen die Berliner beste Aussichten, ihr Saisonziel zu erreichen: die Zweite Liga nach der Mindestverweildauer von nur einem Jahr wieder in Richtung Bundesliga zu verlassen.

Das Jahr hätte besser nicht anfangen können für die Berliner. Wäre da nicht der Wirbel um Adrian Ramos. Bis zum Spiel gegen Düsseldorf hatte der kolumbianische Stürmer 741 Spielminuten lang kein Tor mehr erzielt. Für einen wie ihn, der sich für höhere Aufgaben berufen sieht als für Hertha durch die Niederungen der Zweiten Liga zu tingeln und im vorigen Sommer nur mit Mühe zum Verbleib in Berlin überredet werden konnte, war es eine frustrierende Zeit.

Doch Herthas Trainer Markus Babbel hielt an Ramos fest. Auch gestern zählte er zur Startelf und hatte gleich in der Anfangszeit zwei großartige Gelegenheiten. Ramos konnte sie nicht nutzen. Erst als Düsseldorf nach zwanzig Minuten durch Lambertz in Führung gegangen war und Hertha den Druck noch einmal erhöht hatte, gelang Ramos per Kopf der Ausgleich. „Ich freue mich für ihn, dass er nicht ins Grübeln geraten ist, nachdem er ein paar Hochkaräter nicht nutzen konnte“, sagte Babbel hinterher: „Ich weiß, wie wichtig er für uns ist. Und so, wie er sich zuletzt wieder präsentiert, glaube ich nicht, dass er weg will.“

Direkt vor dem Spiel waren solche Gerüchte im Umlauf geraten. Nach seinen beiden Toren gegen die Rheinländer sagte Ramos selbst: „Bis zum 31. Januar kann noch viel passieren. Bis dahin werde ich hart arbeiten.“ Bekanntlich endet dann die Wechselfrist. Herthas Manager Michael Preetz wollte gestern die Gemüter beruhigen als er daran erinnerte, dass man bereits im Sommer „große Anstrengungen“ unternommen habe, Ramos zu halten. „Wir werden jetzt nicht auf halber Strecke aufgeben“, sagte Preetz.

Für Hertha dürfte sprechen, dass der Weg zurück in die Bundesliga geebnet scheint. Selbst der Ausfall Peter Niemeyers, der Herthaner der Hinrunde, konnte die Mannschaft kompensieren.

Die Entscheidung im Spiel fiel spät

Herthas Trainer Markus Babbel hatte sich für eine offensive Aufstellungsvariante entschieden. Entgegen seiner Ankündigung, das Fehlen seines Stamm-Sechsers Peter Niemeyer mit zwei zentralen, defensiven Mittelfeldspielern auffangen zu wollen, übertrug er Fanol Perdedaj die Verantwortung. Weniger überraschend war, dass Babbel erneut Pierre-Michel Lasogga das Vertrauen im Sturm schenkte, Rob Friend saß auf der Bank. Klar war auch, dass Roman Hubnik, der seine Spielsperre abgesessen hatte, wieder in die Innenverteidigung rückte. An seiner Seite spielte Sebastian Neumann, der auch gleich die erste Torchance hatte.

Nach zehn Minuten kam Neumann im Strafraum der Düsseldorfer zum Kopfball, doch den Ball konnte Jens Langeneke kurz vor dem Überqueren der Torlinie klären. Eine Führung wäre nicht unverdient gewesen, denn die Berliner begannen sehr druckvoll. Vor allem Ronny leitete in der Anfangsphase ein paar gefällige Angriffe ein, nach einem geschickten Freistoß traf Adrian Ramos den Ball nicht voll.

Es sah mitunter recht hübsch aus, was Hertha anstellte, nur waren die Mühen in der Anfangszeit zu wenig zwingend. Ganz im Gegensatz dazu die Gäste aus Düsseldorf, die immer wieder nadelstichartige Gegenstöße setzten. Und so kam es, wie es Hertha eigentlich unbedingt verhindern wollte. Düsseldorf ging nach zwanzig Minuten in Führung. Lewan Kobiaschwili fälschte einen eher harmlosen Schuss von Andreas Lambertz unhaltbar für Torhüter Maikel Aerts ab. In der Entstehung zu dieser Chance hatte Roman Hubnik nicht glücklich ausgesehen, der eine Hereingabe der Düsseldorfer von der linken Seite nur unzureichend hatte abwehren können.

Fast im Gegenzug hätte Hubnik seinen Fehler fast wieder ausgebügelt. Nach einer Ecke köpfte der Tscheche, allerdings landete der Ball an der Querlatte des Düsseldorfer Gehäuses. Doch diese Aktion zeigte, dass der Rückstand Hertha nicht sonderlich aus der Bahn werfen sollte. Die Berliner drängten unverdrossen auf den Ausgleich. Und der fiel schließlich nur neun Minuten nach dem 0:1. Nach einer schönen Flanke von Nikita Rukavytsya von der rechten Seite stieg Adrian Ramos im Strafraum der Fortuna hoch zum Kopfball, und dieses Mal passte er – 1:1. Für den Kolumbianer war es der fünfte Saisontreffer, allerdings auch der erste nach 770 torlosen Spielminuten. Entsprechend fiel sein Jubellauf aus, der einen großen Bogen durchs halbe Stadion schlug.

Fortuna wollte sich nicht geschlagen geben

Es hatte sich inzwischen ein munteres Spielchen im Olympiastadion entwickelt. Auch die Düsseldorfer wollten sich nicht verstecken und versuchten ihrerseits, Akzente zu setzen. Immer mal wieder kreuzten sich vor dem Berliner Tor auf. So ergaben sich aber auch Räume für die Gastgeber, die insgesamt mehr Spielanteile hatten und das dominantere Team waren. In der ersten Hälfte aber ohne weiteren zählbaren Gewinn. Mit dem 1:1 ging es in die Pause.

Aber so blieb es nicht lange. Nur fünf Minuten nach Wiederbeginn ging Hertha mit 2:1 in Führung. Raffael hatte mit einem klugen Anspiel Nikita Rukavytsya frei gespielt, und der australische Nationalspieler zog sofort ab und traf. Vielleicht hatte die Düsseldorfer Mannschaft nicht bemerkt, dass Rukavytsya und Ronny einfach mal die Seiten gewechselt und ihre Gegenspieler damit offenbar irritiert hatten.

Die Berliner taten gut daran, nicht nachzulassen. Die Fortuna, die sich seit Wochen im Aufwind befindet, wollte sich nicht geschlagen geben. Doch die Mannschaft von Markus Babbel machte weiter Druck. Zehn Minuten nach der Führung hatte Ramos die Chance, das Ergebnis zu erhöhen. Doch der Düsseldorfer Torwart Michael Melka schnappte dem Kolumbianer den Ball vom einschussbereiten Fuß. Doch es waren eben nicht die Berliner, die frühzeitig für klare Verhältnisse sorgten, sondern die Düsseldorfer, die das Spiel jetzt ihrerseits egalisierten. Den vielleicht schönsten Angriff des Nachmittags schloss der auf dem Elfmeterpunkt völlig freistehenden Lambertz zum 2:2 ab. Mindestens der halbe Treffer gehörte aber Johannes van der Bergh, den diesen Treffer wunderschön heraus gespielt hatte.

Eine Viertelstunde vor dem Ende brachte Babbel in Waleri Domowtschiski für Ronny eine frische Offensivkraft. Der Brasilianer hatte doch stark abgebaut, in der zweiten Hälfte gingen so gut wie keine Impulse mehr aus. Der Wechsel sollte ein Zeichen sein. Und just bei der ersten Gelegenheit bot die Rukavytsya die Chance zum 3:2, doch dieser brachte das Kunststück fertig, und löffelte den Ball aus Nahdistanz übers Tor.

Doch die Berliner haben ja noch diesen Pierre-Michel Lasogga in ihren Reihen, der derzeit einfach alles trifft. In einer etwas unübersichtlichen Situation hatte sich erneut Rukavytsya den Ball zurecht gelegt, doch dann kam plötzlich Lasogga des Wegs, der den Ball in das Tor einschob. Es war das sechste Saisontor für den erst 19 Jahre alten Stoßstürmer, der bereits vor einer Woche mit zwei Treffern der Matchwinner in Oberhausen war. Hertha war wieder vorn.

Das Spiel war spätestens aber dann gelaufen, als Schiedsrichter Babak Rafati dem Düsseldorfer Kapitän und Doppeltorschützen Lambertz kurz vor Schluss nach einem Foul an Perdedaj die Gelbe Karte zeigte. Da Lambertz zuvor schon einmal verwarnt worden war, hatte er das Feld verlassen. In den restlichen fünf Minuten spielten die Düsseldorfer alles oder nichts und rannten wie wild auf das Berliner Tor an, eröffneten den Gastgebern aber so auch gute Konterchancen. Quasi mit dem Schlusspfiff schloss Ramos den allerletzten Konter mit einem Lupfer zum 4:2-Endstand ab.

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