4:2-Sieg bei Hannover 96 : Borussia Dortmund: Zu schnell für Felipe

Der BVB bleibt zwar Tabellenführer, wirkt beim Sieg in Hannover allerdings nicht immer souverän und profitiert von drei Fehlern eines 96-Verteidigers.

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Am Boden: 96-Verteidiger Felipe grätscht den Ball am eigenen Torhüter vorbei ins eigene Netz. Foto: afp
Am Boden: 96-Verteidiger Felipe grätscht den Ball am eigenen Torhüter vorbei ins eigene Netz.Foto: afp

Den Fragen zum Großen und Ganzen stellte sich Mats Hummels ganz gelassen entgegen. Und bereits seine aufrechte Körperhaltung symbolisierte, dass ihm und Borussia Dortmund derzeit wenig erschüttern kann. „Das wäre doch toll, wenn wir für Spannung sorgen“, sagte der Innenverteidiger eines Vereins, dem die alte Rolle des Titelanwärters wieder neu zugedacht wird. Tabellenführer, Bayern-Herausforderer, Tempo-Team: Die Lobhudelei von Borussia Dortmund findet auch nach dem 4. Spieltag der Fußball-Bundesliga ihre Fortsetzung. Die Westfalen waren auf dem Weg zu ihrem 4:2 (2:1)-Erfolg bei Hannover 96 nur kurz in Bedrängnis geraten. Zwei Elfmetertore von Pierre-Emerick Aubameyang Minute, ein Treffer durch Henrich Mchitarjan und ein Eigentor von Hannovers Innenverteidiger Felipe überwogen die Tücke, dass der Pole Artur Sobiech gleich zwei Tore für den Gastgeber geschossen hatte.
Der Versuch, aus Borussia Dortmund schlau zu werden, bleibt eine große Herausforderung. Unter der Regie von Trainer Thomas Tuchel hat es den Anschein, dass eine in der Vorsaison noch desolate Mannschaft plötzlich wieder vorzüglich kombinieren kann. Wie zum Beleg dafür kam der Siegtreffer daher: Aubameyang lupfte kurz vor dem Abpfiff einen Handelfmeter in die Maschen, wie es nur die ganz Mutigen unter großen Könnern schaffen. Die neue Begeisterung rund um einen BVB, der seine ersten vier Saisonspiele gewonnen hat, nimmt die Züge eines neuen schwarz-gelben Hypes an. Aber ist das berechtigt?

Auch Gastgeber Hannover 96 sorgte für zwischenzeitliche Knalleffekte

„Ich finde das völlig absurd. Jetzt soll alles schon wieder anders sein“, sagt Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Er findet den aktuellen Jubel um die Borussia übertrieben und dürfte sich durch die Partie in Hannover bestätigt sehen. Denn nicht nur die dominante Borussia, sondern auch Gastgeber Hannover sorgte für zwischenzeitliche Knalleffekte. Ein ernst zu nehmender Torschuss war den Niedersachsen gelungen in Halbzeit eins. Und den hatte der Pole Sobiech zum 1:0-Führungstreffer auch tatsächlich genutzt.

Spieltaktische Klasse gegen kollektiven Kampf. Elegant gegen beherzt. Dortmund gegen Hannover. Was die 49.000 Zuschauer im Stadion am Maschsee zu sehen bekamen, war ein interessanter Einblick in die taktischen Finessen der Bundesliga. Obwohl die Borussia ständig im Ballbesitz und Angriff war, geriet der Schwung der Tuchel-Elf immer wieder ins Stocken. „Wir konnten aber leider nicht alles verhindern“, sagte 96-Trainer Michael Frontzeck, der interessante Personalrochaden im Mittelfeld zu bieten hatte. Mit Salif Sane stand im hannoverschen Team offiziell nur ein Abräumer vor der Abwehr. Aber je nach Situation gesellten sich auch Edgar Prib und Oliver Sorg an seine Seite.

Der BVB wurde immer wieder von Gündogan angetrieben

Aus einem einzelnen Abräumer wurde so regelmäßig ein kratzbürstiges Trio. Man stemmte sich gegen eine schnelle Übermacht, die auf Dortmunder Seite immer wieder von Spielgestalter Ilkay Gündogan angetrieben wurde. Es gelang tatsächlich, Dortmund das eine oder andere Mal auszubremsen oder in Verlegenheit zu bringen. Nationalspieler Hummels war an beiden Gegentreffern der Borussia nicht schuldlos. Aber das fiel am Ende kaum ins Gewicht, weil dem Gegner in der Summe einfach noch mehr Fehler unterlaufen waren.

Wie so häufig, wenn die Spielsysteme eine Bundesligapartie in ihrem Würgegriff zu scheinen haben, sorgten Einzelaktionen für den ersehnten Unterhaltungswert. Vor dem Führungstreffer für Hannover hatte der Japaner Hiroshi Kiyotake einen sehenswerten Pass in die Tiefe gespielt. Die Szene entschädigte für vieles, was sein Team vorher in der Offensive versäumt hatte. Und in der Defensive darf wohl nicht unerwähnt bleiben, dass der Brasilianer Felipe einen ganz schlimmen Arbeitstag erlebte. Vor dem Elfmeter zum 1:1 war ihm ein Foul an Jonas Hofmann unterlaufen. Und die Schlussphase blieb auch durch die Tatsache belastet, dass Felipe erst ein Eigentor zum 2:3 schoss und ihm danach noch ein Handspiel unterlief, das zum 2:4 führte. Sein Auftritt verstärkte den Eindruck, dass viele Vereine der Bundesliga mit dem hohen Tempo von Borussia Dortmund überfordert sind. „Unser heutiger Sieg fühlt sich hart umkämpft und verdient an“, befand BVB-Trainer Tuchel. Er wird sich wohl oder übel damit arrangieren müssen, dass Borussia Dortmund weiterhin zurück in den Fußball-Himmel gelobt wird.

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