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4:3 gegen Hamburg : Ein Sieg aus dem Fast-Nichts

Vor den Augen von Klub-Eigner Philip Anschutz und Bürgermeister Klaus Wowereit erzwingen die Eisbären gegen die Hamburg Freezers kurz vor Schluss die Verlängerung - und gewinnen letztlich mit 4:3 nach Penaltyschießen.

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Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (r.) übergab den Berliner Meisterspielern um Tyson Mulock vor dem Spiel gegen Hamburg ihre verdienten Meisterschaftsringe.
Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (r.) übergab den Berliner Meisterspielern um Tyson Mulock vor dem Spiel gegen Hamburg ihre...Foto: dpa

Eine Zehntelsekunde war übrig. Ein Fast-Nichts. Aber es reichte für ein Tor und für ein Glücksgefühl beim Schützen. Knapper ging es für die Eisbären am Sonntag nicht. Sie siegten 4:3 (1:1, 1:2, 1:0/1:0) gegen die Hamburg Freezers nach Penaltyschießen, weil Frank Hördler kurz vor der Schlusssirene noch das 3:3 erzielt hatte. Denkbar eng, denkbar glücklich, wie der Berliner Verteidiger zugab. „Ich habe auf die Uhr geschaut und mich gefreut. Unglaublich“, sagte Hördler.
Hördlers Treffer war der Höhepunkt in einem Spiel, das ohne den prominenten Besucher aus Denver nicht in der Arena am Ostbahnhof stattgefunden hätte. Lässig und mit verschränkten Armen verfolgte Investor Philip Anschutz vor dem Spiel von der Auswechselbank der Eisbären, wie seine Gattin Nancy den Berliner Profis etwas zu schenken hatte: Frau Anschutz überreichte mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit die sogenannten „Meisterringe“ an die Berliner Spieler – für den in der vergangenen Saison gewonnenen sechsten Titel.
Anschutz konnte aber nur zur Hälfte entspannt sein: Zwar musste er als Eigner beider Klubs aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) am Sonntag gewinnen, aber auch verlieren. Was den Profit anging, konnte Anschutz ungeteilt erfreut sein: die Halle war mit 14.200 Zuschauern ausverkauft. Amtsmüde wirkte der Milliardär bei seinem Besuch nicht. Aber wer weiß schon, was sein Multi-Unternehmen vorhat. Kürzlich hat Anschutz seine „Entertainment Group“ zum Verkauf angeboten – das heißt nicht, dass er verkauft. Vielmehr will Anschutz wohl den Wert seines Konzerns testen und die Berliner Filiale gewinnt in den nächsten Tagen an Wert: Die beiden NHL-Stars Daniel Briere und Claude Giroux können angesichts der Spielpause in der nordamerikanischen Liga die Eisbären schon am Freitag gegen Köln verstärken.


Auf dem Videowürfel der Berliner Arena grüßten die beiden Kanadier schon mal die Berliner Fans mit einem Allerlei unverbindlicher Nettigkeiten. Giroux rief gar: „Go Bears!“ Wohin es mit den Eisbären dann gegen die Freezers gehen sollte, war lange Zeit nicht klar. Im ersten Drittel lief bei den Berlinern nur im Überzahlspiel vieles gut, obwohl das frühe Tor zum 1:0 durch Matt Foy nicht im Powerplay fiel.
Hamburg glich durch Brandon Reid aus. Und dann sind die Freezers ja schon einen Schritt weiter, was ihre Verpflichtungen betrifft: NHL-Profi Jamie Benn absolvierte schon sein zweites DEL-Spiel und traf im zweiten Drittel zum 2:1. Die Eisbären spielten zu diesem Zeitpunkt eher konzeptlos und kamen nur dank Laurin Brauns Einzelleistung zum 2:2. Wenig später aber bereitete Benn das 3:2 für die Freezers durch Colin Murphy vor.

Das letzte Drittel reizten die Berliner dann ordentlich aus, mit Hördlers spätem Ausgleichstreffer samt Schockwirkung für den Gegner: Nach der torlosen Verlängerung gewannen die Eisbären das Penaltyschießen. André Rankel gelang der entscheidende Treffer im letzten Berliner Spiel ohne Verstärkung aus der NHL. Allerdings kauft man mit NHL-Profis keine Sieggarantie, wie das Spiel zeigte: Den entscheidenden Fehler vor dem 3:3 durch Hördler beging Jamie Benn. Der Kanadier war nach dem Spiel sichtlich geknickt. „So ein spätes Tor, das kannte ich bisher nur aus dem Fernsehen“, sagte der Star von den Dallas Stars. „Das war ein ganz bitterer Moment für mich.“

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