Sport : 40 Tore auf der Baustelle

Deutsche Handballer besiegen Katar zum WM-Auftakt mühelos

Erik Eggers,Martin E. Hiller

Von Erik Eggers

und Martin E. Hiller

Viseu. Die rote Farbe an den Wänden der Toilette war noch nicht trocken, als Christian Schwarzer den ersten Ball bei der Handball-Weltmeisterschaft 2003 warf. Fünfzehn Minuten zuvor waren Helfer damit beschäftigt, Getränkeautomaten zu befüllen und Eingänge zu kennzeichnen. Drei Minuten vor Spielbeginn wurde erstmals die Lautsprecheranlage ausprobiert. Es krachte und knarzte im Pavilhao Multiusos, einer Halle, die eher einer Baustelle glich als einer WM-Spielstätte. Das Turnier begann schließlich mit einer Verspätung von zehn Minuten, was aber der deutschen Mannschaft im ersten Spiel gegen Katar nichts ausmachte. Zu offensichtlich war beim 40:17 (23:8) für Deutschland der Klassenunterschied zwischen beiden Teams.

„Der gegnerische Angriff kam überhaupt nicht durch unsere Deckung“, sagte Stefan Kretzschmar. Nach acht Minuten führte das deutsche Team bereits mit 8:1, weshalb sich Bundestrainer Heiner Brand schnell zu ersten Wechseln entschloss und dem körperlich stark unterlegenen Gegner dadurch wenigstens ein paar Tore gönnte. Der Titelfavorit baute seinen Vorsprung über 12:3 (15. Minute), 23:8 zur Pause und 31:14 (45. Minute) kontinuierlich aus. Zeitweise musste man sogar Mitleid bekommen mit den Arabern.

Die Menschen aus Viseu bemühten sich, ihren kleinen Weinort als WM-Kulisse zu präsentieren. Die Gastgeber schickten nicht nur 200 Schüler als Zuschauer in die neue Halle, sondern amüsierten auch die 100 mitgereisten deutschen Fans mit amüsanten, weil slapstickreifen Turneinlagen.

All das war freilich nur fröhliche Folklore bei einem Kantersieg mit einem fragwürdigen sportlichen Wert. „Das ist ein sehr guter Auftakt für uns“, sagte Rückraumspieler Volker Zerbe, der bereits zur Pause entspannt umherblicken konnte. In der Tat waren die Kombinationen der Spieler im deutschen Rückraum schön anzusehen.

Und auch die Abwehr wurde kaum einmal ernsthaft auf die Probe gestellt, zu harmlos spielte der Gegner. Gefahr drohte, wenn überhaupt, auf andere, skurrilere Weise: Allzu oft nämlich mussten die hünenhaften Spieler im deutschen Abwehrzentrum – der 2,11 Meter große Zerbe, Klaus-Dieter Petersen und Mark Dragunski – gar Würfe ins Gesicht befürchten, so klein und so wenig sprungkräftig zeigten sich die gegnerischen Angreifer. Zudem sprangen die Araber auch viel zu nahe an ihren Gegenspielern ab.

So fragwürdig indes Begegnungen wie diese sind, so gelegen kommt ein Gegner wie Katar. Am Wochenende warten mit Portugal und Island schwerere Aufgaben auf die deutsche Mannschaft. Die Isländer stellten beim 55:15 über Australien bereits einen neuen WM-Torrekord auf. Außerdem mussten sie bei ihrem Rekordsieg einen halbstündigen Stromausfall verkraften. Bei Notbeleuchtung hielten sich die Spieler warm. Das alles geschah natürlich auch im Pavilhao Multiusos, der Baustelle von Viseu.

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