Sport : 400 Beamte hat Amsterdams Polizei für das Fußballspiel aufgeboten

Thomas Roser

Es wird sich zeigen, ob die Sicherheitsmaßnahmen gegen Hooligans greifenThomas Roser

Die Sicherheitsbehörden fühlen sich für den EM-Ernstfall gerüstet. 400 Beamte hat Amsterdams Polizei für das Fußballspiel zwischen Holland und Deutschland aufgeboten. Mit "Problemen" rechnet Polizeisprecher Klaas Wilting nicht: "Alles ist sehr ruhig und wir machen uns eigentlich auch keine Sorgen um das Spiel. Denn mit solchen Begegnungen haben wir schließlich jahrelange Erfahrung." Das Testmatch sei "ein ganz normales deutsch-holländisches Freundschaftsspiel", sagt auch Andreas Piastowski, der Leiter der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) in Düsseldorf. Doch der 36-jährige Chef der Behörde, die den Kampf gegen Hooligan-Gewalt bundesweit koordiniert, weiß natürlich um die Brisanz der Begegnung: "In der Vergangenheit kam es bei den Spielen zwischen den beiden Ländern leider oft zu erheblichen Ausschreitungen."

Szenen wie bei der WM 1998, als deutsche Hooligans den Polizisten Daniel Nivel in Lens beinahe zu Tode prügelten, sollen unbedingt vermieden werden. Das Freundschaftsspiel ist darum für die Polizei in beiden Ländern eine willkommene Gelegenheit, ihre Strategien für die EM noch einmal zu testen und zu überprüfen. "Gewalttätigkeiten wie in Lens oder beim Freundschaftsspiel 1996 in Rotterdam dürfen sich am Mittwoch nicht wiederholen", sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Fritz Behrens zu Wochenbeginn und kündigte verschärfte Vorsichtsmaßnahmen an: "Die Polizei wird alles tun, damit Gewalttäter keine Chance haben."

Nach den Ereignissen bei der Weltmeisterschaft in Frankreich haben die deutschen Sicherheitsbehörden ihre Vorgehensweise geändert. Bereits an ihren Wohnorten werden bekannte Randalierer gezielt von der Polizei aufgesucht und vor einer Anreise zum Spielort gewarnt. Allein in Nordrhein-Westfalen stattete die Polizei in den letzten Tagen 514 Hooligans einen Hausbesuch ab, um ihnen die Konsequenzen möglicher Straftaten in Amsterdam aufzuzeigen. 41 Personen wurde gar die Ausreise am Spieltag untersagt: Sie müssen sich am Mittwoch kurz vor Anpfiff bei ihrer heimatlichen Polizeiwache melden.

Auch der Bundesgrenzschutz hat die Kontrollen an den Grenzen zu Belgien und Holland intensiviert. Bereits am Dienstag wurde kontrolliert. Jeder Wagen musste anhalten. "Für uns ist dieses Spiel ein Probelauf für die EM", berichtet BGS-Sprecher Dirk Lohest. "Wir werden auch bei der EM keineswegs die unkontrollierte Ausreise von Hooligans zulassen."

Sollte es in Amsterdam dennoch zu Ausschreitungen kommen, stehen der holländischen Polizei 18 szenekundige Beamte aus dem Nachbarland zur Beratung zur Verfügung. Ob deutsche Schläger die Begegnung zur Randale nutzen werden? Piastowski: "Eine These lautet, dass Hooligans so kurz vor der EM nicht unbedingt in das Blickfeld der Polizei geraten wollen. Andererseits könnten sie gerade dieses Spiel für Ausschreitungen nutzen, da sie bei der EM möglicherweise mit noch stärkeren Sicherheitsvorkehrungen rechnen."

Übte sich Den Haag jahrelang eher in Zurückhaltung gegenüber der keineswegs harmlosen Hooliganszene des Königreichs, hat die Regierung für die EM eine wesentlich härtere Gangart angekündigt. Bereits Mitte Februar schlossen der belgische und holländische Innenminister mit ihrem deutschen Amtskollegen Otto Schily in Berlin eine Vereinbarung zum Datenaustausch über polizeibekannte Hooligans, Grenzkontrollen während der EM und den Einsatz deutscher Kontaktbeamter in den Nachbarstaaten.

In dieser Woche debattiert das Parlament über die Verabschiedung eines umfangreichen Gesetzespakets, das der Polizei auch die vorbeugende Verhaftung ermöglichen soll. Während Kritiker davor warnen, dass der Rechtsstaat seine Prinzipien "auf dem Altar von König Fußball zu opfern" drohe, setzt die Polizei die Vorgaben der Politik bereits in die Tat um. Als eine Demonstration der berüchtigten Anhänger von Feyenoord Rotterdam gegen die Pflichtanreise per Zug am Wochenende in Tilburg aus dem Ruder zu laufen drohte, wurden 236 der randalierenden Fans festgesetzt. Von einem mobilen Schnellgericht wurden sie an Ort und Stelle zu Geldstrafen von 675 Gulden (600 Mark), einem Stadionverbot oder gerichtlichen Vorladungen verdonnert. "Wir sind bei der EM zwar kein Spielort", sagte Tilburgs Bürgermeister Johan Stekelenburg, "aber das war schon einmal eine Übung für die bei der EM geplante Polizei-Taktik."

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