Sport : 49er debütieren und proben für Olympia

ANDREAS KLING

Rasante Manöver versprechen bei der 103.Kieler Woche SpannungVON ANDREAS KLING Kiel. Hektik im Hafen von Schilksee.Bug an Bug müssen 1800 Jollen und Jachten aufgereiht werden, wo sonst im Sommer eher beschauliche Betriebsamkeit herrscht.Am Regattabüro steht eine lange Seglerschlange; und eifrige Wassersportler machen noch einige Probeschläge auf der Ostsee.Denn heute beginnt die 103.Kieler Woche. 5000 Segler aus 42 Nationen werden starten.Ziel sei laut Organisationschef Dieter Rümmeli jedoch nicht das Prinzip Masse statt Klasse.Das hatte vor einigen Jahren zur Abwanderung von Spitzenseglern geführt.Mit der Zweiteilung in nationale und internationale Klassen (heute bis Dienstag) sowie olympische Klassen (Mittwoch bis Sonntag) werde das hohe Niveau gehalten.Allein 16 Medaillengewinner von Savannah 1996 sind dabei.Hinzu kommen die Seesegler auf rund 270 Dickschiffen, die ihre Deutsche Meisterschaft und den ILC-40-Weltcup mit der "Pinta" (Illbruck/Leverkusen) austragen. Zu den Eifrigsten gehören die 49er.Die neue olympische Bootsklasse gibt ihr Debüt auf der größten Segelregatta der Welt.Und die Aktiven wollen sich nicht blamieren.Schließlich bekamen sie extra ihre Bahn H dicht vor den Strand zwischen Schilksee und Strande gelegt, wo sie von Schaulustigen gut zu beobachten sein werden.Den Grund erkennt schnell, wer gestern den deutschen Spitzencrews beim Training zugeschaut hat.Diese sogenannten Skiffs, offene Jollen mit seitlichen Auslegern und einem riesigen Gennaker (Vorsegel), fahren rasante Manöver und sind ausgesprochen kippelig.Selbst gute Segler überschlagen sich noch in den Böen."Beim ersten Mal bin ich 20mal gekentert", berichtet Marcus Baur aus Kiel.Aber das Talent will demnächst zu den Weltbesten gehören. "Bis dahin ist es noch ein steiniger Weg", sagt Bundeshonorartrainer Helge Sach.Der aktive Tornado-Segler und EM-Sechste bekam vom Deutschen Segler-Verband (DSV) die Entwicklungshilfe anvertraut.Denn während das Skiffsegeln, vor allem auf 18-Footern, in Australien und Übersee professionell betrieben wird, steckt es in Europa noch in den Kinderschuhen.Doch durch den Olympia-Status boomt die Klasse.Mehr als 50 Teilnehmer werden zur Kieler Woche erwartet.Zum Vergleich: Im Soling, wo dieses Jahr ein enormer Aufschwung zu verzeichnen ist, sind es 37 Boote.Rümmeli: "Wir werden die 49er in Gruppen starten lassen, damit kein Chaos entsteht." Um den internationalen Rückstand aufzuholen, müssen auch die Deutschen Überstunden leisten.Vor Kiel trainierten sie mit dem australischen Profi Chris Nichelson."Eine Augenweide", meint Sach, den es selbst in den Fingern juckt.Er wird sich jedoch mit Bruder Christian weiter auf den Tornado konzentrieren. Die Vorbereitung für die Youngster ist hart.Wer nach oben will, muß alles auf eine Karte setzen."Ich kämpfe da auch gegen die vernünftige Zukunftsplanung der Eltern", erklärt Helge Sach, der auf Sicht nur Vollzeitseglern den Anschluß an die Cracks zutraut.Am beste wäre ein Sponsor, der die Mannschaften nicht nur bis zu den Olympischen Spielen in Sydney unterstützt, sondern ihnen auch hinterher einen Arbeitsplatz verschafft. Diese Problematik ist nicht neu.Auch Jochen Schümann, dreifacher Goldmedaillengewinner, weiß um den Finanzbedarf.Einen Schub für den gesamten Segelsport verspricht er sich von seiner neuen Aufgabe: Als Botschafter soll er weltweit für die Kieler Woche werben.

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