5:1 gegen Hamburg : Hoffenheim zerlegt den HSV

Der Hamburger SV zeigt gegen Hoffenheim eine desolate Leistung. Nach der 1:5-Niederlage steht Trainer Bruno Labbadia unter Druck.

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Als Bernd Hofmann endlich sprach, sagte er nichts Konkretes und ließ dennoch wenig Zweifel, was beim Hamburger SV bald folgen wird. Bruno Labbadia muss nach dem 1:5 (0:3) bei 1899 Hoffenheim mit seiner Entlassung rechnen, und das wohl noch vor dem Rückspiel im Europa-League-Halbfinale gegen den FC Fulham (Hinspiel 0:0) am Donnerstag. Bereits am Montag scheint eine Trennung möglich. „Was ich sagen kann, ist, dass wir Donnerstag unsere letzte Chance haben, einen europäischen Wettbewerb zu erreichen“, sagte Hofmann. Bis dahin werde man „mit dem Trainer alle Maßnahmen besprechen, damit wir wieder mehr Erfolg haben.“

Mehr sage er nicht zum Trainer, wiederholte der Klubchef. Dass Labbadia am Donnerstag in London auf der Hamburger Bank sitzen werde, wollte der Vorstandsvorsitzende nicht versprechen. Eine Lösungsvariante könnte ein Rücktritt Labbadias sein, der dann zumindest Hofmann aus der Schusslinie nehmen würde. Der Boss des Hamburger SV musste sich auch „Hofmann raus“-Rufe der Hamburger Anhänger anhören. Es war sinnbildlich, wie Hofmann nach dem Spiel in der Sinsheimer Arena den Ausweg sucht – und sich verlief. Erst als er jede der drei Türen in einem Gang ausprobiert hatte, gelangte er zur HSV-Kabine.

Trainer Bruno Labbadia wirkte alles andere als zuversichtlich. „Das war eine desolate Leistung“, sagt er. Zuweilen klang er sogar wie bei seiner eigenen Abschiedsrede: „Wir hatten schöne Momente.“ Klare und deutliche Worte seien nun notwendig, ergänzte Labbadia. Allerdings konnte sich Teamkapitän David Jarolim nicht erinnern, „dass wir jemals so schlecht gespielt haben“.

Was der HSV vier Tage vor dem Rückspiel gegen die Engländer bot, kam einem Offenbarungseid gleich. Wie in einem bedeutungslosen Trainingsspiel umkurvte Vedad Ibisevic Joris Mathijsen bereits in der zweiten Minute und schob den Ball zum 1:0 ein. Neun Minuten später gelang dem Bosnier sein zwölfter Saisontreffer. Als auch noch Chinedu Obasi das 3:0 erzielt hatte, drangen Spott-Gesänge aus der Hoffenheimer Kurve. „Einer geht noch, einer geht noch rein“, sangen die Anhänger der Badener.

Ibisevic traf nach einem schweren Patzer des eingewechselten David Rozehnal nur den Pfosten. Vom Hamburger SV kam keine Gegenwehr mehr. Daran änderte auch das 1:3 durch Robert Tesche nichts, zumal Obasi das 4:1 und Sejad Salihovic das 5:1 gelang. Dass der Hamburger Tolgay Arslan kurz vor dem Ende wegen eines Revanchefouls die Rote Karte sah, passte ins Bild.

Für Hoffenheim war es der erste Sieg seit sieben Spielen. Der Hamburger SV dagegen setzte seine Talfahrt fort und hat die erneute Qualifikation zur Europa League bei fünf Punkten Rückstand auf den Sechstplatzierten VfB Stuttgart verspielt.

Die Niederlage gegen Hoffenheim markiert wohl den entscheidenden Tiefpunkt für Labbadia, der in Ruud van Nistelrooy, Ze Roberto, Marcel Jansen und Guy Demel vier verletzte Akteure ersetzen musste. Seit Wochen häufen sich Hinweise auf eine tiefe Kluft zwischen Trainer und Mannschaft. Immer wieder gibt es Berichte über disziplinarische Probleme. Vor dem Spiel in Hoffenheim hieß es, dass den Trainer nur der Einzug ins Europa-League-Finale am 12. Mai in Hamburg retten könne. Nun scheint es auch dafür zu spät zu sein.

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