5:4-Heimsieg : Neun Tore in einem Spiel - Union schießt eins mehr als Paderborn

Ein Tor nach dem anderen fiel beim Zweitliga-Spiel zwischen dem 1. FC Union und dem SC Paderborn an der Alten Försterei. Am Ende gewann Union 5:4.

Katrin Schulze
FC Union Berlin - SC Paderborn 07
Das Erste von Neunen. Mosquera trifft zum 1:0.Foto: dpa

Nur einen kurzen Augenblick verlor John Jairo Mosquera seine Lockerheit. In diesem Moment gab es für ihn kein anderes Frustobjekt als das Fußballtrikot. Der Stürmer riss es mit einem kräftigen Handgriff nach oben und entlud seine ganze Enttäuschung mit einem kräftigen Biss in das Stück Stoff. Da hatte seine Mannschaft eine Stunde lang so souverän gespielt und musste nach einer 3:0-Führung kurz vor der Halbzeitpause noch das 3:2 hinnehmen. Zum Verzweifeln war das. Aber noch lange kein Grund, sich aufzugeben, denn trotz einiger Phasen der Verunsicherung schlugen Mosquera und der 1. FC Union den SC Paderborn gestern mit 5:4.

Es war eine verrückte Mischung aus Euphorie und eben Frust, die den 13.163 Zuschauern im Stadion An der Alten Försterei einen unterhaltsamen und turbulenten Nachmittag bescherte. Für die Euphorie waren zunächst voll und ganz die Gastgeber verantwortlich: In den ersten 30 Minuten gaben sie den Paderbornern Unterricht in gepflegtem Fußballspielen. Schnell, kombinationssicher und beinahe berauscht traten sie auf. Schon nach neun Minuten sollte sich zu diesem ästhetischen Auftreten auch der Erfolg gesellen. Nachdem Mittelfeldspieler Torsten Mattuschka quer auf John Jairo Mosquera gepasst hatte, brauchte der aus kurzer Distanz  nur noch den Ball ins untere rechte Eck zu schieben. Doch dabei wollte es Union nicht belassen. Nur vier Minuten später wuchtete Mosqueras Sturmkollege Karim Benyamina den Ball nach Flanke von Kapitän Marco Gebhardt volley aus spitzem Winkel ins Tor von Daniel Masuch.

Dass die Berliner im Duell gegen den Mitaufsteiger zu Beginn derart überzeugen konnten, überraschte ein wenig. Schließlich fehlte Trainer Uwe Neuhaus Hüzeyfe Dogan wegen einer Schambeinentzündung. Außerdem verzichtete Neuhaus auf Kenan Sahin, der noch im vergangenen Ligaspiel gegen Augsburg eine gute Leistung gezeigt hatte. Dafür rückte Michael Parensen in die Mannschaft und Gebhardt ins zentrale Mittelfeld - eine Maßnahme, die sich allerdings nicht negativ auf die Spielfreude der Köpenicker auswirken sollte. Vor allem nicht auf die von Mosquera. Mit einer schönen Einzelleistung setzte er sich gegen zwei Gegenspieler durch und mit einem Schuss ins lange Eck bereits seinen vierten Saisontreffer. Das Zwischenergebnis erstaunte, hatten die Paderborner in den vergangenen drei Partien doch keinen Gegentreffer kassiert.

„Siehst du Hertha, so wird es gemacht"

Und nun waren es gleich drei auf einmal. Angesichts des munteren Spielchens ihres Teams konnten sich die Anhänger der Köpenicker nach gut einer halben Stunde auch einen Seitenhieb in Richtung des derzeit schwächelnden Berliner Bundesligisten nicht mehr verkneifen. „Siehst du Hertha, so wird es gemacht“, hallte es erst zaghaft, dann immer lauter von den Rängen. In diesen Zustand der Ekstase, der auch ein wenig die Akteure auf dem Platz zu befallen schien, passten die kommenden Minuten dann aber nicht mehr recht. Etwas zu nachlässig agierte Union nun und ließ Paderborn gewähren: Innerhalb von 13. Minuten hatten die Gäste durch Treffer von Gaetano Manno und Mahir Saglik aus einem 0:3-Rückstand ein 2:3 gemacht.

Hatte sich Union von einem Rausch in die Nervosität gespielt? Es sah danach aus. Doch die Erlösung erfolgte mit dem Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Günter Perl. Danach fanden die Köpenicker fast wieder zu ihrem anfänglichen Zustand zurück. Benyamina blieb es vorbehalten, kurz nach Wiederanpfiff auf 4:2 zu erhöhen. Was folgte, war eine konzentrierte Vorstellung des Gastgebers – bis eine verrückte Schlussphase in der 85. durch das Tor von Paderborns Sören Brandy eingeläutet wurde. Das 4:3. Sollte es etwa eine Duplizität zum ersten Abschnitt geben? Nicht ganz: Der eingewechselte Kenan Sahin durfte nämlich auch noch einmal treffen – für Union. Dass sich quasi mit dem Schlusspfiff dann auch nochmal der Paderborner Saglik in die lange Torschützenliste eingetragen durfte, störte in diesem Moment keinen Spieler des 1. FC Union mehr. Diesmal riss John Jairo Mosquera einfach die Arme in die Luft. Zum Jubeln.

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