Sport : 50 000 Dollar für eine WM

Handball-Bund ist unter Korruptionsverdacht

Erik Eggers

Hamburg - Die Handball-WM 2005 ist lange vorbei und doch wird sie wieder ein Thema: Bei der Vergabe der Titelkämpfe sollen Schmiergelder im Spiel gewesen sein – von Seiten des Deutschen Handball-Bundes (DHB). Als die Funktionäre des DHB im November 2002 zum Kongress der Internationalen Handball-Föderation (IHF) nach St. Petersburg flogen, um die WM 2005 nach Deutschland zu holen, zeigte sich DHB-Boss Ulrich Strombach zuversichtlich. Er habe ein „sehr, sehr gutes Gefühl“, erklärte der Gummersbacher Rechtsanwalt. Man werde die WM nach Deutschland holen. Heraus kam aber eine 44:46-Abstimmungsniederlage gegen Tunesien, und Strombach schimpfte auf gekaufte „Stimmkartelle“, die IHF-Präsident Hassan Moustafa organisiert habe. Erst als der DHB zwei Jahre später die WM 2007 erhielt, geriet die Episode in Vergessenheit.

Nun holt ihn diese Geschichte wieder ein. Nach Informationen des NDR-Sportclubs hat die DHB-Spitze damals mit 50 000 Dollar die WM-Austragung kaufen wollen. Wie DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier und DHB-Schatzmeister Wolfgang Gremmel dem NDR bestätigten, hatte der DHB Mitbewerber Russland vor dem Wahlgang diese Summe für einen Rückzug versprochen. Die Russen schlugen ein. Als aber der DHB die Wahl gegen Tunesien verlor, war das Dilemma groß. Nun musste der DHB für die 50 000 Dollar aufkommen, die ein potenzieller WM-Sponsor hatte aufbringen wollen. Gremmel sagt: „Ich als Schatzmeister musste das doch verbuchen.“ Aus Reihen der Landesverbände regt sich nun Kritik am Präsidium. Einige Verbände erwägen gar, dem DHB ihre Mitgliedsbeiträge zu verweigern, bis der Korruptionsfall aufgeklärt ist. Erik Eggers

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