Sport : 54 Minuten in Paris

Barbara Rittners Auftritt bei den French Open währte nur kurz – der Grund dafür heißt Serena Williams

Stefan Hermanns

Paris. In der vorigen Woche hat Barbara Rittner einen Albtraum gehabt. Die Tennisspielerin aus Köln hatte geträumt, dass sie bei den French Open in der ersten Runde gegen Serena Williams, die Weltranglistenerste und Titelverteidigerin, würde spielen müssen. Eine schreckliche Vorstellung. Und was noch schrecklicher ist: Ihr Traum wurde wahr. Am Freitag reiste Rittner nach Paris, als sie dort ankam, fand sie fünf Kurzmitteilungen auf ihrem Handy. „Kopf hoch!“, stand da. Und: „Macht nichts.“ Barbara Rittner „wusste gar nicht, worum es geht“. Bis sie das Tableau mit den Ansetzungen sah.

Wenn es sich um das wichtigste Tennis-Turnier des Landes handelt, neigt der Franzose zu einem gewissen Pathos. Die Tageszeitung „Le Figaro“ hat ihren Vorbericht zu den French Open gestern mit der Überschrift versehen: „14 Tage, um Paris zu erobern.“ Für Barbara Rittner dauerte das Abenteuer nur 54 Minuten. Drei Spiele gewann sie gegen Serena Williams, 2:6 und 1:6 hieß es am Ende. „Ich hatte keinen Einfluss auf das Spiel“, sagte Rittner. Das einzig Positive an diesem Vormittag war, dass sie auf dem Centre Court spielen durfte, „aber ich hätte gerne darauf verzichtet“.

Serena Williams tritt in einer anderen Gewichtsklasse an als Spielerinnen wie Barbara Rittner, und am besten lässt sich das daran ablesen, dass die Amerikanerin nicht nur ihre eigenen Punkte machte, sondern auch die ihrer Gegnerin. Im ersten Satz spielte Rittner zwei Punkte selbst heraus, den Rest verdankte sie Fehlern der Weltranglisten-Ersten. „Man hat das Gefühl, dass sie immer noch einen draufsetzen kann", sagte Rittner.

Bevor sie auf den Centre Court getreten war, um das Turnier zu eröffnen, hatte sie noch gedacht: „Wenn sie einen superschlechten Tag hat und ich einen superguten, dann hat man vielleicht eine Chance.“ Aber Williams hatte einen mittelmäßigen Tag, Rittner einen halbwegs normalen. Folglich hatte die Deutsche keine Chance.

Ein bisschen ist das symbolisch für den Zustand des deutschen Tennis. Wenn alles normal läuft, werden die sechs deutschen Männer und die sechs deutschen Frauen in Paris keine allzu großen Eroberungen machen. Dann läuft es eher so wie für Rittner und Alexander Popp, der vor drei Jahren einmal überraschend das Viertelfinale von Wimbledon erreicht hat. Gestern unterlag er dem Österreicher Stefan Koubek 5:7, 2:6, 3:6. Oder wie für Tomas Behrend, der gegen Wayne Ferreira mit 4:6, 2:6 und 3:6 ausschied.

Wenn es überhaupt einen deutschen Spieler gibt, der zurzeit aus dem unteren Mittelmaß herausragt, so ist das Rainer Schüttler. Der 27-Jährige bevorzugt eigentlich die schnellen Belege. „Ich fühle mich auch auf Sand wohl“, behauptet Schüttler. „Vielleicht hatte ich nur nicht die besten Ergebnisse.“ Bestimmt hatte er die nicht, aber auch in dieser Hinsicht sind beim Aufsteiger dieser Saison Fortschritte zu erkennen. Bei den Sandplatzturnieren von München und Rom erreichte Schüttler in diesem Frühjahr jeweils das Viertelfinale, in Paris zog er gestern in die zweite Runde ein. Schüttler besiegte den US-Amerikaner Cecil Mamiit 6:1, 2:6, 6:4, 6:2. Schwierigkeiten hatte der an Nummer elf gesetzte Deutsche nur im zweiten Satz und Anfang des dritten, „da liefen ein paar Bälle krumm“. Neben seinem eigentlichen Trainer Dirk Hordorff beschäftigt Schüttler in diesem Frühjahr mit dem Argentinier Hernan Gumy einen Coach speziell für das Spiel auf Sandplätzen. Das scheint sich bezahlt zu machen. „Ich arbeite seit elf Jahren mit Dirk zusammen, da ist es ganz gut, auch mal ein paar andere Impulse, zu bekommen.“

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